Auf dem Platz ein Held, im Leben ein Verlierer: Gotthard Zölfl 1969 bei einem Junioren-Länderspiel in Karl-Marx-Stadt.
Foto: Archiv/Friedrich
Das traurige Ende des Fußballers Gotthard Zölfl
1969 ging der Stern eines jungen Karl-Marx-Städter Spielers auf - Seinen Tod hat kaum jemand registriert
Chemnitz. Es war der Heilige Abend, als sein Körper nicht mehr mitmachte, sich die geschundene Leber weigerte, ihre Aufgaben zu erfüllen, und das Herz versagte. Der Körper hat Tribut gezollt für einen langen, für einen zermürbenden Absturz, der Jahrzehnte gedauert hat. Gotthard Zölfl starb in einem Seniorenheim in Hohenstein-Ernstthal. Es war mild an diesem Tag im Dezember und die Bäume, die den hohen Plattenbau umgaben, trugen noch keinen Schnee auf ihren Ästen. Gotthard Zölfl war 57Jahre alt, als ihn die Bestatter in einem grauen Sarg aus Metall aus dem Gebäude brachten.
Was ist das für ein Kontrast? Man stellt sich dieses schauderhafte Bild vor, wie dieser Mann seine letzten Jahre verbracht hat und dahingesiecht ist, und schaut dabei auf die Fotos, die von ihm geblieben sind. Ein junger, drahtiger Stürmer, der die Arme nach oben reißt, jubelnd abdreht und von seinen Mannschaftskameraden fast erdrückt wird, nachdem er mit einem straffen Schuss dem Tormann keine Chance gelassen hat. Gotthard Zölfl war einer der talentiertesten Fußballer, den die DDR jemals hatte. Bei einem Länderspiel der Juniorenauswahlmannschaften zwischen der DDR und England schoss er den Gegner aus dem Mutterland des Fußballs fast ganz allein in Grund und Boden. Aber man kennt seinen Namen nicht mehr. Seine Karriere war genau so schnell zu Ende, wie sie einst begann.
Die Geschichte des jungen Fußballers fängt in dem kleinen Ort Neuwürschnitz an, der heute zu Oelsnitz (Erzgebirge) gehört und etwa 20 Kilometer südwestlich von Chemnitz liegt. Neuwürschnitz ist ein besonders fußballverrücktes Dorf. Gotthard Zölfl war drei Jahre alt, als die Junioren der einheimischen BSG Wismut 1953 das deutsch-deutsche Fußballturnier um den Junge-Welt-Pokal gewannen. Der Pokalsieg - ein spektakulärer Erfolg, immerhin spielten bei dem Endrundenturnier in Halle an der Saale die besten Nachwuchsmannschaften aus ganz Deutschland mit. Zu den Teilnehmern gehörte zum Beispiel der TSV 1860 München. Wer wollte da in so einem Dorf nicht Fußballer werden?


13:30 Uhr
Sammler: Ein interessanter Artikel. Habe Zölfl kaum noch spielen gesehen (1970), auch wenn mir sein Name aus den Berichten von Vater und Kumpels shnell zum Begriff wurde und mich viele, viele Jahre später gefragt, was wohl aus diesem äusserst talentierten Fussballer geworden sein mag.
Die Frage ist hypothetisch, ob es ihm im Haifischbecken Bundesliga besser ergangen wäre.
Von falschen Freunden, die er hatte, mag ich auch nicht sprechen. Schlussendlich ist es eine Charakterfrage, wie junge Sportler damit umgingen und -gehen, dass sie schnell Erfolg haben und so im Mittelpunkt der Öffentlichkeit stehen. Und was noch viel, viel schwerer wiegt, ist wohl für einen Menschen, der - egal in welcher Hinsicht - süchtig ist, sich einzugestehen, dass er wirklich KRANK ist.