Der perfekte Sonntag: Während Musiker der Robert-Schumann-Philharmonie Klassik-, Jazz-, und Swing-Stücke spielten, haben rund 1200 Besucher wie Ina und Peter Wild (Mitte) am Sonntag auf dem Schloßberg ihre Picknickkörbe ausgepackt, Decken ausgebreitet und die Sonne genossen.
Foto: Andreas Seidel
Dolce Vita auf dem Schloßberg
Mehr als 1200 Gäste bei erstem Chemnitzer Picknickkonzert - Veranstalter drängen bereits auf Fortsetzung - Nächstes Projekt: Junge Kunstnacht
Chemnitz. Sonnenschein, Musik, Wein und Brot: Mehr als 1200 Gäste haben am Sonntagmittag auf dem Schloßberg das erste Chemnitzer Picknickkonzert verfolgt. Bei der von den Jungen Kunstfreunden und dem Schloßbergmuseum organisierten Veranstaltung spielten Musiker der Robert-Schumann-Philharmonie in verschiedenen Besetzungen Klassik-, Jazz- und Swing-Stücke, während Besucher es sich auf mitgebrachten Decken und Campingstühlen rund um die Schloßkirche gemütlich machten.
Als das Blechbläserquartett zu den ersten Tönen ansetzte, stießen Ina und Peter Wild gerade mit Sekt an. Das Ehepaar saß auf einer mitgebrachten Decke mitten auf der Wiese. Vor ihnen lagen Obst, Brot und Aufstriche - beide hatten die Schuhe ausgezogen. Bis auf ein paar Schäfchenwolken war der Himmel blau. "Was braucht man mehr zum Leben?", fragte Peter Wild.
Sonst finden Konzerte der Robert-Schumann-Philharmonie eher in einem gehobenen Rahmen statt. Ob Oper oder Stadthalle - Hochkultur-Veranstaltungen beginnen meist schon bei der Auswahl der richtigen Fliege oder der Farbe des Abendkleides. "Wir wollen eine Brücke schlagen", sagte Picknick-Organisator Mario Geißler von den Jungen Kunstfreunden, einer Organisation, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, Kunst vor allem einem jüngerem Publikum näher zu bringen. "Hier gibt es keinen Graben. Musiker, Künstler und Gäste stehen im Kontakt. Das ist Kunst zum Anfassen und Erleben", so Geißler weiter.
Auch Orchestervorstand Ulla Walenta hatte angesichts des schönen Wetters und des großen Zuschauerzuspruchs ein Lächeln im Gesicht. "Kunst ist so vielfältig. Das können wir heute zeigen", unterstrich sie.
Die Jungen Kunstfreunde planen bereits die nächste Aktion mit den Philharmonikern. So sollen zur Jungen Kunstnacht im Museum Gunzenhauser am 23. Oktober Philharmoniker im Museum spielen. "Dass neue Konzepte ankommen, sehen wir ja heute", schätzte Geißler ein.
Als im Innenhof des Schloßbergmuseums das Mozart-Quintett die ersten Töne anstimmte, packten die Schüler Mario und Stefan gerade ihren mitgebrachten Fußball aus. Auf dem Rasenstück neben der Kirche konnte man die klassische Musik noch hören. Leise, als hätte jemand das Fenster nicht geschlossen.
"Ich interessiere mich nicht für klassische Musik", meinte Achtklässler Mario. Seine Eltern aber schon. Die saßen beim Konzert der Philharmoniker, während Mario mit Kumpel Stefan auf dem Kirchrasen bolzte. "Ist doch cool, so ist jeder zufrieden", sagte der Gymnasiast und kickte den Ball in ein mit Stöcken abgestecktes Tor.
Als hätte Petrus seine schützende Hand über das erste Chemnitzer Picknick-Konzert gehalten, verschwand die Sonne punktgenau zum Ende der Veranstaltung. "Besser hätte es nicht laufen können. Wir werden das Ganze wiederholen", verkündete Mario Geißler.


