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Was Tobias Sauer von der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom (Mitnetz Strom) hier zeigt, ist ein intelligentes Messsystem. Damit lassen sich der Energieverbrauch und die Nutzungszeit kontinuierlich messen sowie an autorisierte Akteure übermitteln.

Foto: Anja Jungnickel

Die schlauen Stromzähler kommen

2017 beginnt die Pflichteinführung neuer Messtechnik. Was das heißt, was es bringt - und was es kostet

Von Andreas Rentsch
erschienen am 02.02.2017

Chemnitz/Dresden. Der große Zählertausch steht an: In den nächsten Jahren werden viele Stromabnehmer in Deutschland mit neuer Technik - sogenannten Smart Metern - ausgestattet. Welche Gerätevariante installiert wird, hängt unter anderem vom individuellen Verbrauch ab. Verbraucherschützer weisen jedoch auf den begrenzten Zusatznutzen der Technik, höhere jährliche Kosten und mögliche Sicherheitsrisiken hin. Immerhin: Vorerst trifft die Pflicht, fortgeschrittene, intelligente Messsysteme zu installieren, nur Kunden mit hohem Jahresverbrauch.

Smart Meter - was versteht man eigentlich darunter?

Im Grunde ist Smart Meter ein Sammelbegriff für elektronische Stromzähler. Handelt es sich um einen digitalen Zähler, der den Stromverbrauch misst und speichert, jedoch keine Anbindung zur Fernauslesung der Daten hat, sprechen Fachleute von einer "modernen Messeinrichtung". Die Verbrauchswerte lassen sich auslesen, indem man per Taschenlampe einen Lichtsensor betätigt und danach einen individuellen Zugangscode eingibt. Ist eine solche Einrichtung dagegen mit einer Kommunikationseinheit für die Fernauslesung ausgestattet, handelt es sich um ein "intelligentes Messsystem". "Durch die Kommunikationseinheit werden wichtige Netzdaten wie Spannung und Stromstärke, aber auch Verbrauchsdaten, an den zuständigen Messstellenbetreiber, Netzbetreiber oder Versorger übermittelt", erklärt Tobias Sauer von der Mitnetz Strom, die zur EnviaM-Gruppe gehört. Auch der Konsument selbst kann sich seine Verbrauchsdaten auf dem Smartphone am heimischen PC ansehen.

Wo gibt es die neue Zählertechnik schon?

Der in Dresden tätige Versorger Drewag hat bereits 2010 damit begonnen, moderne Messeinrichtungen auf freiwilliger Basis bei Kunden einzubauen. Eine gesetzliche Pflicht dazu gab es aber bislang nicht. Das ändert sich von 2017 an: Deshalb beginnt unter anderem die Mitnetz Strom im Frühjahr damit, solche Technik zu installieren. "Kunden, bei denen wir im April mit dem Einbau beginnen werden, haben bereits ein Anschreiben von uns erhalten", sagt Abteilungsleiter Sauer. Anders sieht es bei intelligenten Systemen mit Kommunikationseinheit ("Smart Meter Gateway") aus. Da solche Geräte bisher nicht verfügbar seien, rechne man frühestens 2018 mit den ersten Installationen, heißt es in der Branche. Laut Gesetz ist diese Technik bereits jetzt für Stromkunden mit Jahresverbräuchen über 10.000 Kilowattstunden (kWh) Pflicht. Gleiches gilt für sogenannte Prosumer: Das sind Konsumenten, die zum Beispiel mit ihrer Photovoltaikanlage selbst Strom erzeugen. Die Einbaupflicht greift hier ab sieben Kilowatt elektrischer Leistung. Ab 2020 sinkt die Verbrauchsgrenze auf 6 000 kWh im Jahr. Dann greift die Einbaupflicht auch für kleinere Betriebe oder Gewerbetreibende. Insgesamt zieht sich das Umrüst-Procedere bis zum Jahr 2032 hin.

Wann treffen die Neuerungen auch Privathaushalte?

Grundsätzlich gilt: Smart Meter sind 2017 bei allen Neubauten Pflicht. Ob mit oder ohne Kommunikationseinheit, hängt unter anderem vom Energiekonsum ab. Liege der Jahresverbrauch eines Privathaushalts unter 6000 kWh, könne der Messstellenbetreiber ab 2020 ein intelligentes System einbauen, müsse es aber nicht, sagt Carla Groß, Referatsleiterin bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Was das für den deutschen Durchschnittshaushalt bedeutet, der laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft um die 3500 kWh pro Jahr verbraucht, bleibt abzuwarten. Der Bund der Energieverbraucher etwa betont das Prinzip der Freiwilligkeit, wenn es um intelligente Messsysteme für Wenigverbraucher geht. Ob aber einzelne Mieter in einem Mehrfamilienhaus künftig wirklich frei bei diesem Thema entscheiden können, ist zumindest fraglich.


 

Was nützt mir ein digitaler Stromzähler?

"In den Geräten wird etwas gespeichert, was es bisher so noch nicht gab: der zeitliche Verlauf des Verbrauchs", erklärt Carla Groß. Laut Gesetz muss ein modernes Messsystem mindestens in der Lage sein, "historische tages-, wochen-, monats- und jahresbezogene Energieverbrauchswerte sowie die Zählerstandsgänge für die letzten 24 Monate zur Verfügung stellen zu können". Um mit dem Wissen um den eigenen Verbrauch dann auch Energie zu sparen, braucht es aber noch etwas anderes: variable Tarife. "Die sind jedoch noch nicht in Sicht", sagt Groß. Doch selbst wenn es anders wäre, werden Kleinverbraucher Mühe haben, die Zusatzkosten für ein intelligentes Messsystem durch gezieltes An- und Ausschalten von Waschmaschinen, Geschirrspülern oder anderen flexibel nutzbaren Geräten wieder hereinzuholen. Das zumindest hat eine vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2015 ergeben. Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Untersuchung seinerzeit kritisiert und als "Momentaufnahme" bezeichnet.

Wie hoch sind die zusätzlichen Kosten für intelligente Systeme?

Für eine moderne Messeinrichtung ohne Anbindung an ein intelligentes Messsystem sehe der Gesetzgeber Maximalkosten von 20 Euro pro Jahr vor, teilt eine Sprecherin der Drewag mit. Vorausgesetzt, der Abnehmer bleibt unter einem Jahresverbrauch von 6000 kWh. "Die Preise für intelligente Messsysteme sind deutlich höher", sagt Eckart Kieser von EnviaM. Doch auch hier gelten fixe Preisobergrenzen. Bei Kunden, die bereits ab 2017 unter die Einbaupflicht fallen und zwischen 10.000 und 20.000 kWh verbrauchen, werden maximal 130 Euro fällig.

Welche Risiken bergen die neuen Systeme?

"Wie jedes ans Internet angebundene Gerät, ist ein Smart Meter für Hacker grundsätzlich erreichbar", warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Gespeicherte Messwerte könnten demnach für die Werbebranche, aber auch für Kriminelle interessant sein. Deshalb gebe es beim Thema Datenschutz und -sicherheit insgesamt "harte Bandagen", sagt Carla Groß. Für die Einhaltung der jeweiligen Standards und Rahmenbedingungen sei das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zuständig. Unter anderem kümmert sich die Behörde darum, Hersteller von Smart Meter Gateways zu zertifizieren. Diese Kommunikationseinheiten sind das Herzstück eines intelligenten Messsystems. Über sie läuft der verschlüsselte Datenaustausch zwischen Stromabnehmer und Versorger. Erst wenn drei Geräte-Anbieter zertifiziert sind, können Stadtwerke tatsächlich mit dem Einbau der neuen Technik beginnen. Der Prozess ziehe sich jedoch mindestens bis ins zweite Quartal hin, meldete ein Fachmagazin kürzlich.

 
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