Die Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz, Ingrid Mössinger (l.), und Kuratorin Karin Sager zeigten erstmals Werke von Renoir in einer umfassenden Einzelausstellung auf dem Gebiet der neuen Bundesländer. Am Sonntag um 20 Uhr schließt die Schau.
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Ein Strauß roter Rosen und pure Begeisterung für Renoir
Das Werk des französischen Malers ist noch bis zum Sonntag in den Chemnitzer Kunstsammlungen zu sehen
Chemnitz. Schon weit vor Öffnung um 11 Uhr waren am Freitag die Foyers der Kunstsammlungen mit Besuchern gefüllt. Nur noch bis zum Sonntag kann man die 16-jährige Lise Tréhot "Im Sommer" (1868) oder die erotische "Junge Dame in Schwarz" (1876) bewundern. Dann schließen sich nach knapp vier Monaten die Türen hinter einer wahrhaft an- und aufregenden Ausstellung. Generaldirektorin Ingrid Mössinger ist vom Ansturm der letzten Tage total begeistert: "Bis zu 800 Besucher zählen wir pro Tag. Deshalb öffnen wir bis zum Sonntag auch bis 20 Uhr." Mehr könnten die Kunstsammlungen aufgrund der Begrenztheit der Räume gar nicht verkraften. Doch die Besucher verteilten sich bislang gut über den Tag.
Rund 30.000 Gäste werden bis Sonntag die Ausstellung gesehen haben. Besucher aus 18 Ländern hätten sich ins Gästebuch eingetragen, darunter viele Niederländer. Ebenso gab es reichlich Visiten aus den Nachbarstaaten - und ganz spontan einen Strauß roter Rosen für die Chefin von einer Dresdner Besucherin. Immer wieder habe Ingrid Mössinger die "pure emotionale Begeisterung" bei den Gästen festgestellt. So auch bei Maurice Gourdault-Montagne, dem Botschafter der Republik Frankreich in Deutschland, der sich am 20. Dezember viel Zeit für die Ausstellung nahm.
Die Aufmerksamkeit gilt 90 Gemälden und Grafiken, Meisterwerken aus Privatsammlungen und großen europäischen Museen. Zur Renoir-Ausstellung konnte Chemnitz zeitgleich mit "Samt und Seide" auftrumpfen, einer Schau französischer Luxus-Stoffe aus der Epoche Renoirs. Dazu Ingrid Mössinger: "Diese französische Textilsammlung unsere Hauses im Zusammenhang mit seinen Werken ist von höchster Delikatesse", denn Renoir war vertraut mit der Optik, der Farbe, dem Dekor und der Symbolkraft von Stoffen, stammte er doch aus einer Schneiderfamilie. Weniger bekannt war vor der Ausstellung, dass sich Renoir am 21. Juli 1896 auf der Reise von Paris über Bayreuth nach Dresden - wo er eine Vermeer-Ausstellung mit dem Bild "Bei der Kupplerin" besuchen wollte, zumindest für zehn Minuten seines Bahnstopps in Chemnitz aufgehalten habe.
Als wichtigstes Ergebnis dieser Schau hält Ingrid Mössinger fest, dass sich die Kunstsammlungen Chemnitz mit Renoir "auf Augenhöhe" mit den Sammlungen in Dresden, dort mit den Malern der Neuen Sachlichkeit, und Leipzig mit der Beckmann-Schau präsentieren konnten. "Wir brauchen uns nicht zu verstecken", so ihr Fazit.
Ihre Lieblingsbilder verrät die Sammlungschefin gleichfalls: "Monsier und Madame Bernheim de Villers" aus dem Musée d'Orsay (1910), ein einflussreiches Kunsthändler-Ehepaar: Sie mit Hut im Kleid aus blauer Spitze. Der Herr dahinter macht die Dame nur noch schöner." Und sie favorisiere einen verführerischen Akt, "Die Badende mit blondem, offenen Haar" (1903) aus dem Belvedere in Wien.
Bewährt habe sich der neu eingeführte Kunstbuchhandel, den man auch bei der nächsten Schau ab 28. Februar - "Die Peredwischniki" mit Gemälden aus dem Russischen Museum St. Petersburg und der Tretjakow-Galerie Moskau - beibehalten wollte. Zwei Drittel der Einnahmen des Hauses würden mit dem Handel erzielt, inklusive des Verkaufs der Kataloge. Umso wichtiger sei es, dass dabei Besucher künftig auch mit Kreditkarte zahlen könnten, ein Service, den jede Tankstelle bietet.


