Der tägliche Kontrollgang: Eberhard Kerbe überprüft, ob alle Sensoren richtig arbeiten, und trägt die Werte für das Pilotprojekt in eine Tabelle ein. Seine Ehefrau Inge testet die verschiedenen Funktionen in der Küche.
Foto: Andreas Seidel
Ein Pilotprojekt macht Schule
Wohnungsbaugenossenschaft Burgstädt beendet Testphase für Musterwohnung - Rentnerehepaar kontrollierte ein Jahr lang die Funktionsweise
Burgstädt. Inge und Eberhard Kerbe können aufatmen. Das Pilotprojekt der Wohnungsbaugenossenschaft Burgstädt steht kurz vor dem Abschluss. Ein Jahr lang protokollierte das Rentnerehepaar jeden Schritt in seiner Wohnung. Denn mit ihren Daten soll künftig der Umbau von Wohnungen mit Spezialtechnik leichter und für andere Vermieter nachvollziehbar werden.
Über das Ergebnis wird Vorstandsmitglied Rainer Richter, der das Projekt vor zwei Jahren aus der Taufe gehoben hatte, Anfang April bei einer sachsenweiten Tagung in Radebeul berichten. Der Abschlussbericht mit über 60 Seiten wird gegenwärtig erarbeitet. Die Daten von Familie Kerbe fließen darin mit ein.
Fest steht schon jetzt: Das Ehepaar will nicht mehr ausziehen und hat sich an die moderne Umgebung gewöhnt. "Wir sind rundum zufrieden", sagt Eberhard Kerbe. Es habe keine Havarien gegeben. Der Versuch werde erfolgreich abgeschlossen. Der diplomierte Landwirt hatte monatlich einmal alle Funktionen der Wohnung akribisch getestet und darüber Protokoll geführt. Dabei gab er einige Empfehlungen.
Erster Vorschlag: Nachzulesen ist, dass in einer Nacht die Fenster "verrückt gespielt haben". "Immer wenn die Luftfeuchte im Zimmer einen bestimmten Wert überschreitet, öffnet sich das Fenster", erklärt er. Wenn es regnete, sei das oft der Fall gewesen. "Das Motorengeräusch beim Öffnen und Schließen war nachts so laut, dass uns die Nachbarn schon darauf angesprochen haben", ergänzt Inge Kerbe. Die WBG reagierte. Sie schaltete den Motor aus. "Der Lärm war entstanden, weil sich die Bewegung in so einem älteren Haus auf alle Gebäudeteile überträgt und der Schall damit um ein Vielfaches ansteigt", erklärt Uwe Hofmann vom Vorstand. Bei künftigen Sanierungen müsse das berücksichtigt werden.
Zweiter Vorschlag: Trotz Kamera wünschte sich das Paar einen Türspion, weil die Besucher nur von außen kommend auf dem Bildschirm gesehen werden. Bei nachfolgenden Wohnungen soll das beachtet werden, zumal sie keine Kamera haben.
Dritter Vorschlag: Das Ehepaar Kerbe fühlt sich noch fit. Deshalb wird es nicht alle Funktionen der Wohnung brauchen. "Wir kochen selbst und brauchen keinen Speiseplan der Volkssolidarität", so Inge Kerbe. Sie schätzt das optische Klingelsignal, weil sie manchmal beim Fernsehen den Klingelton nicht hört. Außerdem sind der 72-Jährigen alle Sicherheitsmodule wie Alarm bei Einbruch, Rauchwarnung, Wasserüberlauf-Signal, Notrufsystem, Vital-Überwachung auf der Toilette und elektronisches Schloss wichtig.


