Entlang der Auerswalder Hauptstraße müsste Benedikt Döll täglich 2,5 Kilometer laufen, um den Bus zum Frankenberger Gymnasium zu erreichen. Viel zu gefährlich, ohne Fußweg - findet die Mutter und legte Widerspruch ein. Der brachte jetzt Erfolg. Ab Montag fährt eine zweite Linie, in die der Zwölfjährige umsteigen kann.
Foto: Sven Gleisberg
Frankenberger Gymnasiast muss Schule nicht wechseln
Schüler sollte Anfang der siebten Klasse nach Burgstädt wechseln
Auerswalde/Frankenberg. Als Benedikt Döll aus Auerswalde sich vor drei Jahren entscheiden musste, welches Gymnasium er künftig besucht, fiel ihm die Entscheidung nicht schwer. "Ein Großteil meiner Klasse wollte nach Frankenberg. Meistens waren schon andere Kumpels dort", sagt der Zwölfjährige. "Inzwischen hat er sich gut eingelebt", sagt Mutter Silke Döll.
Doch als sie im Juli erfahren habe, dass der Schulbus nicht mehr unweit ihres Hauses an der Auerswalder Hauptstraße hält, war sie erst mal schockiert. "Bis zur nächsten Busverbindung ins Oberdorf sind es etwa 2,5 Kilometer. Außerdem fehlt an einer Seite immer der Fußweg", erklärt sie. Diesen unsicheren Schulweg wollte sie ihrem Sohn nicht zumuten. Also legte sie Widerspruch ein und bat um Hilfe in der Gemeindeverwaltung.
Bis Dienstag erhielt sie keine Antwort vom Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS), der seit 2011 für die Landkreise Mittelsachsen, Erzgebirge und Zwickau für die Schülerbeförderung zuständig ist. VMS-Sprecherin Silke Dinger sagte auf "Freie Presse"-Nachfrage, dass das Verkehrsunternehmen - also die Firma Regiobus - die nötigen Informationen an die Schule gebe. Sie erklärte den Grund für die Einsparungen. "Wir haben alle Fahrten des Schülerverkehrs europaweit ausgeschrieben." Maßgebend seien vertretbare Kosten. So fahre kein Schülerverkehr, wenn es reguläre Busse oder Bahnen zur nächstgelegenen Schule oder es einen geringeren Aufwand zur Beförderung gebe. Das heißt: Ein Schülerverkehr zwischen Auerswalde und Frankenberg kann ab neuem Schuljahr nicht mehr gewährleistet werden. Eine Linie zwischen Auerswalde und Burgstädt sei aber vertretbar.
Hilfe und eine Antwort bekam Silke Döll inzwischen von der Gemeinde. CDU-Kreistagsabgeordneter Stephan Lazarides und Bürgermeister Michael Pollok (parteilos) hatten Gespräche mit den zuständigen Behörden geführt. "Es ist doch gut, dass sich unsere Kinder aussuchen können, wo sie zur Schule gehen", sagte Bürgermeister Pollok. Verbindungen gebe es nach Mittweida, Frankenberg, Chemnitz und Burgstädt. Man könne es doch einem Kind nicht zumuten, dass es aus dem Klassenverband gerissen werde, bloß weil die Busverbindung nicht mehr klappt.
Schließlich wurde ein Kompromiss erzielt. "Die Schülersonderlinie 601 wird ab 10. September von Wittgensdorf-Ortseingang über Auerswalde- Sonnenland, Auerswalde-Unterdorf, Erbgericht, Gemeindeverwaltung Fleischerei, Gärtnerei, Oberdorf und Einkaufsmarkt und zurück fahren", erklärte Dinger. An der Haltestelle Einkaufsmarkt könnten die Schüler in die Linie 615 nach Frankenberg umsteigen.
Silke Döll reagierte erleichtert auf den Kompromiss: "Ich freue mich, dass der Verkehrsverbund doch noch eingelenkt hat", sagte sie. In der ersten Schulwoche habe sie bisher mit Großeltern, anderen Eltern und ihrem Mann den Transport ihres Sohnes übernommen. Die Wartezeit von zehn Minuten bis zur Weiterfahrt mit der Schülersonderlinie 615 nach Frankenberg am Einkaufsmarkt in Auerswalde sei akzeptabel, erklärte sie. Allerdings bleibt sie skeptisch. "Ich habe weder einen offiziellen Bescheid, noch weiß ich, ob der Rücktransport am Nachmittag auch gewährleistet ist", ergänzte sie. Auf "Freie Presse"-Nachfrage erklärte VMS-Sprecherin Dinger, dass der Rückweg für die Kinder auch gegeben sei. Das Umsteigen am Einkaufsmarkt von der Linie 615 auf die Linie 601 sei jetzt schon möglich, sagte sie. Die Schülerverbundkarte gelte im gesamten VMS-Gebiet.
Kritik an der Schülerbeförderung äußert auch Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU): "Es besteht freie Schulwahl. Und die Eltern entscheiden sich doch für unsere Schulen, weil diese eine gute Qualität der Bildung liefern", erklärt Firmenich. Der Bildungsstandort Frankenberg sei mittlerweile anerkannt. Mehr als die Hälfte aller Schüler des Martin-Luther-Gymnasiums komme von außerhalb. Da gehöre auch ein gut funktionierender Schülertransport dazu, fügt er hinzu. (mit ule)


10:11 Uhr
winnipuh771: Ich denke es ist einfach traurig nach welchen Kriterien beim VMS entschieden wird. Schülerfreundlich ist es schon lang nicht mehr. Wirsind selbst Betroffene und kämpfen um einen Schülertransport für unsere Tochter. Auch wenn der vorliegende Fall zu unserem Fall im konkreten etwas anders ist, ist es als Eltern schlimm, wenn man sein Kind aufgrund gesundheitlicher Probleme auf eine andere Schule nach sorgfältiger Auswahl geben muss. Zum Kommentar von HorrorBeetle: nein heut ist es auch nicht mehr so, dass selbst wenn an einen Anspruch hat diesen auch bekommt. Nein es kommen Aussagen, "was ihr Kind für Probleme hat interessiert uns nicht" . Es wird einem nahe gelegt das es doch die elterliche Entscheidung war das Kind auf eine andere Schule zu geben, und das Kind doch die nächstgelegene Schule (die Schule welche dem Kind nicht annähernd gerecht werden konnte) besuchen sollte. Obwohl der VMS weiß was sie in ihrer Satzung stehen haben entscheiden sie willkürlich ohne Rücksicht. Selbst amtsärztliche Forderungen werden rigoros mißachtet. Ich selbst fahre mein Kind selbst jeden Tag zur Schule. Und auch wenn es am Ende Steuergelder sind, es sind Gelder die für Leute gedacht sind die den Anspruch haben und benötigen und ja doch nicht bekommen! Selbst Verbundkarten werden nach Kilometer abhängig gemacht, was ich nicht anprangere. Jedoch wenn man fragt, wie der VMS auf die Kilometer kommt, bekommt man zur Antwort das es nach Googlemaps berechnet wird. Schaut man sich die Strecke vor Ort an, stellt man fest das der errechnete Schulweg vom VMS an starkbefahrenen Hauptstraßen langfährt, die noch nicht mal über einen Fußweg verfügen! Es ist traurig auf wessen Kosten heutzutage eingespart wird!
17:04 Uhr
KarlChemnitz: Nach der Lektüre dieses Beitrages wird mir überhaupt erst mal bewusst, welches Glück es für mich war, als Schüler überlebt zu haben. 12 Jahre lang bin ich jeden Tag ca. 4 km zur Schule gelaufen. Was da alles hätte passieren können. Lieber Gott, ich danke Dir dafür, dass ich noch lebe.
14:39 Uhr
HorrorBeetle: Grund hierfür ist nicht fehlendes Geld - der Staat zahlt alles, wenn man einen Anspruch darauf hat, sondern eine neue Satzung, die auf die "nächstgelegene Schule" abstellt.
Kein Anspruch - keine Beförderung.
Ich glaube die Verbindung, die da war, war ein Taxi und wie teuer so ein Taxi Tag für Tag ist, kann man sich selbst ausmalen.
Das sind unsere Steuergelder!
Mein Kind wird auch nicht mit dem Taxi zur Schule gebracht, nur weil es 2,5 km laufen muss!!!
13:48 Uhr
schnellleserin: ChemB - eben ein funktionierendes und berechenbares ÖPNV-System - gabs nicht letztlich auch bei Grüna oder so ähnliche Probleme?
Menschen suchen sich ihre Wohnorte auch nach bestimmten Gegebenheiten aus - weil da eine Schule in der Nähe steht oder der ÖPNV vor der Haustür ist, der einen da hin bringt, wo man hin will.
Okay - das Schulen keine Konstante sind, daran haben wir uns gewöhnt, wenngleich wir nicht zufrieden sind. Aber wenn der ÖPNV dann auch noch unzuverlässig wird, wirds böse.
12:51 Uhr
ChemB: @schnellleserin - hier ist die Situation aber so, dass 3 Jahre lang eine Busverbindung da war und man sich vor 3 Jahren für dieses Gym entschieden hat. Ist ja nicht so, dass der Junge jetzt erst da hin will. Und nur weil eben jetzt "auf einmal" kein Geld mehr da ist, soll der Junge umschulen?