Der in Chemnitz getunte GSC Mercedes-Benz CLS 63 AMG "Stealth" bei einem Ausflug zu einer Messe in Monaco. Die Leistung des Motors wurde auf 750 PS gesteigert, zudem erhielt das viertürige Coupé unter anderem neue Motorhaube, Kotflügel, Stoßstangen und Felgen.
Foto: German Special Customs
Chemnitzer entwickeln Coupé mit 750 PS
Mercedes CLS 63 AMG aus der Tuning-Werkstatt German Special Customs schafft Tempo 350
Chemnitz. 525 Pferdestärken waren nicht genug. Die bringt der stärkste Mercedes-Benz CLS zum Grundpreis von knapp 116.000 Euro serienmäßig mit - dank eines vom konzerneigenen Tuningbetrieb AMG entwickelten und gebauten 5,5-Liter-Achtzylinder-Motors.
Den hat sich eine kleine Chemnitzer Firma jetzt noch einmal vorgenommen und seine Leistung auf 750 PS gesteigert - so viel wie ein M-60-Kampfpanzer, der bei der US-Armee bis 1997 im Einsatz war. Ergänzt um sportliche Karosserie-Anbauteile und veredelte Innenausstattung, wurde aus dem viertürigen Stuttgarter Coupé auf diese Weise ein weltweit einmaliges Auto namens CLS AMG "Stealth".
An Stelle des Mercedes-Sterns trägt der Kühlergrill ein Logo mit den Buchstaben GSC für German Special Customs. Customs kommt vom englischen Wort Customizing für Kundenanpassung und steht für individuell umgebaute Einzelstücke. Und Stealth bedeutet wörtlich übersetzt Schläue oder Heimlichkeit, wurde aber zum Synonym für US-amerikanische Tarnkappenbomber, die vom feindlichen Radar schwer auszumachen sind.
Kunden in aller Welt
Auch GSC hält sich nach außen hin bedeckt. Bei der angegebenen Adresse an der Tuchschererstraße in Siegmar - benannt nach dem Chemnitzer Louis Tuchscherer, der 1880 noch vor Carl Benz das erste Auto gebaut haben soll - ist lediglich die Firma Enco zu finden, die sich als Fachbetrieb für Entwicklung, Fertigung, Ein- und Anbau sowie Vertrieb von Fahrzeugteilen ausweist. "German Special Customs ist unsere Luxusmarke", bestätigt Enco-Geschäftsführer Jens Engelmann. Hinter GSC steckt also Enco, ein Betrieb, den der heute 38-jährige Maschinenbauingenieur Engelmann im Jahr 2000 gegründet hat.
Mit zwei Mitarbeitern begann der gebürtige Karl-Marx-Städter, der an der hiesigen TU studiert hat, mit der Einzelanfertigung von Abgasanlagen aus Edelstahl. Heute zählt Enco acht Beschäftigte und fertigt außer Auspuffen auch Verkleidungsteile aus Glas- sowie Kohlefasern und veredelt Innenausstattungen. "Wir produzieren für namhafte Hersteller von Sportwagen und große Tuningfirmen in aller Welt", sagt Engelmann.
Kunden seien aber auch Fahrer von Golf GTI oder Leute, die sich als Rentner den Traum vom gebrauchten Porsche erfüllt haben und für ihr Auto eine haltbarere oder sportlicher klingende Auspuffanlage suchen. Die Firma funktioniere seit zwölf Jahren, und das solle auch so bleiben, betont der Chef. Expansionspläne habe er nicht.
Was den 750-PS-Mercedes betrifft, so gehört das Tunen solcher Nobelkarossen für Enco beziehungsweise GSC nicht zum Tagesgeschäft. "Derartige Einzelanfertigungen bauen wir alle zwei bis drei Jahre oder auf Nachfrage", erklärt Engelmann. So sei zuletzt die Leistung eines Porsche-Cayenne-Geländewagens von 400 auf 650 PS gesteigert worden.
Preise nur auf Anfrage
Der Mercedes wurde nicht auf Bestellung, sondern als Demonstrationsmodell für die Möglichkeiten von GSC umgebaut. "Damit haben wir eine neue Marke gesetzt, um zu zeigen, was wir können. Jetzt hoffen wir auf viele Bestellungen", erläutert der Firmenchef. Ein erster Auftrag seit der Präsentation des "Stealth" auf Messen und im Internet sei bereits eingegangen: Ein Kunde aus dem Emirat Katar habe für seinen Mercedes CLS den Spoilersatz der Chemnitzer Tuner geordert. Auf Nachfrage würde Engelmann das Auto auch komplett verkaufen. Preise will er allerdings nur ernsthaften Interessenten auf Anfrage nennen. Zum Vergleich: Die auf Mercedes spezialisierte Bottroper Tuning-Firma Brabus verlangt für einen CLS mit dem Zusatznamen Rocket und 800 PS mindestens 429.000 Euro.
Den "Stealth", dessen Drehmoment in Chemnitz von 700 auf brachiale 1150 Newtonmeter gesteigert wurde, fährt Engelmann zurzeit selbst. Das Auto soll in 3,7 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen - ein guter Motorrad-Wert, Autos brauchen meist dreimal so lange - und ein Höchsttempo von über 350 schaffen. "Ab 320 Kilometer pro Stunde müssen vorher Spezialreifen montiert werden", erklärt der Diplomingenieur. Trotzdem halte sich der Benzinverbrauch bei gemäßigtem Tempo angesichts der Leistung in Grenzen. "Auf einer Fahrt nach Monaco haben wir im Schnitt 10,4 Liter verbraucht", erzählt Engelmann. Bei Tempo 300 seien es allerdings 22 Liter.
Die Technik
Motor: Um die Leistung von serienmäßig 525 auf 750 PS zu erhöhen, erhielt der 5,5-Liter-V8-Biturbo unter anderem größere Turbolader, einen zusätzlichen Wasserkühler für die Ladeluft sowie eine Abgasanlage, die ab den Ladern nach hinten verläuft.
Fahrwerk: Das Auto hat ein Gewindefahrwerk mit verstellbaren Dämpfern an der Vorderachse. Die 20 Zoll großen Felgen tragen vorne 255 und hinten 295 Millimeter breite Reifen.
Aerodynamik: Zum Bausatz namens "Stealth" gehören eine neue Stoßstange mit integrierten LED-Tagfahrleuchten, ein schwarzer Kühlergrill mit GSC-Emblem, eine neue Motorhaube, neue Kotflügel und Seitenschweller. In die neue hintere Stoßstange wurden unter anderem seitliche Luftauslässe und eine vierflutige Edelstahl-Sportabgasanlage mit eckigen Endrohren integriert. (mib)


09:03 Uhr
Jothade: ... wo mag man heutzutage noch ohne Gefährdung anderer solche Geschwindigkeiten fahren können - hier wird ja nicht von einem Renn-, sondern einem Straßenfahrzeug gesprochen!
Außerdem muss man ja bei 320 km/h auch noch die Reifen wechseln - bitte wer hat so einen großen Kofferraum und wechselt vor Erreichen der 320 km/h-Grenze seine Reifen??
*feix*
Im Übrigen: Böse Stimmen lästern, dass es jetzt für solche "Autos" Bezugscheine beim Jobcenter gibt...
00:01 Uhr
ramon: Wirklich ein redaktionelles Highlight von überragendem öffentlichen Interesse. Damit hat es die Freie Presse endlich auf Boulevardniveau geschafft.
11:21 Uhr
schnuffelduffel: Da sieht man, wie in Europa die gesellschaftliche Schere immer weiter auseinander geht. Die Reichen werden reicher, der Mittelstand verschwindet und der normale Bürger fragt sich, wozu so ein Auto gut sein soll, wenn er die höheren Kosten für die Musikschule, den Nahverkehr nicht mehr bezahlen kann und Vereine wegen fehlender Mitglieder und Sponsoren von der Bildfläche verschwinden müssen.
Solche Autos sind frei nach dem Motto. "Eure Armut kotzt mich an"
Vorsicht Sarkasmus!