Robert Welker, Steffen Hedrich und Robin Helmert (von links) vom Eisenbahnfreunde-Verein unter der Eisenbeton-Rahmenbrücke.
Foto: Andreas Seidel/Archiv
Eisenbeton-Rahmenbrücke wird abgerissen
Am Freitag unternehmen Eisenbahn-Spezialisten letzten Rettungsversuch bei Denkmalschützern - Viadukt muss wegen Knotenausbaus weichen
Markersdorf. Markersdorf. In der nächsten Woche soll mit dem Abriss der ältesten noch bestehenden Eisenbeton-Rahmenbrücke Deutschlands begonnen werden. Das bestätigte am Dienstag Bernhard Wiedmaier vom Straßenbauamt Chemnitz. Obwohl die Brücke im Claußnitzer Ortsteil Markersdorf unter Denkmalschutz steht, gibt es kein Zurück. "Die Aufnahme der Brücke in das Denkmalverzeichnis von Sachsen erfolgte erst, nachdem der Planfeststellungsbeschluss stand", so Wiedmaier.
Demnach ist vorgesehen, den unübersichtlichen Knotenpunkt B 107/S 241 im Chemnitztal für drei Millionen Euro bis Mai 2011 auszubauen. Damit wird das Nadelöhr zwischen Chemnitz, Burgstädt und Mittweida, was als Bahnnase benannt wird, begradigt. Der Abriss der Brücke über die ehemaligen Bahngleise ist Bestandteil des Vorhabens. "Der Abriss ist wahrscheinlich nicht mehr aufzuhalten", bedauerte am Dienstag Robin Helmert vom Verein der Eisenbahnfreunde.
Gemeinsam mit weiteren Eisenbahn-Spezialisten, Denkmalschutz-Experten und Nachfahren des einstigen Erbauers der Brücke soll am Freitag noch ein letzter Versuch unternommen werden, das Bauwerk zu retten. "Wir wünschen uns auch, dass die Brücke erhalten werden kann", meinte André Kaiser von Landratsamt Mittelsachsen, der Unteren Denkmalschutzbehörde.
Die Bahnnase wird begradigt. Die Brücke ist überflüssig geworden.
Benannt ist die Brücke nach dem französischen Bauingenieur François Hennebique, der 1894 erstmals Brücken aus Stahlbeton konstruieren ließ. Die Markersdorfer Bahnbrücke war im Jahr 1900 von der Leipziger Baufirma Max Pommer errichtet worden. Mit der Stilllegung der Bahnverbindung 2003 wurde die Brücke überflüssig. "Als es darum ging, die Brücke zurückzubauen und eine niveaugleiche Querung der ehemaligen Bahnstrecke zu ermöglichen, wurde aufgrund einer bedauerlichen Fehleinschätzung die Einzigartigkeit der Brücke verkannt und der Denkmalschutz aufgehoben", sagte Martin Tasche vom Institut für Baukonstruktion der TU Dresden.
Das Straßenbauamt hatte der Gemeinde angeboten, die Brücke ohne Verkehrsnutzung stehen zu lassen, doch die Kosten hierfür wollte Claußnitz nicht tragen. Nun wurde ein Kaufinteressent gesucht, der sich des Bauwerkes annimmt. "Aber es hat sich keiner gefunden", bestätigte Wiedmaier vom Straßenbauamt. Das Viadukt könne nach dem Knotenausbau weder von Fußgängern noch von Radfahrern genutzt werden, weil die neue Straßenführung vier Meter tiefer liege.
Als letzten Ausweg hatten die Eisenbahnfreunde versucht, die Erben von Baumeister Max Pommer ausfindig zu machen. Auch die nahmen vom Kauf und der damit notwendigen Unterhaltung des Bauwerkes Abstand. "Ein technisches Bauwerk ist zu einer bestimmten Nutzung errichtet worden und verliert oft seine Daseinsberechtigung relativ rasch mit dem weiteren technischen Fortschritt", sagte Dieter Pommer, der Ur-Enkel der einstigen Baufirmenchefs. Laien würden eher nichts Schutzwürdiges an so einer Brücke finden. Fachleute schon. Er sieht vor allem die Behörden in der Pflicht, das baugeschichtliche Interesse des gesamten Ensembles von Brücke und Museumsbahnhof zu erkennen und deshalb die Brücke zu erhalten.


