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Clubkino Siegmar: Rätsel um die eigene Vergangenheit

Im Ersten Weltkrieg soll das Haus entstanden sein. Im vergangenen Jahr kamen laut seinem Leiter so viele Besucher wie noch nie. Dabei müssen die auf zwei Dinge verzichten.

Von Sandra Häfner
erschienen am 17.05.2017

Reichenbrand. 100 Jahre sind eigentlich ein Grund, um in alten Alben zu blättern und sich historische Schwarz-Weiß-Fotos oder verblichene Postkarten anzuschauen und in Erinnerungen zu schwelgen. Eigentlich. Nicht so im Clubkino Siegmar. "Von jeder Ecke und von jedem zweiten Haus wurden früher Ansichtskarten gemacht. Nur nicht von unserem Kino", sagt Thilo Götz. Seit Jahren suche er alte Aufnahmen von dem Haus - vergebens. Nun hofft er auf die Leser der "Freien Presse". "Vielleicht finden sie in einem alten Familienalbum noch ein Bild von unserem Kino", so Götz.

Dabei steht gar nicht genau fest, ob es in diesem Jahr wirklich 100 Jahre sind, die das Haus existiert. Überliefert sei, fand Götz heraus, dass es zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914/15 Bauaktivitäten gegeben habe. 1917 müsse das Haus, das als "Koppes Lichtspielhaus" gebaut wurde, also schon gestanden haben, schlussfolgert er. Deshalb habe er festgelegt, dass das Kino in diesem Jahr 100 Jahre besteht. "Und wenn jemand kommt, der genau weiß, dass es später eröffnet wurde, dann feiern wir halt noch einmal." Er sei über jede Information froh, beispielsweise darüber, warum ein Kino mitten im Krieg gebaut und welcher Film zur Eröffnung gezeigt wurde. Zwar wohnen Nachkommen der alten Besitzer noch in der Nähe. Doch die hätten ihre Unterlagen bei einem Hochwasser verloren, hat sich Thilo Götz erkundigt.

Gegründet habe das Kino die Puppenspielerfamilie Koppe. "Wahrscheinlich ist sie übers Land gezogen und hat Vorstellungen gegeben", sagt Thilo Götz. Als dann der Film aufkam und Kinos populär wurden, habe sich die Familie einen Projektor zugelegt, um Filme zu zeigen, hat er recherchiert. Noch vor dem Kino in Siegmar eröffneten Koppes in Wilkau-Haßlau ein Lichtspielhaus, sagt er. Wobei die Ortsbezeichnung Siegmar nicht ganz korrekt sei, denn das Kino befinde sich auf Reichenbrander Flur, sagt Götze. Doch vielen sei das Haus vor allem unter dem Namen "Clubkino Capitol Siegmar" bekannt. Als "Capitol" war das Kino nach einer Erweiterung 1937 wiedereröffnet worden.

Doch auch wenn unklar ist, wann genau es entstand, sei eines sicher, meint Thilo Götz. Das Haus, das vom Verein Chemnitzer Filmwerkstatt betrieben wird, ist das älteste Kino der Stadt, in dem Filme gezeigt werden. Und das wohl auch ziemlich erfolgreich. Das vergangene Jahr habe dem Kino einen Zuschauerrekord beschert, sagt Götz. Mehr als 55.000 Besucher wurden gezählt, darunter viele Stammgäste, die mehrmals pro Woche das Haus besuchten. Und auch 2017 sehe es gut aus. "Wir sind derzeit auf dem Stand vom vorigen Jahr." Und da 2017 weder Fußball-WM noch -EM anstünden, liebäugelt der Kinomann mit einem erneuten Rekord.

Doch dazu braucht er auch gute Filme, die die Leute ins Kino ziehen. Das seien in seinem Haus mit 150 Plätzen in erster Linie Komödien, vor allem aus Frankreich. Doch auch deutsche Produktionen wie etwa "Toni Erdmann" oder "Kundschafter des Friedens" mit zahlreichen ehemaligen DDR-Schauspielern seien gut besucht. Vielleicht liegt es auch an der Bestuhlung. Wie in einem Clubkino üblich, sind das breite, bequeme Sitzmöbel. Am 20. April 1982 war die Freizeiteinrichtung als Clubkino Siegmar wiedereröffnet worden - mit drehbaren Sesseln an Tischen und einer kleinen Bar. Die gibt es heute noch. Unter allerlei kleinen Leckereien können die Besucher dort wählen. Nur eines gibt es nicht - Popcorn. "Das verklebt den Boden. Nach den Vorstellungen würde es schlimm aussehen, deshalb geht Popcorn einfach nicht", begründet Thilo Götz. Und unterbindet auch Schmuggelversuche, beispielsweise bei Kinderfilmvorstellungen, wenn Eltern und Sprösslinge die Süßigkeiten von zu Hause mitbringen.

Und noch etwas gibt es im Clubkino nicht - Werbespots. Die habe man vor allem aus Zeitgründen weggelassen, damit die Spätvorstellungen nicht zu spät beginnen. Bereut habe man das nicht, sagt Götz. Im Gegenteil. Besucher hätten ihm für diese Entscheidung sogar schon Trinkgeld gegeben, erzählt er.

 
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