Hier soll künftig ein Bus die Mohsdorfer Schüler sicher zum Sportunterricht nach Burgstädt bringen. Einige Ferienkinder haben am Freitag mit Schulleiterin Gaby Kuhn den Weg zu Fuß getestet. An der Eisenbahnbrücke wäre es ohne Fußweg wegen der schmalen Straße besonders gefährlich.
Foto: Andreas Truxa
Bus statt unsicherer Schulweg
Eine Woche vor Schul- beginn haben die Eltern der 147 Mohsdorfer Grundschüler Gewissheit
Burgstädt. Das Dilemma fing damit an, dass die Stadträte vor einem Jahr über eine neue Sportstättenplanung für die vier Turnhallen in Burgstädt nachdachten. Denn für Sanierung und Instandhaltung gibt der Freistaat künftig nur noch Geld für drei Hallen. Die Auswahl fiel auf die Mohsdorfer Sportstätte. Diese soll nur noch dem Sportverein Grün-Weiß zur Verfügung stehen. Für die acht Klassen der Mohsdorfer Grundschule bedeutete diese Entscheidung, dass sie ihren Sportunterricht nicht mehr in der etwa einen Kilometer entfernten Halle am Turnhallenweg erhalten, sondern rund 700 Meter weiter zur Turnerstraße in Burgstädt müssen.
Stadtrat hat das letzte Wort
"Die Entfernung ist nicht das Entscheidende", sagt Schulleiterin Gaby Kuhn. Vielmehr sei der Weg gefährlicher. So legen die Kinder die ersten 500 Meter an der Dorfstraße eine enge und kurvenreiche Strecke zurück. Die Straße hat keinen Fußweg. Entlang der Burgstädter und Mohsdorfer Straße wird es dann etwas einfacher mit einem Fußweg. Doch dann muss ein Tunnel an der Bahnstrecke durchquert werden. Die Strecke ist unübersichtlich und schmal. Anschließend ist die Gückelsberg- straße zu queren. "Es sind zwar Fußwege vorhanden, aber die Straße ist schlecht einsehbar und birgt einige Gefahren", erklärt Uta Schmidt, deren Tochter Carina in die dritte Klasse kommt.
Schulleitung, Förderverein und viele Eltern hatten deshalb gefordert, dass ein Bus für die Strecke eingesetzt wird. Die Stadträte hatten am Donnerstagabend auf einer Sondersitzung das letzte Wort. Sie mussten zwischen drei Varianten entscheiden: alle Fahrten zum Sportunterricht oder abgespeckte Linien.
Minimalvarianten abgelehnt
Die Minimalvariante sieht nur den Busverkehr im Winterhalbjahr vor. In einer einstündigen Debatte in nicht öffentlicher Sitzung legten die Stadträte verschiedene Argumente vor. Bürgermeister Lars Naumann (Freie Wähler) gab darüber einen Einblick in der öffentlichen Sitzung, zu der rund 20 Eltern und Lehrer gekommen waren. Deutlich wurde, dass die Sicherheit der Kinder oberste Priorität hat. So entschied sich die Mehrheit der Stadträte bei zwei Enthaltungen für den ganzjährigen Einsatz eines Busses einer Callenberger Firma. Im Haushalt der Stadt müssen dafür 13.680 Euro allein für ein Schuljahr bereitgestellt werden.
Den Eltern fiel ein Stern vom Herzen. Aber gleichzeitig wurde den Lehrern und Eltern mit auf den Weg gegeben, sich für das Sporttreiben der Kinder zu engagieren. Denn dieser Gesichtspunkt spielte in der Diskussion auch eine Rolle. "Die Kinder werden viel zu viel gefahren und laufen zu wenig", sagte Fraktions-Chef Christian Flechsig von den Freien Wählern. Der Fachzahnarzt für Kiefernorthopädie muss es wissen, denn er kennt einige Studien über den Bewegungsmangel der Kinder und die Folgen von Fettleibigkeit und anderen Krankheiten. Das sei eine erschreckende Entwicklung, der wolle er keinen Vorschub leisten. Aber er und die Mehrheit der Abgeordneten entschieden sich für die Bus-Linie, weil die Sicherheit der Kinder Vorrang habe.
Mit auf den Weg gab er, Sport-Projekte anzukurbeln, damit der Bewegungsmangel ausgeglichen werde. Wenn im nächsten Jahr erneut über den Einsatz eines Busses verhandelt werde, sollen diese Aktivitäten mit einfließen, versicherte Bürgermeister Naumann.
Den Vorwurf des Bewegungsmangels wollten Eltern und Lehrer aber nicht auf sich sitzen lassen. Schulleiterin Kuhn zählte mehrere Beispiele auf. So gebe es Sport-Arbeitsgemeinschaften, sei im Landkreis Mittelsachsen zweimal ein Pokal im Sportvergleich errungen worden und der Titel "Bewegte Schule" werde angepeilt. "Wir nehmen die Anregungen mit, wollen am Sporttag ganz auf den Bus verzichten", sagte sie der "Freien Presse".
Auch Gerd Höpfner, Chef des Schul-Fördervereins, schüttelte mit dem Kopf und meinte: "Das sind zwei unterschiedliche Dinge. Der Weg zwischen Schule und Turnhalle muss sicher sein. Das hat nichts mit zu wenig Sport treiben zu tun." Er sei froh, dass die Stadträte eingelenkt hätten. "Besonders schlimm ist es im Winter, wenn Schneeberge den Weg versperren oder früh es noch dunkel ist", sagte Silke Kaiser vom Elternrat der Klasse 2a.
Imageverlust befürchtet
Wenn der Bus abgelehnt worden wäre, sagte eine Mutter, büße die Schule an Attraktivität ein. "Wer schickt schon sein Kind gern auf einen unsicheren Schulweg", meinte sie. Ab 22. August werden in Mohsdorf 36 Kinder in zwei ersten Klassen eingeschult. Das sei Ausdruck der guten Arbeit an der Schule.


