In einem Flügel des leer stehenden früheren Hauses Einheit/Kraftwerk ist am Mittwoch kurz nach Mitternacht ein Brand ausgebrochen. Foto: Heiko Hößler
Chemnitz: Brandstiftung im früheren Haus Einheit
Dachgeschoss in Flammen
Chemnitz. In einem Flügel des leer stehenden früheren Hauses Einheit/Kraftwerk ist am Mittwoch kurz nach Mitternacht ein Brand ausgebrochen. Die Feuerwehr wurde um 0.32 Uhr alarmiert und war nach eigenen Angaben fünf Minuten später vor Ort. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits eine Rauchwolke über dem Viertel, meterhohe Flammen schlugen aus dem Dachgeschoss. In Kappel und auf dem südlichen Kaßberg verbreitete sich der beißende Brandgeruch. Die Feuerwehr konnte mit ihrem Großeinsatz das Übergreifen der Flammen auf weitere Gebäudeteile verhindern. Insgesamt waren mehr als 60 Kameraden von zwei Wachen der Berufsfeuerwehr sowie von den freiwilligen Wehren aus Rabenstein und Siegmar im Einsatz. Zu den 18 Einsatzfahrzeugen am Brandort gehörten zwei Drehleitern und ein Kran.
Nach ersten Ermittlungen geht die Polizei von Brandstiftung aus. Das Feuer brach an mehreren Stellen gleichzeitig aus. Nach einer Zeugenaussage sollen kurz vor dem Brand zwei dunkel gekleidete und vermummte Gestalten vom Gebäude weggerannt sein. Gefahr für Menschen oder angrenzende Gebäude habe nicht bestanden. Die Höhe des Schadens ist unklar. Die Flammen waren nach gut zwei Stunden gelöscht. Die Zwickauer Straße musste jedoch bis gegen 4.30 Uhr zwischen Lützowstraße und Jaenickestraße voll gesperrt werden. Die Strecke ist im Bereich des Brandorts weiterhin gesperrt, da schon Gebäudeteile auf die Straße gefallen sind. Zwei Fahrstreifen stehen jedoch zur Verfügung.
Vom Brand betroffen war unter anderem die CVAG. Die sonst entlang der Zwickauer Straße fahrende Nachtlinie wurde umgeleitet. Im Schienenersatzverkehr für die Straßenbahnlinie, deren Gleisbett entlang der Dresdner Straße derzeit erneuert wird, kam es zu Verspätungen von bis zu zehn Minuten.
Das vom Brand betroffene denkmalgeschützte Gebäude an der Zwickauer Straße kennt praktisch jeder alteingesessene Chemnitzer. Um 1886 wurde das Haus von der Feldschlößchen-Brauerei in Auftrag gegeben. Es besaß eine Gastwirtschaft mit einem Festsaal, der 1300 Gästen Platz bot. Zunächst hieß es "Colosseum", wurde später als "Volkshaus" von SPD und Gewerkschaften übernommen. 1904 hielt hier August Bebel eine Rede, 1932 KPD-Führer Ernst Thälmann. Nach 1945 wurde der mittlerweile in städtischem Besitz befindliche Gebäudekomplex unter dem Namen "Haus Einheit" bekannt und bekam später nach Sanierung und Umbau zum FDJ-Kulturhaus den Namen "Klubhaus Fritz Heckert". Neben Konzerten, Bällen und Diskos fanden hier auch Tanzstunden und viele andere Veranstaltungen statt. Auch nach 1990 wurde der Gebäudekomplex weiter für Veranstaltungen und die Jugendarbeit genutzt. Der Verein Kraftwerk fand hier sein Domizil, zog allerdings 2002 aus: Das Haus war inzwischen stark sanierungsbedürftig, der Stadt fehlte allerdings das nötige Geld. Seither steht das traditionsreiche Gebäude leer.


21:48 Uhr
ramon: Meines Wissens war das Gebäude in einer Auktion versteigert worden. Seitdem standen die Türen offen und niemand hat sich mehr um das Gebäude gekümmert. Komischerweise schon das zweite Haus, was einige Zeit nach der Auktion in Flammen aufgeht. Die Versicherungen werden sich freuen.