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In diesem Flachbau, zuletzt als private Berufsschule genutzt, werden bis zu 40minderjährige Flüchtlinge untergebracht und betreut.

Foto: Toni SöllBild 1 / 2

Ein neues Zuhause für minderjährige Flüchtlinge

In Helbersdorf hat eines von zwei neuen Häusern für junge Migranten seinen Betrieb aufgenommen. Bei den Eltern der Kita nebenan sorgte das vorab für Diskussionen.

Von Michael Müller
erschienen am 08.03.2016

Helbersdorf. Am Eingang ein abgeschirmter Pförtnerbereich; hinter der Glasscheibe sitzt ein Mann von Wachschutz. Im Treppenhaus und den Fluren kahle, weiße Wände, unterbrochen von grau gestrichenen Türen. Der einzige Farbtupfer bislang: Ein Stundenplan, gedruckt auf knallgrünem Papier - die Termine für die Deutschkurse. Nichts deutet darauf hin, dass hier Kinder und Jugendliche zu Hause sind. Das spartanische Flair erinnert am ehesten an eine Kaserne.

"Das wird schon noch, einiges haben wir bereits bestellt", sagt Georg Rudolph. Der 35-Jährige ist der Leiter dieser erst vor einer Woche bezogenen neuen Unterkunft für minderjährigen Flüchtlinge, die ohne Eltern oder Verwandte nach Deutschland gekommen sind. "Clearinghaus" heißt die von der gemeinnützigen Heim-Gesellschaft betriebenen Einrichtung auf Neudeutsch. Knapp 40 Jugendliche - allesamt Jungs - sind dort untergebracht. Der jüngste ist zehn Jahre alt, die ältesten sind 17. "Die allermeisten kommen entweder aus Afghanistan oder aus Syrien", sagt Rudolph.

Bis Ende Februar waren sie am Rande des Sportforums an der Reichenhainer Straße untergebracht, im einstigen Haus des Sports. Das wird nun, wie seit Jahren geplant, saniert und umgebaut, um es künftig als Internat für Sportschüler nutzen zu können. Auch an ihrem neuen Domizil in Helbersdorf, einem zuletzt als private Berufsschule genutzten zweigeschossigen Komplex aus DDR-Zeiten, gäbe es noch manches zu tun. Das von den Umbauarbeiten gezeichnete Außengelände etwa muss in Ordnung gebracht werden, auch die Fassade macht einen recht in die Jahre gekommenen Eindruck. Zumal im Kontrast zur farbenfrohen Gestaltung des benachbarten Kindergartens.

Vorerst aber geht es den gut zwei Dutzend Mitarbeitern darum, in dem Haus eine möglichst familiäre Atmosphäre zu schaffen. Die Jugendlichen wohnen in kleinen Gruppen, betreut von festen Bezugspersonen. In den Tagesablauf sind sie eng einbezogen. Sie gehen einkaufen, bereiten das gemeinsame Essen vor oder helfen beim Aufbau von Möbeln. Auch bei der weiteren Gestaltung des Hauses sollen die jungen Leute mitmachen. "Das A und O ist aber das Erlernen der deutschen Sprache", betont Sebastian Schmidt, Prokurist der Heim-Gesellschaft. Manche Bewohner belegten zusätzlich fakultative Angebote oder Kurse bei anderen Einrichtungen im Stadtzentrum.

Von der Kita nebenan trennt das Gelände ein Zaun, der mittlerweile teilweise mit einem Sichtschutz versehen ist. Unter den Eltern der dort betreuten Kinder hatte der bevorstehende Einzug der neuen Nachbarn für Diskussionen gesorgt. "Einige sind beunruhigt, andere sehen es eher gelassen", schildert eine Mutter. Immerhin: Noch in diesem Monat soll es für Leute aus der Nachbarschaft ein Angebot geben, das Clearinghaus näher kennenzulernen.

Andere engagieren sich bereits ehrenamtlich, erläutert Heike Steege vom Sozialamt der Stadt. Sportvereine betreuen Fußball-Trainings, Studenten arbeiten als Sprachmittler. "Wir erhalten immer wieder Anfragen: Was können wir tun?"

Auch das Angebot eines Unternehmens, das Ute Spindler, die Kinderbeauftragte der Stadt, Ende vergangenen Jahres erreicht hatte, zahlt sich nun aus: Gestern wurde eine Reihe von Sportgeräten übergeben, an denen sich die Jugendlichen im Haus künftig austoben können. Ein Laufband, ein Basketballkorb, sogenannte Punchingbälle samt Boxhandschuhen. "Ein Glücksfall", sagt Spindler. "Die Jungen brauchen ja etwas zum Austoben."

Wie es dazu kam? "Wir hatten uns im vergangenen Jahr entschieden, mal keine Weihnachtsgeschenke an unsere Kunden zu verschicken, sondern das Geld zu spenden", erläutert Axel Friedrich,Geschäftsführer von Autinity Systems, einem Entwickler von Computerprogrammen für Industriebetriebe. Mit der Anschaffung der Sportgeräte für das Clearinghaus und eine zweite derartige Einrichtung im Stadtzentrum sehe er das Anliegen der Firma erfüllt. "Es geht um Hilfsbedürftige."

 
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Ein neues Zuhause für minderjährige Flüchtlinge
In Obhut des Jugendamts
 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
16
(Anmeldung erforderlich)
  • 08.03.2016
    19:53 Uhr

    Schinderhannes: @ „HolgerLischge“:

    Den inneren Frieden stören Menschen wie Sie mit Ihren volksverhetzenden abstrusen Thesen und wenn Sie vom Neid zerfressen werden. Ausländerhasser wie Sie machen nicht einmal vor Minderjährigen und Kindern halt, welche auf der Flucht aus Kriegs- und Terrorgebieten sind. Wahrscheinlich haben Sie nicht einmal selber Kinder und wenn ja, dann sind Sie ein emotionsloser, empathieloser Klotz.
    Der Handlanger für Rassisten und Faschisten sind Sie, indem Sie die Bedürftigen gegeneinander ausspielen. Für Sie ist ein Kind aus Syrien nicht so „wertvoll“ wie ein Kind aus Deutschland.
    Da Sie von dieser Materie NULL Ahnung haben, kann ich Ihnen versichern, dass sich in unserem Land auch um unsere deutschen Kinder und Minderjährigen gekümmert wird. Nur haben diese zum Glück noch keinen Krieg und keinen Terror erlebt.
    Solchen geistigen Dünn….. wie von Ihnen, habe ich schon lange nicht gelesen.

    10 3
     
  • 08.03.2016
    19:18 Uhr

    SimpleMan: @Deluxe Sie wissen wie hoch das Taschengeld für Asylbewerber ist? Ich kann mir nicht vorstellen, dass darauf einer neidisch ist.

    5 4
     
  • 08.03.2016
    18:58 Uhr

    SimpleMan: @1953866 Es gibt auch vergünstigte Monatskarte für Hartz 4 - Empfänger, wird meistens Sozialticket genannt: http://www.sozialticket-duesseldorf.de/cms/infos
    Bei den Taxifahrten handelt es sich nur um Fahrten zu dem Registrierungszentrum in Chemnitz, dabei handelt es sich ja wohl in erster Linie um ein Organisationsproblem, erst die Asylbewerber zum Bsp. in die Lausitz verteilen und dann in Chemnitz registrieren lassen. Der zweite Grund für die Taxifahrten waren dringende Arztbesuche: www.sz-online.de/sachsen/warum-asylbewerber-mit-dem-taxi-fahren-3316106.html
    Zu dem Bsp. mit der Frau, dann kann ich Ihren Ärger verstehen, aber natürlich versuchen Sie mit diesem Beispiel, die einen Bedürftigen gegen die anderen Bedürtigen auszuspielen.

    4 5
     
  • 08.03.2016
    18:56 Uhr

    Deluxe: In welches Land der Welt kann man denn kommen, irgendeinen Antrag stellen und bevor darüber entschieden ist, ein TASCHENGELD beziehen???
    Einfach so, ohne jede Gegenleistung - nur weil man eben mal da ist.

    Und an dem Punkt beginnt doch schon die Ungleichbehandlung.
    Wenn man bedenkt, welche Klimmzüge der deutsche Normalbürger machen muß, welchen Demütigungen er sich aussetzen muß und wie ihm seine Grundrechte beschnitten werden, wenn er nur ein einziges Jahr seines Lebens arbeitslos war und danach in HartzIV rutscht - egal, wieviele Jahrzehnte er vorher eingezahlt hat und fleißig war.

    Das ist es doch, was die Menschen so auf die Palme bringt - und zwar zu Recht.

    4 8
     
  • 08.03.2016
    17:03 Uhr

    Stefan1: Ist es nicht besser, diese Menschen irgendwie zu integrieren, als wenn das die Salafisten machen. Gerade diese jungen Leute kann man doch noch erreichen, indem man ihnen unsere Grundwerte beibringt. Da mache ich mir eher Sorgen um die älteren Schutzsuchenden. Eins möchte ich aber noch loswerden. Es gibt soviele Sozialschmarotzer unter unseren eignen Mitbürgern, da brauch man hier keine Neiddebatte zu führen.

    4 4
     

 
 
 
 
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