Mehrere große norwegische Tageszeitungen berichten - wie hier in ihren Internet-Ausgaben - über das Thor-Steinar-Geschäft "Brevik" in Chemnitz. Thematisiert wird sowohl die Nähe zum Namen des Attentäters vom 22. Juli 2011 als auch der Missbrauch norwegischer Ortsnamen.
Foto: Freie Presse / Klatt
Chemnitz: Nachbarn wollen sich gegen Thor-Steinar-Laden wehren
Der "Brevik" genannte Laden am Brühl sorgt auch in Norwegen für Diskussionen
Chemnitz. Knapp eine Woche nach der Eröffnung der "Brevik" genannten Thor-Steinar-Filiale an der Mühlenstraße wollen sich Nachbarn, Politiker und Gewerbetreibende vom Brühl am Mittwochabend treffen, um zu beraten, was gegen den Laden unternommen werden kann. "Es gibt im Umkreis des Geschäfts viele engagierte Vereine und andere Brühl-Anrainer, die sicherlich ebenso entsetzt von der Eröffnung sind.Einige von ihnen haben bereits ihre Teilnahme signalisiert", sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Hanka Kliese, neben den Jungsozialisten Initiatorin des Treffens. Ziel sei eine Sondierung, wie ein wirksamer zivilgesellschaftlicher Protest organisiert werden kann, sagte sie.
Die vor allem bei Rechtsextremen beliebte Modemarke Thor Steinar hatte ihr Geschäft am Donnerstag in einer umgebauten Bankfiliale eröffnet. Der Laden, dessen aus Niederbayern stammender Vermieter nach eigenem Bekunden nichts vom Hintergrund seiner Vertragspartner wusste, heißt "Brevik". Das wiederum erinnert viele Menschen offenbar in erster Linie an den Namen des Massenmörders Anders Breivik, der im Juli 2011 in Norwegen 77 Menschen umgebracht hat. Die Firma Media Tex, die die Marke Thor Steinar vertreibt, wollte sich auf Anfrage von "Freie Presse" nicht zur Bedeutung des Namens äußern. Inoffiziell heißt es, das Geschäft sei nach einem gut 2000Einwohner zählenden Städtchen in Südost- norwegen benannt.
Tatsächlich tragen auch andere Thor-Steinar-Filialen Namen norwegischer Ortschaften, und auch ein "Brevik" benanntes Geschäft hat es vor vier Jahren schon einmal gegeben - in Hamburg, damals freilich noch ohne Assoziationen zu einem Attentat mit Dutzenden Toten zu wecken. Gleichwohl musste der Laden nach heftigen Protesten nach wenigen Wochen wieder schließen.
Dass die Wahl des Namens "Brevik" in Chemnitz nicht allein auf jene norwegische Provinzstadt zurückgeht, sondern wohl auch als zielgerichtete Provokation gedacht war, legt eine E-Mail nahe, die am Abend vor der Eröffnung bei der "Freien Presse" eingegangen war. Darin äußert ein angeblich besorgter Familienvater den Verdacht, dass der Name des Ladens "vermutlich anheimelnd an den Massenmörder Breivik" gewählt worden sei. Die Absender-Adresse der E-Mail allerdings führt ins engste Umfeld des Inhabers eines einschlägigen Versandhandels der rechten Szene. Der Mann aus dem Osterzgebirge soll früher selbst einen Thor-Steinar-Laden in Dresden betrieben haben und war nach Informationen der "Freien Presse" persönlich in die Auswahl des "Brevik"-Ladenlokals an der Mühlenstraße involviert.
Norwegen bemüht sich seit vielen Jahren um Distanz zu Thor Steinar. Das Außenministerium in Oslo und die norwegische Botschaft in Berlin haben bereits mehrfach versucht, die verbreitete Verwendung der norwegischen Flagge und anderer Symbole in den Thor-Steinar-Kollektionen zu stoppen. "Im Allgemeinen finden wir es sehr bedauerlich, dass norwegische Ortsnamen und Norwegen als solches mit Thor Steinar und damit mit der extremen rechten Szene verbunden wird", sagt Anne-Kirsti Wendel Karlsen von der Königlichen Botschaft Norwegens in Berlin. Auch dass der Name "Brevik" in Chemnitz Assoziationen zu den Anschlägen vom 22. Juli 2011 erwecke, bedauere man sehr. "Wir haben im Auftrag von vielen Gemeinden dringend darum gebeten, nicht die norwegischen Ortsnamen zu verwenden. Aber leider haben wir keine Möglichkeit, dies gerichtlich zu verfolgen." Allerdings, so Karlsen, erhalte die norwegische Botschaft in diesen und ähnlichen Fällen "sehr viel Unterstützung von der deutschen Bevölkerung aus der Nachbarschaft dieser Thor-Steinar-Läden, die ausdrückt, dass sie es nicht für gut hält, dass Norwegen mit diesen Dingen in Verbindung gebracht wird."
Denkbar allerdings ist, dass die jüngsten Chemnitzer Vorgänge neue Bemühungen des Landes hervorrufen. Karlsen zufolge werde die Botschaft Kontakt zur Gemeinde Brevik herstellen und über das weitere Vorgehen beraten. Über die Eröffnung des Thor-Steinar-Ladens an der Mühlenstraße berichteten am Wochenende sowohl die norwegische Nachrichtenagentur NTB als auch mehrere auflagenstarke Tageszeitungen in ihren Internet-Ausgaben, darunter mit "Verdens Gang" und "Aftenposten" aus Oslo die beiden größten Zeitungen des Landes.
Termin
"Bündnis Bunter Brühl", Mittwoch, 7. März, 19 Uhr, SPD-Geschäftsstelle, Dresdner Straße 38, 09130 Chemnitz.


13:50 Uhr
Ballfreund: @TheSaxon und GGD: Großes Lob für diese Beiträge! Sehr gut beobachtet und beschrieben!
18:45 Uhr
GGD: Ich muss Saxon in all den genannten Punkten vollends Recht geben. Wenn das Viertel bewohnt wäre und ähnlich wie in Dresden Neustadt bspw. eine multikulturelle Szene dort ansässig und etabliert wäre, dann hätte ein derartige Betreiber es wahrscheinlich nie in Erwägung gezogen dort einen solchen Bekleidungsladen zu eröffnen.
Zu der Theorie: "Chemnitz hat ein Problem mit den Platten!!!" möchte ich Folgendes erwähnt wissen. Die Behauptung, eines der grössten Plattenbaugebiete der DDR wurde ohne Grund einfach so platt gemacht ist so nicht richtig. Zum einen gibt es durch den demografischen Wandel seit Jahren ein Defizit in der Bevölkerungsentwicklung der Stadt. Dies wird sich auch in Zukunft nicht aufhalten sondern nur abmildern lassen. Folglich gibt es dadurch erheblich mehr Wohnraum als Mieter, die Nachfrage ist also um ein Vielfaches geringer als das vorhandene Angebot. Zum anderen wurde der demografische Effekt durch die voran gegangene Wohnungsbaupolitik in der DDR bzw. der Nachwendezeit nochmals in seiner Wirkung erheblich verstärkt. Anstatt den innerstädtischen Wohnungsbestand nach der deutsch deutschen Wiedervereinigung zu sanieren, konzentrierte man sich aus vielerlei Gründen im gesamten ostdeutschen Raum darauf, die Investitionen in die in der Pheripherie gelegenen Trabantstädte zu lenken. Mit der Folge, das der innerstädtische Altbaubestand weitehin keiner Nutzung unterzogen wurde. Heute nennt man das dann trostlos, weil mittlerweile immer mehr junge Menschen aufgrund fehlender Perspektiven das Weite suchen und nur noch Menschen zurück bleiben, die zumeist den älteren Kohorten angehören.
Dies ist der ideale Boden, um Gesinnungen den nötigen Freiraum zu bieten deren extremistische Denkweisen den Abwärtssog nur noch weiter beschleunigen. Es wurden in der Vergangenhit unzählige Fehler begangen und es werden meines Erachtens auch weiterhin unzählige Fehler gemacht (Thema Masterplan für den Brühl). Die Folgen sind inform von satirischen Zeitungsartikeln oder der Ansiedlung von verwerflichem Gedankengut ein deutlicher Fingerzeig.
22:37 Uhr
tragbar: Herr oder Frau TheSaxon waren Sie jemals in Chemnitz? Es gibt Probleme! Nicht mit dem Abriss von Altbauten. Hier werden Altbauten entsorgt wo der Alteigentümer kein Interesse zeigt (höflich ausgedrückt). Chemnitz hat ein Problem mit den Platten!!! Den diese werden entgegen Ihren Behauptungen platt gemacht!!! Das Heckert-Gebiet, war eines der größten in der DDR und jetzt nur noch zur Hälfte noch da, alles andere platt. Also geht Ihre Behauptung nicht auf!
Und zu Ihrem finanzkräftigen Investoren, es ist wie überall wo man Geld verdienen kann.... Da es für den Brühl zur Zeit kein "Chemnitzer Konzept" gibt, sondern nur ein westdeutschers "Masterplan" der Firma (siehe Chemnitzer Amtsblatt 5/2012 Titelseite)kann ich Sie nicht verstehen!!!
22:14 Uhr
tragbar: Es gibt viele viele Probleme. Zum Beispiel was jetzt in Chemnitz auf dem Brühl abgeht. Einst ein Vorzeigeobjekt von E.H..
In allen Medien geht es um: einen Laden... der deutsche Fans (NAZIS) "anzieht". Jetzt sollen die zwei Plattenbauten im Eingangsbereich fallen um die deutsche Architektur wieder herzurichten!!!!!!!!!!!!!!! (DDR-Platte (laut Projektentwickler aus Frankfurt nicht Oder sondern Main (Wessi(!)-Deutscher???)"minderwertige Bausubstanz"*)demzufolge nicht Deutsch???). "Ziel ist die Wiederherstellung einer klaren baulichen und visuellen Stadtkante, die die historische Rasterkante wieder aufnimmt...*" (*Zitat aus dem Chemnitzer Amtsblatt 5/2012)Folge Deutsche Struktur vor 1945!!! Dieses wird von der SPD, FDP und der CDU unterstützt! Ich frage mich warum???
Den Brühl beleben kann man nur durch konstruktive durchdachte Konzepte, nicht durch Abriß und Vernichtung der historisch gewachsene Baukultur. Alles Andere ist Kontraproduktiv!!!
Ich hoffe der "DEUTSCHE KLEIDERLADEN" ist ein Stein zum NACHDENKEN und zum UMDENKEN!!!
20:16 Uhr
TheSaxon: "Wir brauchen uns nicht zu wundern, dass keine finanzkräftigen Investoren nach Chemnitz kommen."
Genau, als wenn das finanzkräftige Investoren jemals interessiert hätte. Gerade mit der derzeitigen Wirtschafts\Finanzkrise, bekommt man ja Einblicke als "Narmalo" welche "moralischen" Werte dort vorherrschen. Nur mal generell.
Das Chemnitz trostlos daherkommt und das vorallendigend im Stadtbild...liegt daran, dass man Chemnitz einer Gebäudewirtschaftsgesellschaft überlassen hat, die seit Jahren Gelder des Förderprogramms "Stadtumbau Ost" zweckentfremdet, um ihre in Besitz befindlichen Plattenbauten in der Peripherie zu sanieren und gleichfalls in Besitz befindlichen Altbauten/Baudenkmäler im Stadtzentrum abzureißen....um sie in eingzäunte Grünflächen zu verwandeln. Und das mit Absegnung des Chemnitzer Stadtrats. Erhaltenswerte, städtebaulich wichtige Gebäude werden abgerrissen, die in Leipzig in wahre Schmuckstücke verwandelt worden wären. In noch geschlossene gründerzeitliche Karrees werden Lücken geschlagen ohne Rücksicht und Vernunft. Von "der Welt" über "die Zeit" bis zum ARD-Magazin "Monitor" hat man darüber berichtet. Investoren, die sich dieser Bauten annehmen möchten, werden mit der Forderung (seitens der Stadt) nach horrenden finanziellen Vorleistung vergrault und just in dem Zeitpunkt, in dem die für den Abriss vorgesehen Gelder für die Sicherung umgemünzt werden sollen, ist auf einmal nur noch ein Bruchteil der Gelder vorhanden. Dann lieber abreisen, Brachfläche, ungehinderte Lärmzufuhr durch die Straße, Parkhäuser, Plattenbautristes etc... logisch, dass das niemanden animiert dort zu wohnen. Symptomatisch für das einstige Manchester des Ostens unter der Ära Ludwig + GGG steht das "Kunstobjekt" ..."zu Hause" was man auf eine Brachfläche an der Straße der Nationen errichtet hat....besser kann man sein Handeln im Umgang mit Chemnitz nicht verbildlichen.
Das ist leider die "Stadt der Moderne" und nicht unbedingt ein Horde rechtsextreme Spinner, die Chemnitz zu "No-Go-Area" machen bzw. hier herangezogen werden, als Grund für das Ausbleiben von finanz. Investitionen.