Foto: Andreas Seidel (Archiv)

Chemnitz: Die drei Probleme der Stadtfest-Macher

Bei den Vorbereitungen zur größten Party der Stadt klemmt es

Chemnitz. Vom 24. bis 26. August steigt die größte Party in Chemnitz. Fünf Bühnen sind geplant. Die Elektropop-Gruppe Klee sowie Sängerin Stefanie Heinzmann haben sich angekündigt. Doch bei den Vorbereitungen läuft nicht alles glatt, wie drei Beispiele zeigen.

Das Geldproblem: Zum zweiten Mal organisiert eine Tochter der Stadt, die Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft CWE, das Fest. Dafür erhält sie aber kein höheres Budget. Im vergangenen Jahr hinterließ das Stadtfest ein Defizit. Wie hoch das war, möchte Ulrich Geissler, Geschäftsführer der CWE, nicht sagen. Die Gesellschaft verfüge über Rücklagen. "Aber das kann kein Dauerzustand sein." Denn das Geld, das sie mit dem Fest verliert, stehe laut Geissler nicht für die Wirtschaftsförderung zur Verfügung. Im vergangenen Jahr war versucht worden, die Finanz-Lücke mit dem Festtaler zu schließen. Ihn mussten die Gäste mit dem ersten Getränk kaufen.

Nach viel Kritik daran wird es den Taler nicht mehr geben, aber wie soll die Lücke jetzt geschlossen werden? "Mit dem Getränkepreis", sagt Geissler. Das Bier werde 50 Cent teurer. "Damit sind wir beim Preis angekommen, den man bei Stadtfesten der anderen großen sächsischen Städte schon längst zahlt." Der Einkaufspreis von Freiberger Bier, dem Hauptsponsor, sei nicht gestiegen, versichert Steffen Hofmann, Geschäftsführungsmitglied der Brauerei. Jedoch habe auch der Betreiber des Schankwagens höhere Ausgaben für Personal oder Kraftstoff. Im nächsten Jahr dürfte die Finanzierung des Festes noch schwerer werden: Die Rechteverwertungsgesellschaft Gema will die Gebühren erhöhen. "Für uns hieße das eine Steigerung von 30 Prozent", sagt Tourismusdirektorin Franziska Herzig.

Das Bierproblem: Es wird auf dem Stadtfest kein Chemnitzer Bier ausgeschenkt. Hauptsponsor ist die Freiberger Brauerei. Sie habe das beste Angebot gemacht, sagt Geissler. "Aber wenn sich die hiesigen Brauereien so engagieren würden, wären sie auch dabei", fügt er hinzu. Über Zahlen schweigen die Beteiligten. In diesem Jahr gibt es eine Stadtfest-Rallye. Einer der Preise ist eine Brauerei-Führung - in Freiberg.

Das Kommunikationsproblem: Seit Wochen werben Dresden und Zwickau in Chemnitz mit Plakaten für ihre Feste. An Elbe und Mulde weiß man aber nichts vom Fest in Chemnitz, es sei denn, man hört die Sender PSR, RSA und MDR Jump. Erst jetzt beginnt die Werbung mit Plakaten, aber nur in Chemnitz. "Der Termin wird ja schon lange bekannt gegeben. Außerdem wissen die Chemnitzer, dass das Stadtfest am letzten Wochenende im August stattfindet", sagt Geissler.

Nicht nur die Kommunikation mit den Besuchern, auch die mit denen, die etwas zum Fest beitragen wollen, läuft noch nicht reibungslos. Den Kneipen Flowerpower und City Pub hatte die CWE vorgeschlagen, eine Party vor dem Fest zu veranstalten. Doch scheiterte das an den Terminabsprachen. Die CWE stellte eine Frist, bis zu der die Gastronomen ein Konzept vorlegen sollten, von der diese aber angeblich nichts wussten. An den Terminabsprachen scheiterte auch eine größere Beteiligung des Vereins Tellerlein Deck Dich. Er wollte einen Kräutergarten im Stadthallenpark entstehen lassen. Doch weil von der CWE zu lange keine Reaktion kam, stellt der Verein jetzt nur einen Stand auf.

 

 
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Chemnitz: Die drei Probleme der Stadtfest-Macher
Vom 24. bis 26. August wird in der Innenstadt gefeiert
 
erschienen am 12.08.2012
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
5
(Anmeldung erforderlich)
  • 14.08.2012
    16:59 Uhr

    Jothade: Das "Getränke-Konzept" geht nichjt auf, wenn die anliegenden Supermärkte nicht zu haben! Das hatte ich bereits an anderer Stelle bemerkt.
    Ich gehe mal davon aus, dass Frau Boneski vom REWE-Markt Am Wall bestimmt schon ordentlich Getränke geordert hat, um diese zum SchlagmichPreis an zumindestens ersten beiden Tagen bis abends 22:00 Uhr absetzen zu können.
    Wenn jemand von dem Fest profitiert, dann sind das die Inhaber von den Supermärkten - und das ohne einen Cent für das Fest opfern zu müssen! Die lage machts halt - ich würde genauso handeln!

    Hoffentlich gibt es dieses Mal Kontrollen, wenn Jugendliche in fast allen Altersgruppen Kistenweise Bier und Flaschenweise Schnaps aus den Märkten raus holen, ohne dass irgendeine Kontrolle der Ausweispapiere erfolgt!

    Hier hätte die Stadtverwaltung eine Möglichkeit, den fehlenden Obulus zum Stadtfest mit Bußgeldern wegen Nichteinhaltung des Jugendschutzgesetzes wett zu machen!

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  • 14.08.2012
    10:28 Uhr

    chemnitze: Die drei probleme sind es also..... warum hat eigentlich niemand in den letzten jahren das stadtfest kritisch hinterfragt?
    -da konnten gastronomen auf kosten der stadt viel geld verdienen und niemand hat es gekümmert?
    -da konnten die chemnitzer brauereien ohne eine große finanzielle beteiligung viel werbung und verkauf erhalten?
    -da gab es kaum nennenswerte künstler und die jugendlichen wurde gleich mal ganz vergessen!
    Das was sich wirklich geändert hat ist, das jemand den stecker beim "chemnitzer klüngel" gezogen hat, und nun auch mit hilfe der freien presse gegenwind erzeugt wird!
    Sicher läuft nicht alles perfekt und das sollte man auch kritisch hinterfragen. Hinterfragen sollte man aber eben auch die haltung der chemnitzer brauereien, die nicht bereit sind ein chemnitzer stadtfest angemessen zu unterstützen.
    hinterfragen muss man auch die einstellung der chemnitzer, die eine kostenlose großveranstaltung erhalten und sich über 0,50 Euro preiserhöhung beim bier beschweren.
    ich finde es gut das sich jemand getraut hat den stecker zu ziehen! bei allem gegenwind wird es am ende (ausser für den klüngel) sicher nicht schlechter als in vergangenheit...

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  • 13.08.2012
    22:47 Uhr

    Flashback2012: tja eine entwicklung die zum nachdenken anregt warum chemnitz den fluch nicht los wird...

    0 1
     
  • 13.08.2012
    08:54 Uhr

    ChemB: "...Tochter der Stadt, die Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft CWE..Im vergangenen Jahr hinterließ das Stadtfest ein Defizit. Wie hoch das war, möchte Ulrich Geissler, Geschäftsführer der CWE, nicht sagen..."

    Möchte er nicht SAGEN - DAS SIND STEUERGELDER - DAS MUSS DER SAGEN.
    Liebe Presse - ihr seit die 4. Gewalt im Staate - nutzt das auch mal. Setzt den unter Druck ... hier sind die Zahlen offen zu legen.

    GEMA - dem "Verein" würde ich keinen Cent mehr als Jetzt in den Rachen werfen. Sollen die doch Klagen - wenn das nämlich alle Städte und Organisatoren machen und sich zusammen schliessen.... Von solchen Leuten würde ich mir Veranstaltungen nicht kaputt machen lassen.

    Und die CWE scheint ja auch etwas überfordert zu sein - jedenfals wird das so dargestellt. Vielleicht sollte dies wieder ein Verein machen, die können sich auch mal ein paar "Ehrenamtler" abziehen für die Orga-Dinge.

    0 2
     
  • 12.08.2012
    08:57 Uhr

    NFG: Liebe Chemnitzer ,das ist ein richtiges Armutszeugnis Eurer Organisatoren. Eine nicht städtische Brauerei sorgt für das Überleben des eigenen Stadtfestes .
    Mit einem breiten Angebotemix zu fairen Preis lassen sich Margen sicher auch steigern. Das ist hier wieder einmal nicht der Fall.
    Man labelt sich auf Freiberger Plörre ,die eigentlich(für mich) nicht durch Geschmack überzeugen ,sondern einzig durch (un-)sinniges Marketing. ..tiefster Wald und dreckigster Bach.. (:-
    Somit habt ihr auch einige Besucher weniger .... Man trinkt auch gern mal "Einsiedler" oder "Braustolz",sichert u.a. auch Arbeitsplätze der Region. Das würde es in DD nicht geben !

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