Stephanie Sieradzki Stephanie Sieradzki lernt bei Güldi-Moden in Limbach-Oberfrohna. Für die schulische Ausbildung soll sie fortan bis nach Plauen fahren.

Foto: Andreas Seidel

Berufsschule verliert Ausbildungszweig

Lehrlinge müssen in Zukunft in Plauen weiterlernen

Limbach-Oberfrohna. Limbach-Oberfrohna. Stephanie Sieradzki war entsetzt, als sie erfahren hatte, dass sie ab August ihre Ausbildung im Berufsschulzentrum Plauen fortsetzen muss - etwa 90 Kilometer weit weg von ihrem Arbeitsplatz bei Güldi-Moden, einem Hersteller für medizinische Berufsbekleidung in Limbach-Oberfrohna. "Wegen der Entfernung zur neuen Schule müsste ich wahrscheinlich dort übernachten", sagt die 20-Jährige. Aber das sei kompliziert. "Ich habe eine kleine Tochter, die hier in den Kindergarten geht", begründet die Modenäherin im 1. Lehrjahr. Ob sie ihre Ausbildung überhaupt beenden könne, wisse sie gegenwärtig noch nicht.

Mindestens 16 Schüler nötig

Für das Berufsschulzentrum Limbach-Oberfrohna ist die Verlagerung ein herber Schlag. Die Unternehmer hätten die Nähe zur Ausbildungsstätte sehr geschätzt, sagt Schulleiter Thomas Bauer. In Plauen freut man sich derweil auf die neuen Lehrlinge. Schulleiter Rainer Maria Kett hebt die Möglichkeit hervor, einen Einblick in die zahlreichen Textilberufe zu bekommen, die an seiner Einrichtung ausgebildet würden. Für Azubis von außerhalb gebe es ein Lehrhotel, dessen Übernachtungskosten zu 75 Prozent bezuschusst würden.

Neben den Modenähern müssen auch die Modeschneider von Limbach-Oberfrohna nach Plauen wechseln. Zur Begründung heißt es aus der Sächsischen Bildungsagentur: "Jeder Standort kann nur gehalten werden, wenn ausreichend Schüler vorhanden sind", sagt Ulrich Mothes, Referent für berufsbildende Schulen. Die Mindestzahl liege bei 16 Schülern, wobei der Richtwert 25 sei. Von diesen Zahlen ist Limbach-Oberfrohna weit entfernt. Derzeit lernen im 1. Lehrjahr sieben Modenäher und vier Modeschneider. Im 2. Lehrjahr sind es acht Modenäher und drei Modeschneider.

Auch in Plauen werden nicht alle neu gebildeten Klassen die geforderte Mindestanzahl erfüllen. "Wenn wir keine Ausnahmegenehmigung vom Kultusministerium bekommen, könnte es sein, dass die Ausbildungen auch mit den Klassen des Dresdner Berufsschulzentrums zusammengeführt werden", sagt Mothes. Er sei sich aber ziemlich sicher, dass es diese Ausnahme geben werde, soweit die Schülerzahlen nicht noch weiter sinken.

Gemeinsam mit Stephanie Sieradzki lernen drei weitere Jugendliche bei Güldi-Moden. Im Unternehmen wird die Verlagerung stark kritisiert. "Die jetzigen Azubis hätten ihre Ausbildung in Limbach-Oberfrohna beenden sollen. Immerhin haben sie einen Vertrag mit dem hiesigen Berufsschulzentrum und nicht mit dem in Plauen", sagt die Ausbildungsverantwortliche Doreen Pelzer. Güldi-Moden will demnach trotzdem weiter ausbilden. "Wir haben zwei Bewerbungen auf dem Tisch, wie sich die Lehrlinge aufgrund der neuen Situation entscheiden, wissen wir aber nicht."

Lehrerfrage ist offen

Ob es ab August ein erstes Lehrjahr in Limbach-Oberfrohna in den Modeberufen geben wird, ist unklar. "Das hängt vom Einstellungsverhalten der Unternehmen ab", so Schulleiter Bauer. Aus der Bildungsagentur heißt es dazu: "Die Anmeldezahlen liegen noch nicht vor. Aber für eine neue Klasse müssten außergewöhnlich viele Betriebe ausbilden. Und diese müssten entsprechend viele Lehrlinge finden", sagt Mothes.

Was mit den Fachlehrern der Modeberufe passiert, ist auch noch nicht geklärt. Laut Mothes wird einerseits geprüft, ob sie am Standort in anderen Fächern weiterunterrichten können oder an einem anderen Standort eingesetzt werden.

 
erschienen am 27.06.2011 ( Von Christian Mathea )
 
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