Neben der Annaberger Straße arbeitet Karl-Heinz-Ficker von einer Spezialbaufirma derzeit an der Erneuerung und Erhöhung der Schutzmauern am Chemnitz-Fluss. 
Neben der Annaberger Straße arbeitet Karl-Heinz-Ficker von einer Spezialbaufirma derzeit an der Erneuerung und Erhöhung der Schutzmauern am Chemnitz-Fluss.

Foto: Andreas Seidel

Chemnitz: 30 Millionen Euro für Flutschutz

Knapp zwei Jahre nach den Überschwemmungen im August 2010 sind viele Arbeiten abgeschlossen

Das Ziel ist klar: In ihrem gesamten Verlauf vom Zusammenfluss von Zwönitz und Würschnitz bis zur nördlichen Stadtgrenze soll die Chemnitz auf den sogenannten Schutzgrad HQ 100 gebracht werden. Das bedeutet, dass die baulichen Anlagen so sicher sind, dass sie einem starken Hochwasser standhalten, wie es im statistischen Mittel nur aller 100 Jahre vorkommt. Für Hochwasser in der Dimension vom Sommer 2010 hätte ein solcher Wert nach Schätzungen der Landestalsperrenverwaltung ausgereicht, um Flutschäden zu vermeiden. Laut Christian Zschammer, Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung (LTV), sind bislang vier von sechs Maßnahmen abgeschlossen.

 

Chemnitz: So wurden im Bereich des VW-Werkes an der Kauffahrtei die Ufer auf beiden Seiten um rund 50 Zentimeter erhöht. In Draisdorf, wo es bislang lediglich einen 20-jährigen Schutz gegeben habe, sei ein Deich gebaut, in Glösa und Furth hingegen die vorhandenen repariert worden. "Dort hatten wir grundsätzlich schon einen HQ 100, die Deiche entsprachen aber nicht dem Stand der Technik", so Zschammer.

Auch am Europark seien alle geplanten Schutzmaßnahmen umgesetzt worden, inklusive Deichsanierung, der Erhöhung der Ufer auf 1,40 Meter und des Neubaus der Fußwegbrücke am ehemaligen Altchemnitzer Bad. Noch bis Ende des Jahres soll hingegen der Bau eines neuen Deiches im Bereich der Einmündung des Harthwaldbaches dauern. Auch im Abschnitt zwischen Treffurth- und Reichsstraße wird noch gearbeitet, wo die Ufermauern auf beiden Chemnitz-Seiten um einen Meter erhöht werden. Am linken Ufer an der Beckerstraße ist die Fertigstellung für August geplant. Gegenüber wird sich die Umsetzung bis 2013 hinziehen. "Hier haben wir erst seit wenigen Tagen Baurecht", so Zschammer. Die Schutzmaßnahmen an der Chemnitz kosten rund zehn Millionen Euro, die sich aus Fördermitteln zusammensetzen.



Zwönitz: Sehr unterschiedlich gestaltet sich die Lage hingegen an den beiden Zuflüssen der Chemnitz. An der Zwönitz sind alle vorgesehenen Schutzmaßnahmen mit einem Kostenrahmen von rund elf Millionen Euro bereits umgesetzt worden. So wurden in den Stadtteilen Einsiedel und Erfenschlag auf knapp drei Kilometern Länge Ufermauern neu gebaut beziehungsweise die vorhandenen erhöht. Auf einer Länge von 950 Metern wurden Deiche angelegt. Die Maßnahmen erhöhen den HQ-Schutz aber lediglich von momentan 10 bis 20 auf 25. "Der Bebauungsdruck an der Zwönitz gestattet keinen höheren Schutzgrad", so Zschammer. Das bedeutet, es gibt zu wenig Überschwemmungsfläche.

 

Würschnitz: Anders sieht es an der Würschnitz aus, wo bislang wenig passiert ist. Für die abschnittsweise Erhöhung der Ufermauern in Harthau und Klaffenbach sowie für die wegen des im Vergleich zur Zwönitz geringeren Bebauungsdrucks mögliche Ausweitung des Flussbettes - Maßnahmen mit einem Kostenvolumen von rund 8,5 Millionen Euro - läuft die Planungsphase.

Aber es gibt auch Probleme. So sei die Anhebung der auch als "Blaues Wunder" bekannten Eisenbahnbrücke zwischen den Haltepunkten Friedrichstraße und Harthau zur Erhöhung der Durchlässigkeit technisch nicht möglich, sagt Zschammer. Um den Flutschutz, der an der Würschnitz aktuell bei HQ 5 bis 10 liegt, dennoch zu erhöhen, sollen zwei Rückhaltebecken errichtet werden. Das erste in Neuwürschnitz soll bis 2017 stehen und in einem ersten Schritt den Schutzgrad für 25 Jahre erhöhen. Das zweite für Jahnsdorf vorgesehene Becken mit einem Stauraum von einer Million Kubikmetern soll für den Schutzwert 100 sorgen. "Hier gehen die Planungen aber erst 2017 los", so Zschammer.

 
erschienen am 15.06.2012 ( Von Jürgen Werner )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 15.06.2012
    16:04 Uhr

    gelöschter Nutzer: Bäume abholzen und riesige Mauern bauen - das
    Konzept der Landestalsperrenverwaltung. Nach jedem
    Hochwasser wird mehr Raum für die Flüsse gefordert -
    stattdessen werden noch höhere Mauern und Deiche gebaut.
    Damit werden die Probleme aber nur verlagert und Millionen "versenkt".

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