Mathias Hänel Mathias Hänel, Präsident des Chemnitzer FC

Foto: Wolfgang Schmidt

CFC-Präsident: Chancen des neuen Stadions kommen zu kurz

Mathias Hänel wirbt für Umbau - Meilenstein zum Erhalt des Profifußballs und Imagegewinn für Chemnitz

Mathias Hänel: . Am Mittwoch entscheidet der Chemnitzer Stadtrat, ob die Kommune den Umbau für ein neues Stadion des Fußball-Drittligisten CFC finanziert. Thomas Prenzel führte mit Mathias Hänel, dem Präsidenten des Vereins, folgendes Interview.

Freie Presse: Herr Hänel, was steht für den Verein mit der Stadionentscheidung auf dem Spiel?

Mathias Hänel: Es geht um die weitere Existenz des Profifußballs in der Stadt. Nur wenn sich über ein modernes Stadion die wirtschaftliche Basis des Vereins mittel- und langfristig gestalten lässt, haben wir die Chance, den Profifußball in Chemnitz zu erhalten und weiter zu entwickeln. Dazu zähle ich auch das Nachwuchsleistungszentrum bis hin zum Sportgymnasium und zur Eliteschule des Fußballs.

Freie Presse: Welche Auswirkungen hat das auf das Zentrum konkret?

Mathias Hänel: Da gibt es zwei Aspekte: Wirtschaftlich gesehen, finanzieren wir jetzt schon das Nachwuchsleistungszentrum weniger als andere ostdeutsche Fußballvereine. 350.000 Euro wollen wir jährlich in den Nachwuchs investieren. Aber es ist ja klar, dass, umso mehr Geld im Gesamtverein ist, auch mehr in den Nachwuchs fließen kann. Mit unserem Etat von 4,1 Millionen Euro liegen wir momentan im Vergleich zu den durchschnittlich 6,5 Millionen der Drittligisten deutlich zurück.

Freie Presse: Hätte ein modernes Stadion auch perspektivisch eine Wirkung auf junge Talente.

Mathias Hänel: Ganz klar. Das Stadion würde uns eine realistischere Chance mittelfristig auf die 2. Liga geben, und das sollte für Chemnitz das Ziel sein. Die 2. Liga wäre ein Anreiz für einen 12- oder 13-jährigen Fußballer, nach Chemnitz zu kommen. Und mit 18 Jahren bestünde die Chance, sich in der 2. Liga weiter zu entwickeln, sich vielleicht für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Freie Presse: Können Sie nachvollziehen, dass es Gegner des Projektes gibt, die auf den Sparhaushalt der Stadt, auf viele sanierungsbedürftige Sportanlagen oder generell fehlendes Geld für soziale Einrichtungen hinweisen?

Mathias Hänel: Grundsätzlich ja. Ich denke, dass eine Demokratie auch von einer gewissen Meinungsvielfalt lebt. Was mich ein bisschen ärgert, ist, dass Dinge verglichen und teilweise gegeneinander ausgespielt werden, die gar nichts miteinander zu tun haben. Es darf nicht Kunst und Kultur gegen Sport ausgespielt werden und auch nicht der Fußball gegen andere Sportarten. Und dann sollte in der Öffentlichkeit nicht nur mit dem schlimmsten Szenario, also den Kosten und Risiken argumentiert werden. Viele Dinge, vor allem die Chancen des Stadions, kommen in meiner Wahrnehmung zu kurz.

Freie Presse: Was kommt denn konkret alles zu kurz in der Diskussion?

Mathias Hänel: Zum Beispiel, dass sich der Verein ab der 2. Liga an der Finanzierung beteiligt. Oder dass der CFC das Stadion selbst ohne Zuschuss betreiben wird, was überhaupt nicht selbstverständlich ist. Es kommt völlig zu kurz, dass, wenn wir über diese wirtschaftlichen Chancen des Stadions die 2. Liga erreichen, Effekte in Hotellerie, Gastronomie und Transportwesen bewirkt werden. Geld fließt dann durch den Verein in die Stadtkasse zurück.

Freie Presse: Welche Chancen sehen Sie noch mit einem modernen Stadion?

Mathias Hänel: Es ist ja nicht so, dass Chemnitz reich gesegnet ist mit einem positiven Image. Chemnitz hat eigentlich ein Imageproblem. Die Stadt bietet viel mehr, auch wirtschaftlich, als überregional bekannt wird. Diese positiven Effekte werden von den Gegnern meist negiert. Es stört mich einfach, wenn nur negative Perspektiven aufgezeichnet werden.

Freie Presse: Warum gab es kein Diskussionsprojekt für eine Mehrzweck-Arena oder eine kombinierte Variante Fußball und Leichtathletik im Sportforum. Vielleicht wäre dies sogar durch den Freistaat gefördert worden?

Mathias Hänel: Es gibt keine Sportförderung in Sachsen für so ein Projekt. Fakt ist: Beim Sportforum wären wir sowohl für eine Mehrzweck-Arena als auch in der kombinierten Variante mit Leichtathletik auf höhere Baukosten, jeweils 35 bis 40 Millionen Euro, gekommen. Und die Stadt hätte mit als Betreiber fungieren müssen, das wäre vom CFC nicht allein zu stemmen gewesen. Nicht zuletzt reicht der Platz im Sportforum nicht aus. Es war schon ein Riesenproblem, dort ein geeignetes Areal für den Kunstrasen zu finden.

Freie Presse: Welche Rolle spielte die Sorge des CFC, dass die Fans das Sportforum nicht annehmen?

Mathias Hänel: Auch das war eines von vielen Argumenten gegen das Sportforum. Klar ist auch, dass Chemnitz keine WM oder EM in der Leichtathletik bekommen würde. Eine nationale Meisterschaft ja, aber die hat auch ein Zuschauerproblem. Der Trend in Deutschland geht klar weg von den Multifunktions-Arenen.

Freie Presse: Dem Trend ist der Hallesche FC gefolgt. Dessen neuer Sportpark soll nur 18 Millionen Euro gekostet haben. Baut Chemnitz also für 23 Millionen ein Prestigeobjekt?

Mathias Hänel: Nein, und ich glaube auch nicht, dass wir komplett über die Baukosten in Halle Zahlen bekommen werden. Wir wissen nicht, was sich hinter den 18 Millionen Euro verbirgt. Für Chemnitz kann ich aber sagen: Eine unabhängige Plausibilitätsanalyse der Baukosten hat unser Konzept bestätigt. Der Preis pro Platz liegt demnach wie bei 14 anderen Stadionneubauten in Deutschland bei 1500 Euro.

Freie Presse: In der Diskussion war auch eine abgespeckte Variante, das Stadion an der Gellertstraße für zwei Millionen Euro drittliga-tauglich zu sanieren. Wäre das keine salomonische Lösung?

Mathias Hänel: Nein, und mit diesem Geld sind die Auflagen, beispielsweise was die Rettungswege und insbesondere Sicherheitsbereiche anbelangt, nicht zu erfüllen. Wir könnten nicht sicher sein, dass wir die Spielgenehmigung vom DFB erhalten würden. Das Geld wäre dann sinnlos verbrannt.

Freie Presse: Wie sieht die Lösung bei einer Ablehnung des Stadtrates aus?

Mathias Hänel: Wir können nicht sicher sein, dass der DFB die Sondergenehmigung, die bis zum 30. Juni 2012 gültig ist, verlängert wird und weiter in dem Stadion in der 3. Liga gespielt wird. Das bedeutet entweder Zwangsabstieg oder wir müssten in der Region ein Ausweichstadion finden. Das wäre natürlich hochgradig blamabel und praktisch nicht umsetzbar.

Freie Presse: Also gibt es keine Alternative zum neuen modernen Stadion?

Mathias Hänel: Aus meiner Sicht ist das so.

 
erschienen am 04.10.2011
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
44
(Anmeldung erforderlich)
  • 06.10.2011
    12:54 Uhr

    Chemnitz4ever: danke an alle beteiligten hier ihr habt dazu beigetragen das dass stadion gebaut wird. der eine freiwillig der andere unfreiwillig. danke nochmal an alle!

    sport frei!

    0 0
     
  • 05.10.2011
    22:13 Uhr

    fuxx: @F....

    Diese eine Mal gönne ich mir noch.

    Zunächst mal freue ich mich, dass ich als kleines Kind jetzt mein Spielzeug doch bekommen. Zum anderen mache ich mich doch gern lächerlich, wenn es hilft Ihnen Ihre Argumentation zu spiegeln.

    Ich persönlich lebe gern hier, deswegen bin ich an einem attraktiven Umfeld interessiert. Da gehört das Stadion für mich dazu. Und ein Tagtraum wird das jetzt nicht mehr bleiben. Dafür bin ich dankbar.

    Bei dem Einsatz den Sie hier bringen, hätte es sicher auch gut getan, die Stadtratssitzung auf dem Markt zu verfolgen. Diese war ein gutes Bild, wie die Chemnitzer zum Projekt stehen, positiv und negativ. Und vielleicht könnten Sie dann die Begeisterung verstehen.

    0 1
     
  • 05.10.2011
    21:55 Uhr

    fuxx: @HB

    Sowas könnte schnell unter Nachtreten fallen ;-)
    Die Sorge mit dem Stadtrat kann ich Ihnen nehmen. Die Diskussion war durchaus intensiv, die Argumenten pro und kontra haben jeweils genug Raum bekommen. Die Entscheidung des Rates in in Kenntnis aller Wünsche und Bedenken getroffen worden.

    P.S. In welcher hässlichen Gegend wohnen Sie denn?

    0 1
     
  • 05.10.2011
    21:21 Uhr

    HorrorBeetle: Sehr schön, jetzt bekommt Ihr euer Stadion und wir bekommen in spätestens einem halben Jahr recht. Nämlich dann, wenn es darum geht, wie das Stadion tatsächlich finanziert wird.

    Ich gebe zu, ich freue mich auf das Stadion. Ich habe auch eine ziemliche Wut, dass nichteinmal der Stadtrat auf die einzelnen Bedenken eingegangen ist und das als Emotionsentscheidung durchgedrückt hat.

    Ich glaube wir schreiben uns nicht das letzte Mal. Jetzt freuen wir uns ersteinmal auf ein kleines, hässliches Stück Großstadt!

    1 0
     
  • 05.10.2011
    19:15 Uhr

    fuxx: Gute und richtige Entscheidung der Stadträte, die mit überzeugender Mehrheit für das Stadion votieren!!

    0 1
     

 
 
 
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