Ärger um Ernte-Fahrzeuge: Adelsberger alarmieren Polizei

Protest gegen Staubschwaden über Wohngebiet - Bürgerzorn beschäftigt Ordnungskräfte und Landwirtschaftsbehörden

Chemnitz. Die Beschwerde bei der Polizei ging in den heißen Nachmittagsstunden ein: Sie betraf Erntearbeiten nahe von Wohnhäusern in Adelsberg, bestätigt Jana Kindt, die Sprecherin bei der Polizeidirektion in Chemnitz, Informationen der "Freien Presse". Stein des Anstoßes: "Beim Abernten des Feldes sollen Staub und Spreu die Umgebung verunreinigt haben." Der Anrufer habe sich Hilfe erhofft und wollte den Ernteeinsatz stoppen.

Tatsächlich wird die Geduld vieler Anwohner dieser Tage auf die Probe gestellt, während Landwirte mit Hochdruck arbeiten, um nach den regenreichen Frühsommerwochen ihre Ernte endlich vom Feld holen zu können. Jochen Steinbach, stellvertretender Außenstellenleiter des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Döbeln, bestätigt, dass die Ernte unter sehr komplizierten Bedingungen über die Bühne gehe: "Die Landwirte stehen unter extremem Druck, weil über eine sehr lange Zeit Niederschläge gefallen sind", erklärt er. "Konnten wir Feldfrüchte und Grassamen sonst ab Anfang Juli einbringen, können wir erst jetzt die Schönwetterperiode nutzen. Da zählt jede Stunde. Vor allem der Raps muss schnell runter." Steinbach räumt ein, dass nach den trockenen Tagen beim Mähdrusch die Staubbelastung höher ist als in anderen Jahren.

Amt bittet um Toleranz

Wenn dann noch der Wind ungünstig stehe, bedeute dies eine Bewährungsprobe für nachbarschaftliche Beziehungen. Die Beschwerde aus Chemnitz gegen den Wirtschaftshof Euba liege auch auf seinem Tisch. Zwar sei seine Behörde, so betont Steinbach, als Fachamt nicht für Nachbarschaftstreitigkeiten zuständig. Dennoch bemühe man sich zu vermitteln und baue auf Toleranz. "Wir bitten die Landwirte, mit Feingefühl vorzugehen, die Windrichtung zu beachten und wenn möglich, die Nachbarn zu informieren. Die Anwohner hingegen bitten wir um Verständnis für die notwendigen Arbeiten - das gilt für die Ernte wie für das anschließende Ausbringen von Dünger auf den Feldern." Das sehen viele Anwohner im betreffenden Viertel an der Franz-Werfel-Straße ebenso: Zwar hätten Erntefahrzeuge viel Staub aufgewirbelt. Doch damit müsse man in dieser landwirtschaftlich reizvollen Gegend leben, sagten sie. Der Wirtschaftshof Euba selbst wollte sich trotz mehrfacher Anfragen der "Freien Presse" nicht zu den Arbeiten auf dem angrenzenden Feld äußern.

Stadt: Das muss man aushalten

Unterdessen weist man im Chemnitzer Ordnungsamt darauf hin, dass Landwirtschaftsbetriebe verpflichtet seien, Verunreinigungen zu beseitigen. Allerdings ist Jochen Steinbach vom Landwirtschaftsamt nur ein Fall bekannt, in dem ein Betrieb tatsächlich für die Reinigung in Häusern aufkommen musste: "Im Raum Leipzig hatten Mähdrescherfahrer nicht die nötige Sorgfalt walten lassen und nicht auf die Windrichtung geachtet."

Beschwerden gegen landwirtschaftliche Arbeiten sind auch im Ordnungsamt keine Seltenheit, so Dezernatschef Miko Runkel. Allerdings hätten auch die Beschwerdeführer von der Franz-Werfel-Straße die Auskunft erhalten, dass es sich um "übliche Beeinträchtigung handelt, die man bei Erntearbeiten hinnehmen muss. Wenn man in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend wohnt, muss man das aushalten", sagt der Bürgermeister.

Auch die Polizei hat den Ernteeinsatz von Adelsberg nicht gestoppt, weil keine Schäden entstanden seien, berichtet Jana Kindt. "Erntearbeiten müssen toleriert werden." Schließlich wolle jeder Brot und Brötchen essen. Zur Erntezeit müssten Anwohner Beeinträchtigungen in Kauf nehmen. Auch den Hinweis aus Adelsberg auf Schmutz, der durch offene Fenster ins Haus gelangt sei, lässt sie mit Hinweis auf Einbruchsgefahr nicht gelten: "Wer sein Fenster nicht schließt, wenn das Haus stundenlang unbeobachtet bleibt, handelt fahrlässig."

 
erschienen am 01.08.2012 ( Von Grit Baldauf )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
20
(Anmeldung erforderlich)
  • 03.08.2012
    15:00 Uhr

    vomdorf: @ Jothade: genau so müsste es gemacht werden.
    schade, dass ich schon ein haus habe...nicht an einem feld, sondern an einer bundesstraße. ich überlege nun, ob ich nicht gegen den straßenlärm klagen soll....freue mich über sachdienliche hinweise ;-))))))
    allen landliebhabern ein wunderschönes wochenende in wald und flur!

    0 1
     
  • 02.08.2012
    23:04 Uhr

    schnuffelduffel: Ich würde in die City ziehen und gegen Kneipen und Autolärm klagen ;-)

    0 1
     
  • 02.08.2012
    22:54 Uhr

    Jothade: Laso ich ätte noch einen guten Vorschlag: Die Felder ringsrum zu bauland umwidmen und dann Häuser drauf bauen. Die jetzigen Beschwerdeführer sind dann nicht mehr die, die am Feldrand wohnen und dann haben die "Neuen" das Problem!
    Klingt doch gut, nicht?!

    Und übernächstes Jahr machen wird die Innenstadt ganz dicht und reißen alles ab, weil keine(r) mehr da wohnt, arbeitet oder abends wegen der weiten Entfernung zum Stadtrand zu kulturellen Höhepunkten oder zum Freizeit-Vertreib mehr rein kommt!

    Und wisst ihr, was wir dann mit den leeren Flächen machen können??
    Richtig! Landwirtschaft!
    .. irgendwo müssen ja die Körner wachsen können *feix*

    0 1
     
  • 02.08.2012
    14:22 Uhr

    schlossbewohner: Hey, hier sind ja komlett alle Kommentatoren einer Meinung *lach*

    1 3
     
  • 02.08.2012
    13:43 Uhr

    vomdorf: es ist richtig herzerfrischend zu lesen, wieviele menschen noch hirn haben und sich mit den bauern verbunden fühlen. die am feldrand wohnenden können froh sein, dass mir die angrenzenden felder nicht gehören, denn nach solchen aktionen würden ich meine *pflanzpläne* so aktualisieren, dass das ausbringen von gülle zwingend notwendig ist.

    0 6
     

 
 
 
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