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Marco Finsterbusch und Corina Conrad unterwegs in der Innenstadt. Sie unternehmen in Chemnitz mehr als früher in Berlin, sagen sie.

Foto: Andreas Seidel

"Die Stadt könnte selbstbewusster sein"

Aus der Hauptstadt sind Corina Conrad und Marco Finsterbusch nach Chemnitz gezogen. Ihre Zwischenbilanz fällt positiv aus. Nur eines verstehen sie nicht.

Von Sandra Häfner
erschienen am 16.02.2017

Schon der erste Kontakt mit dem Rathaus wunderte Corina Conrad und Marco Finsterbusch, die beiden aus Berlin zugezogenen jungen Leute. Ein Termin zur Anmeldung war nicht nötig. "Ich bin es aus Berlin gewohnt, Termine bei der Verwaltung zu vereinbaren", erzählt die 31-Jährige. Dafür wurde dann auch häufig noch ein Tag Urlaub fällig. Anders in Chemnitz.

"Kommen Sie am Samstag einfach vorbei, da geht es schneller", sei ihr am Telefon gesagt worden, so Corina Conrad. An einem Samstag im Mai meldete sich das Paar im Rathaus an. "Wir haben nur eineinhalb Stunden gewartet. In der Zeit waren wir ein Eis essen", erzählt Marco Finsterbusch.

Entspannt wirken die beiden. Entschleunigt nach dem hektischen Leben in Berlin, sagen sie. Dabei war der Umzug nach Chemnitz ein Kompromiss. Nach zehn Jahren wollte er weg aus der Metropole. Ziel zunächst unklar. "Berlin ist voller geworden, eine wahnsinnig gestresste Hauptstadt", sagt Finsterbusch, der aus einem Dorf bei Mittweida stammt. Beruflich passte es, seine Firma eröffnete ein Büro in Chemnitz. Dort arbeitet er als Technischer Redakteur.

Doch seine Freundin wollte nicht so richtig weg aus der Hauptstadt. "Ich war erst ein Jahr da. Zuvor habe ich in Darmstadt gelebt. In die Region wollte ich nicht zurück", sagt Corina Conrad. Doch dann konnte sie, das Mädchen aus einem Dorf bei Wittenberg, sich mit Chemnitz anfreunden. Mit Blick auf den Osten Deutschlands meint sie, wohl doch heimatverbundener zu sein als sie dachte.

Auf dem Kaßberg, wo das Paar wohnt, eröffnete die Keramikerin eine Töpferwerkstatt. "Aus Berlin waren wir andere Mieten gewohnt", freuen sie sich über die niedrigeren Wohnkosten. Auf der Suche nach der richtigen Wohnung kamen sie das erste Mal mit dem in Kontakt, was sie heute noch umtreibt.

Dass eine sei, sagt Corina Conrad, dass die Leute häufig nicht verstünden, das man aus Berlin wegziehen könne. "Das hören wir nicht nur in Chemnitz. Und das können wir nachvollziehen", sagen beide.

ihre Stadt sprechen, erinnern sich die Neu-Chemnitzer.

"Wir kommen aus Berlin, fühlen uns hier wohl und verstehen nicht, warum die Chemnitzer ihre Stadt nicht schätzen", sagen sie. Und schrieben eine E-Mail an "Freie Presse". Sie wollten erzählen, wie Zugezogene die Stadt und ihre Menschen wahrnehmen und was ihnen als Neue ins Auge falle.

Die Stadt habe einiges zu bieten, etwa auf kulturellem Gebiet. "Man kann viel unternehmen. Im Weltecho, in der Stadthalle, in der Messe", erzählten sie. Sie seien überrascht vom vielfältigen Angebot , etwa im Spiele-, im Industrie- sowie im Archäologiemuseum. Die ganzen bekannten Comedians seien in Chemnitz zu Gast, wundert sich Marco Finsterbusch. "Wir sind mehr unterwegs als in Berlin", konstatieren sie, von sich selbst überrascht.

Und noch etwas ist anders. "Wir fahren wieder mehr Rad", sagen sie. In Berlin habe er nicht mit dem Drahtesel zur Arbeit fahren können - zu gefährlich, sagt Finsterbusch. In Chemnitz nutzen sie das Fahrrad auch, weil "der ÖPNV unglaublich langsam ist", sagt der 36-Jährige. Vom Kaßberg zum Hauptbahnhof sei er mit dem Rad schneller als mit dem Bus, hat er festgestellt. So ist der ÖPNV einer der wenigen Kritikpunkte. Eine Fahrt mit der Bahn von Mittweida nach Chemnitz koste 5,10 Euro - "zu teuer", sagt Finsterbusch. Busse und Bahnen steuerten das Zentrum an, ein Ring um die Innenstadt wäre besser, meint der Neu-Chemnitzer. Kritik gibt es auch, weil die Stadt über keinen Fernbahn-Anschluss verfügt.

Einen Lieblingsplatz in der Stadt haben sie aber auch ohne Nahverkehr schnell gefunden. Das Paar hält sich gern auf dem Areal des Vereins Bunte Erde auf, wo es ein Beet mit Kräutern bestellte. "Wir kannten zu Beginn niemanden in der Stadt. Durch den Verein fanden wir Anschluss, das ist eine tolle Sache", meint Corina Conrad.

So fällt das Fazit nach einem Dreivierteljahr in Chemnitz positiv aus, sagt Marco Finsterbusch. Er gibt zu, dass er in Bezug auf die Stadt eher skeptisch gewesen sei. Aber Chemnitz sei lebenswert und auf jeden Fall besser als der Ruf, betont der Technische Redakteur. Das Paar will langfristig in der Stadt und im Umfeld bleiben.

Hoffnung gibt es auch in Bezug auf das Image von Chemnitz. "In Berlin sagen sie, Chemnitz ist im Kommen", so Finsterbusch. Wer in der Stadt studiert habe, sei positiv für Chemnitz gestimmt. Und er schlussfolgert: "Chemnitz hat ein Image-Problem, aber das verursachen die Einwohner selbst. Die Stadt könnte viel selbstbewusster sein."

 
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Kommentare
2
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 17.02.2017
    15:22 Uhr

    Interessierte: Wir Chemnitzer sind sehr selbstbewußt , das haben diese beiden jungen Leute bisher nur noch gewußt ....
    Das Problem ist nur , wir haben nichts mehr zu sagen , seit es die Wende gab , zuvor hatten wir das nur noch nicht gewußt ...
    Und wir Chemnitzer sind schlau und begabt , das fehlt vielen Neuzugängen , deshalb schlagen die Chemnitzer die Hände überm Kopf zusamm´ und manchen wird es um diese Stadt ganz bang ...
    Aber man kann eben als Chemnitzer nichts machen und die Chemnitzer somit herzlich lachen und meinen , laß die nur machen , irgendwann kommt denen das große Erwachen ...

    2 0
     
  • 16.02.2017
    08:08 Uhr

    Blackadder: Ein sehr schöner Bericht. Manchmal braucht es den Blick von außen, um die eigene Stadt schätzen zu können.

    3 11
     

 
 
 
 
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