Friedenskundgebung am 5. März 2010. 2000 Demonstranten fanden sich seinerzeit auf dem Theaterplatz ein. Friedenskundgebung am 5. März 2010. 2000 Demonstranten fanden sich seinerzeit auf dem Theaterplatz ein.

Foto: Andreas Truxa

CDU-Funktionär greift Bürgerbündnis an

Ortsverbands-Chef sorgt mit Äußerungen zum 5. März für Ärger - Parteispitze distanziert sich

Chemnitz. Marco Freymann, Chef des CDU-Ortsverbandes Mitte-Schloß, sorgt mit seinen Äußerungen zum Jahrestag der Bombardierung der Stadt für eine Debatte in der CDU. Der Funktionär hatte Parteien und Gewerkschaften vorgeworfen, "antidemokratische und antideutsche" Kräfte zu unterstützen, die die zivilen Opfer der Bombardierung verhöhnten.

Öffentlich gemacht hat Freymanns Äußerungen sein Parteifreund Harald Krause. Der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Chemnitz, einer Gruppierung innerhalb der CDU, bekennt sich zum Aufruf des Bündnisses aus Parteien, Organisationen, Kirchen, Vereinen und Verwaltung, das mit den Bürgern am 5. März der Zerstörung der Stadt und ihrer Toten gedenken und Gesicht zeigen will gegen Rechtsextremismus. "Ich hoffe, wir bekommen endlich wieder eine gemeinsame Verbindung der bürgerlichen Mitte am 5. März", schrieb Krause in einer Rundmail an den Kreisvorstand und forderte, dass die CDU sich auch auf ihrer Internetseite öffentlich zum Bündnis für das Gedenken bekennt, wie es andere Parteien, aber auch Gewerkschaften und Kirchen tun.

Über die Reaktion von Marco Freymann war Krause empört. Freymann ließ ihn per E-Mail wissen: Er habe diverse linke, linksextremistische und Antifa-Seiten im Internet durchforstet. Dabei, so schreibt er an Krause, sei ihm schlecht geworden. Die Chemnitzer CDU werde daher auf keinen Fall mit diesem, so wörtlich "antideutschen, antidemokratischen und kommunistischen Antifa-Pöbel" gemeinsame Sache machen, die unterstützt würden "durch SED/PDS/DIE Linke, SPD, Grüne; DGB, Verdi". Das Bündnis selbst bezeichnet er als "Rotfront". An Krause richtet er die Bitte: "Lassen Sie die Mehrheit der bürgerlichen CDU-Mitglieder am 5. März der Zerstörung unserer Stadt und deren unschuldigen Opfer in würdevoller und geeigneter Art und Weise gedenken, und zwar ohne Antifa und Konsorten!"

Für eine Anfrage der "Freien Presse" war Freymann gestern nicht erreichbar. CDU-Kreisverbands-Chef Frank Heinrich, der zurzeit im Ausland weilt, ließ durch Partei-Sprecher Alexander Dierks erklären, man bedaure die Äußerungen Freymanns, die eine Einzelmeinung seien, und distanziere sich davon. "Marco Freymann kann nicht im Namen der CDU sprechen. Das werden wir auswerten", so Dierks. Dabei müsse Freymann es besser wissen, "weil er bei der Vorstandssitzung anwesend war, in der wir über unsere Teilnahme am Friedenstag gesprochen haben", fügte Dierks hinzu.

Zugleich bekräftigte er das Engagement der Parteispitze wie auch "einer Mehrheit der Partei für ein würdevolles, überparteiliches Gedenken an die Zerstörung der Stadt und deren Opfer". Die NS-Ideologie von damals dürfe keinen Platz mehr in der Gesellschaft finden. Dabei bestehe ein demokratisches Grundverständnis zur Ursache der Bombenangriffe von 1945, so Dierks: Der Krieg sei von Deutschland ausgegangen.

 
erschienen am 31.01.2012 ( von Grit Baldauf )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
9
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  • 06.02.2012
    20:31 Uhr

    Maria42: PeKa: Die jüdische Gemeinde ist doch gar nicht gemeint, sondern diejenigen, die den Parolenschmieren von "5. März - Heulsusentag!", "Alles Gute kommt von oben!", "Gedenken brechen!", "Bomber-Harris - do it again!", "Deutschland abschaffen!" eine gemeinsame Plattform bieten oder klammheimlich unterstützen.
    Jeder sollte gut überlegen, zu wem er ins Bett steigt, das gilt für alle am 05.03.12 Beteiligten, besonders aber für die in weiten Bereichen leider weichgespülte CDU. Es geht um Gedenken, nicht um Klassenkampf!

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  • 05.02.2012
    11:33 Uhr

    Ampelfrau: @Peka
    "Mir erschließt sich nicht, was der Glaube an Jesus Christus mit "Genossen" und mit "Rot Front" gemein haben soll."

    Die Kirchen haben es in ihrer Geschichte immer eher geschafft, sich der herrschenden Ideologie anzupassen, als sich vor Verfolgte zu stellen und jeden Menschen zuerst als Menschen zu sehen. Ob Gebete für den Kaiser oder den Führer, ob "Kirche im Sozialismus" oder der heutige Kampf gegen "nicht-links" im Namen von Vielfalt, Buntheit und Toleranz: Wenn die Kirche irgendwo dabei ist, heisst das noch nicht, dass es sich um eine gute Sache handelt und es heisst erst recht nicht, dass alle Christen sich der offiziellen Haltung der Kirchen anschliessen. Die Kirchen sollten sich mehr um Fragen des Glaubens kümmern, dann wären sie vielleicht auch wieder etwas voller, und sollten nicht einem Zeitgeist hinterherlaufen, der versucht, Trauertage zu Kampftagen zu machen.

    Habe ich Ihr Argument mit der Jüdischen Gemeinde Chemnitz richtig verstanden: Wenn man die jüdische Gemeinde kritisiert, dann kritisiert man die einzelnen Juden und dann könnte man ja für einen Antisemiten gehalten werden. Dashalb sollte die jüdische Gemeinde grundsätzlich von jeder Kritik ausgenommen sein? Ist das Ihr Ernst?

    "dann können Sie ja mal dem Bündnis Ihre Erfahrungen mitteilen, wie man Trittbrettfahrer gewaltlos und ohne Aufsehen aussortiert. Das ist nämlich nicht einfach!"

    Aber bitte, das wäre doch nicht schwer, wenn man nur etwas Willen dazu hätte. Man hat ihn aber offensichtlich nicht. Und was heisst hier "Trittbrettfahrer"? In den letzten Jahren hat man beispielsweise im "Bürgerbündnis" offen mit der MLPD paktiert. Und warum verlinkt die Seite
    http://fuenfterdritter.wordpress.com/
    zur einer "Antifaschistischen Aktion Karl-Marx-Stadt", die auf ihrer Seite schreibt: "Gedenken abschaffen!"?

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  • 04.02.2012
    14:25 Uhr

    PeKa: So viel mir bekannt ist, wirken in dem Bürgerbündnis gegen rechts auch Vertreter unserer Chemnitzer jüdischen Gemeinde mit. Wenn da nun jemand dahergelaufen kommt wie der Herr Freymann und das Bündnis als Pöbel beschimpft, dann trifft er mit dieser Beleidignung auch die betreffenden Juden. Damit sollte er aber äußerst vorsichtig sein, weil er sich auf diese Weise sehr schnell den Vorwurf des Antisemitismus einhandeln könnte.
    31.01.2012 - 21:12, Sie sprechen die Vertreter des Bündnis mit "Hallo Genossen" an. Hätten Sie genau nachgelesen, dann wäre Ihnen aufgefallen, dass im Bündnis auch Vertreter der Kirchen mitarbeiten. Mir erschließt sich nicht, was der Glaube an Jesus Christus mit "Genossen" und mit "Rot Front" gemein haben soll. Ihnen scheint da wohl der Unterschied zwischen Bibel und Kommunistischem Manifest entgangen zu sein. Und Herr Freymann outet sich an dieser Stelle als Pharisäer, weil er von sich denkt, gegenüber den am Bündnis beteiligten Christen der bessere Christ zu sein.
    01.02.2012 - 09:58, haben Sie selbst schon mal eine Demo organisiert? Wenn ja, dann können Sie ja mal dem Bündnis Ihre Erfahrungen mitteilen, wie man Trittbrettfahrer gewaltlos und ohne Aufsehen aussortiert. Das ist nämlich nicht einfach!

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  • 01.02.2012
    09:58 Uhr

    Ballfreund: Tja, einfach mal genau hinsehen am ganz linken Rand. Leider kann man bei solchen Veranstaltungen, deren (gutes!) Ansinnen ja der breite Konsens ist, immer wieder Transparente wie "Bomber Harris do it again!", "Es gibt keine deutschen Opfer!", "Deutschland abschaffen!" und ähnliches sehen. Das hat mit Konsens und Gedenken nichts, aber wirklich gar nichts zu tun! Wer einen solches Bündnis anstrebt, muss sich auch darum kümmern, dass solche politische Trittbrettfahrerei aus dem linksextremen Lager konsequent unterbunden wird. Aber nein, man duldet es.

    2 4
     
  • 31.01.2012
    21:12 Uhr

    Sachse2: Hallo Genossen, ich finde, dass Herr Freymann in großen Teilen recht hat.

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