Industriedenkmal an der Zwickauer Straße in Chemnitz. In die unteren Etagen des Göritz-Baus soll Harley Davidson einziehen. Foto: Fasa AG
Chemnitz: Harley Davidson will in alte Textilfabrik ziehen
Am Areal gegenüber dem Industriemuseum keimt Hoffnung
Eine Verkaufs-Niederlassung von Harley Davidson will im nächsten Jahr auf das ehemalige Industriegelände an der Zwickauer Straße/Ecke Ulmenstraße ziehen. Derzeit sind die Gebäude gegenüber dem Industriemuseum zwar gesichert, aber der Wind pfeift durch die zerschlagenen Fensterscheiben und die Farbe bröckelt. Doch der Eigentümer - die Firma Poelzig Bau Projekt - will nun mit der Sanierung beginnen.
"Wir erwarten, Ende Februar die Baugenehmigung zu erhalten. Dann starten wir im April mit den Arbeiten." Das sagte Ullrich Hintzen, Poelzig-Bau-Geschäftsführer, bei einem Rundgang über die Industriebrache mit Teilnehmern der Jahrestagung der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen. Sein Unternehmen hatte das Areal 2007 ersteigert und seither schon mehrfach Baustart angekündigt. Finanzkrise und damit verbunden der Rückzug von potenziellen Mietern hätten dazu geführt, dass sich äußerlich noch wenig getan hat. Außerdem schilderte Hintzen vor den Fachleuten aus dem Bereich Denkmalschutz, wie gegenläufig Auflagen verschiedener Ämter bisweilen wirken. "Während der Denkmalschutz fordert, nichts zu verändern, verlangt der Brandschutz neue Zugänge", so Hintzen. Es sei auch mit normalem Menschenverstand nicht zu fassen, dass zwar Parkplätze vorgeschrieben wurden, eine Zufahrt von der Zwickauer Straße aber bislang keine Genehmigung fand.
Für Hintzen kommen die Probleme nicht überraschend, wie er in seiner Rede zum Thema "Industriedenkmale - Lust oder Last" deutlich machte. "Industriedenkmale muss man lieben, wenn man sie sanieren will, sonst funktioniert es nicht."
Mit der Sanierung könne man erst beginnen, habe man etwa 80 Prozent der Fläche vermietet. Schwierig sei die Lage für Investoren in Chemnitz vor allem, weil einerseits hohe Baustandards gelten, andererseits aber nur relativ niedrige Mieten zu erzielen seien. Er sei froh, mit Harley Davidson einen der ersten Hauptmieter gefunden zu haben. Die Niederlassung will in die unteren zwei Etagen des nach dem jüdischen Textil-Fabrikanten Sigmund Goeritz benannten Baus einziehen. "Die anderen Etagen sind für Büros vorgesehen", sagte Hintzen. Als Bezugstermin nannte er Februar 2013. Finanziert werde der Bau über Eigenmittel und Kredite. Für das Goeritz-Gebäude seien rund zwei Millionen Euro veranschlagt.
Wann die Sanierung des zweiten, im expressionistischen Stil erbauten Gebäudes auf dem Areal beginnt, stehe noch nicht fest. Auch was diese kosten wird, sei noch unklar. Der Bau ist benannt nach dem Architekten Hans Poelzig, der unter anderem das Verwaltungsgebäude der IG Farben in Frankfurt/Main entworfen hatte. In den oberen Etagen des Baus an der Ulmenstraße sind Lofts und Büros geplant, im Erdgeschoss ein Sport-Freizeitbereich mit Gastronomie. Zudem soll der Schornstein, den man von weitem sieht, als Wahrzeichen erhalten und für Werbezwecke genutzt werden. Bleibt noch das alte Heizhaus, in das ein Internet-Möbelhandel einziehen soll.
Zur Historie
1909 Familie Göritz errichtet die Fabrik an der Zwickauer Straße.
1927 Erster Abschnitt des Poelzig-Baus wird fertig. Weitere Bauabschnitte werden nicht realisiert.
1991 Ende der Textilproduktion.
2007 das Areal geht in den Besitz der Poelzig Bau Projekt GmbH über.



23:11 Uhr
ChemB: Ja ist den schon 01.04.