Jens Schreiber mit einem Erdgas-Fahrzeug (links) und Alexander Koch, der sein Auto selbst auf Autogas umgerüstet hat.
Foto: Andreas Seidel
Erdgas- und Autogasfahrzeug schneiden im Test gut ab
Ein Limbacher und ein Callenberger wollen hohen Benzinpreisen davonfahren
Limbach-Oberfrohna. Die Zulassungszahlen für Erdgas- und Autogasfahrzeuge in der Region nehmen zu. Der wichtigste Grund dürfte für viele Kunden der niedrigere Preis für den Treibstoff sein. Bis zum Jahr 2018 werden beide Kraftstoffe geringer als Benzin und Diesel besteuert.
Seit einem halben Jahr fährt Jens Schreiber aus Limbach-Oberfrohna einen Caddy Erdgas - und hat den Schritt zum alternativen Treibstoff nicht bereut. "450 Kilometer mit einer Tankfüllung für 27 Euro, das muss mir mal einer nachmachen", sagt Schreiber. Der Geschäftsmann wohnt direkt gegenüber einer Tankstelle, die Preise für Benzin und Diesel kann er jeden Tag aus seinem Fenster beobachten. "Wenn ich die Schwankungen sehe, bin ich froh, dass ich das nicht mehr mitmachen muss." Der Preis für Erdgas bleibe dagegen wochenlang gleich. "In den vergangenen fünf Jahren ist er nur um wenige Cent gestiegen", sagt er. Seit eben diesen fünf Jahren fährt seine Ehefrau Birgit bereits mit Erdgas. "Ansonsten müsste ich mein Gewerbe aufgeben. Bei einem Benzin-Auto würde ich die Hälfte meiner Einnahmen für das Tanken ausgeben", sagt die Hauswirtschaftlerin, die mehrmals pro Woche zu Kunden in ganz Sachsen fährt.
Zur Durchsicht müssen die Schreibers mit ihren Autos alle 30.000 Kilometer - "aber nur zu Händlern, die sich mit Erdgas-Technik auskennen", sagt der Unternehmer. Dass es nur 900 Erdgas-Tankstellen in Deutschland gibt, sehen sie für sich nicht als Problem. "Es ist natürlich eine Organisationsfrage", sagt der Limbacher, dessen VW Caddy einen Nottank für elf Liter Benzin hat. "Man kann nicht gedankenlos losfahren, sondern muss sich bei langen Routen erst im Internet erkundigen, wo es Tankstellen gibt." Auch, dass es in Europa nur in Norditalien und der Schweiz ein ausreichendes Tankstellennetz für Erdgas gibt, stört die beiden offenbar wenig. Zum Urlaub gehe es meist an die Ostsee und bei Fahrten zur Hauptzentrale seiner Firma in Holland tanke er vor der Grenze voll, sagt Schreiber.
Das Tankstellen-Problem hat Alexander Koch nicht. Der Callenberger fährt Autogas und kann bereits an mehr als 6000 Tankstellen deutschlandweit nachfüllen. Findet er mal keine, hat er immer noch den herkömmlichen Benzintank dabei. Denn die Autogas-Tanks werden meist nachgerüstet und in die Reserveradmulde eingebaut.
Der Kfz-Mechaniker ist im Jahr 2006 umgestiegen. Seitdem fährt er das zweite Auto mit Autogas - erst einen BMW, jetzt einen VW Golf 2.0 mit 115 PS. Für ihn sei der niedrigere Preis des alternativen Treibstoffs der Hauptgrund für den Umstieg gewesen. Autogastanks samt Einbau gebe es ab 1800 Euro, sagt Koch, der selbst solche Anlagen in einem Pleißaer Autohaus einbaut. Zudem müsse die Technik alle 20.000 Kilometer gewartet werden - inklusive Gasfilterwechsel koste das 50 Euro.
Bevor er sich selbst für Autogas entschieden hat, habe er mit einem Autogas-Rechner im Internet festgestellt, dass das Geld für eine Autogas-Anlage nach 20.000 Kilometer wieder eingefahren sei, so Koch. In seinen Autogas-Tank passen 50 Liter des flüssigen Treibstoffes. "Einmal volltanken kostet je nach Gaspreis momentan zwischen 35 und 38 Euro", sagt er. Damit komme er knapp 500 Kilometer weit.
Sein VW Golf verbrauche im Durchschnitt zehn Liter Autogas je 100 Kilometer, erklärt er. "Je nach Einstellung verbraucht das Fahrzeug zwischen 10 und 20 Prozent mehr auf Autogas-Betrieb", so Koch. Nachteile habe er für sich keine festgestellt. "Sicherlich kommt man mit einem vollen Diesel-Tank weiter, aber da ich auch noch einen herkömmlichen Benzin-Tank füllen kann, muss ich am Ende seltener zur Tankstelle."
Autobesitzern, die umrüsten wollen, gibt er den Tipp, zuerst beim Hersteller zu fragen, ob das möglich sei. Es könne sein, dass die Garantie bei Neufahrzeugen erlischt.


