Jenny Baude schenkt in der Volksküche im Christophorus-Haus in Burgstädt Kartoffelsuppe an Lolita Erhard, Mio-Elias, Patricius, Simone Hütter und Katyna Clauß aus. (von links)
Foto: Andreas Truxa
Erste Volksküche in Burgstädt
Im Christophorus-Haus gibt es für Bedürftige einmal im Monat eine warme Mahlzeit
Burgstädt. Mit einem ungewöhnlichen Angebot hat der Verein Christophorus-Haus im Familienzentrum in Burgstädt am Dienstag die Besucher verblüfft. Ab 15 Uhr gab es im Café des Zentrums hausgemachte Kartoffelsuppe und Kuchen aus der Volksküche.
Eine Rechnung, wie im Restaurant oder Imbiss, erhielten die Gäste nach dem Verzehr allerdings nicht. Jeder konnte umsonst essen oder sich mit einer kleinen Spende am Selbstkostenpreis beteiligen. "Wir kochen und backen für alle. Jeder ist zum gemeinsamen Essen eingeladen", erklärte die Vereinsvorsitzende Lolita Erhard.
Einmal im Monat soll es dieses Angebot vorerst geben. Die Köche, Ehrenamtliche und junge Leute, die durch das Förderprogramm "Lokales Kapital für soziale Zwecke" im Christophorus-Haus eine Aufgabe gefunden haben, müssen keinen Gewinn erwirtschaften. Es solle ein Ort geschaffen werden, an dem die Menschen Gelegenheit haben, gemeinsam zu essen, miteinander zu schwatzen und Kontakte zu knüpfen, so Erhard.
Mut zu diesem neuen Projekt macht der Erfolg des Gib-und-Nimm-Ladens. Der erste Laden in Sachsen, in dem jeder Sachen und Dienstleistungen kostenlos anbieten und erhalten kann, war vor einem Jahr im Familienzentrum an der Chemnitzer Straße 97 eröffnet worden. Auch der Laden war mit einem Öffnungstag in der Woche gestartet. Inzwischen ist der nur etwa zehn Quadratmeter große, nicht direkt beheizbare Raum von montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr geöffnet.
Mundpropaganda habe schnell dafür gesorgt, dass es laufe, so Erhard. Damit sei das Ziel erreicht, Menschen zusammen zu bringen, die geben und nehmen und die oft zugleich Gesprächspartner suchen. Sogar bei eisigen Wintertemperaturen kommen etwa zehn Leute pro Tag. "Vor allem Burgstädter, zunehmend aber auch Menschen, die mit Bus oder Bahn aus Penig oder Chemnitz kommen", sagt Erhard.
Nichts, was gebracht werde, liege oder stehe lange in den Regalen. Zu den Rennern zählen derzeit Winterbekleidung, Schlittschuhe und Skier für Kinder sowie Bücher, CDs, und Videos. Uhren, Modeschmuck, Geschirr, Küchengeräte, Lampen und Unterhaltungselektronik gehören ebenfalls zu den Dingen, die oft schon nach wenigen Stunden einen neuen Besitzer gefunden haben.
Rege genutzt werde zudem die Pinnwand, so Erhard. Darüber werde vermittelt, was sich nicht im Laden unterbringen lasse. Das können Möbel ebenso sein wie Hilfen bei der Kinderbetreuung oder bei Arbeiten im Haus und Garten. Helfer aus dem Christophorus-Haus springen oft ein, wenn Transporte übernommen oder kleine Reparaturen ausgeführt werden müssen.
Weil im Laden das Teilen nach dem Prinzip des Gebens und Nehmens gut funktioniere, solle nun das Angebot um Essen und Lebensmittel erweitert werden. Die Volksküche ist der Anfang. Lebensmittel für den Verbrauch in der eigenen Küche könnten hinzu kommen. "Doch dazu brauchen wir die Großmärkte und Gemüsehändler", sagt Erhard. Vieles, was noch in den Abfallcontainern landet, würde sie gern an Bürger geben, die es für die Zubereitung von Mahlzeiten verwenden.
"Aus einfachen Zutaten kann Leckeres werden", versichert Simone Hütter. Beim Kochen und Backen für die Volksküche hat die ehrenamtliche Mitarbeiterin Kartoffeln, Möhren und Kürbisse aus der Ernte des Herbstes verwendet. Einen Teil davon hatte ein Burgstädter Anbaubetrieb verschenkt. Die ersten Gäste reagierten jedoch auf den Kürbiskuchen erst einmal skeptisch. Doch die intensive gelbe Farbe, die vom pürierten Kürbis im Rührkuchenteig komme, habe zum Probieren verführt, so Hütter. "Den meisten hat es geschmeckt, einige waren begeistert und wollten das Rezept."
Service
Die Volksküche im Christophorus-Haus in Burgstädt, Chemnitzer Straße 97, hat das nächste Mal am 7. März und weiter mindestens einmal im Monat geöffnet. Telefon 03724 832056.



15:02 Uhr
Matthias1: Wie vor 100 Jahren: Heinrich Zille lässt grüßen. Wir haben wieder SUPPENKÜCHEN. Sieben Jahre Rot-grün und weitere vier Jahre mit Sozialministern wie Müntefering und Scholz haben dafür gesorgt, dass Menschen zum Nichtverhungern wieder auf Suppenkürchen angewiesen sind. Eine auskömmliche Sozialhilfe wurde von der SPD abgeschafft. Nun gibt es wieder Almosen und die Arbeitslosen sind wieder Bittsteller, die sich auch an religiöse Hilfsdienste anschmieren müssen, um etwas zu essen zu bekommen. Wohin sind wir geraten? Wo ist der zivilisatorische Fortschritt des Sozialstaats der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geblieben? War das nur eine Episode?