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Ab März bleibt der Geburtensaal im Krankenhaus Hartmannsdorf geschlossen. Grund: Kinderärzte können nicht mehr die Bereitschaft absichern.

Foto: A. Seidel Bild 1 / 3

Geburtsklinik in Hartmannsdorf schließt Ende Februar

Knapp 300 Babys haben jährlich das Licht der Welt im Diakomed-Krankenhaus erblickt. Jetzt steht das Aus bevor. Und das hat mehrere Gründe.

Von Bettina Junge
erschienen am 17.01.2017

Hartmannsdorf. Vor einem Jahr hatte Maher El Kaissi als Chefarzt die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Hartmannsdorfer Krankenhaus übernommen. Der gebürtige Libanese kam vom Stollberger Krankenhaus, das wegen fehlender Hebammen die Geburtsklinik schließen musste. Nun ereilt ihn das gleiche Schicksal in Hartmannsdorf. Zum 28. Februar schließt die Geburtshilfe, bestätigte Geschäftsführer Stephan Lazarides.

"Wir können die kinderärztliche Rufbereitschaft nicht mehr absichern", ergänzte er. Nach zehn Jahren der Kooperation mit dem DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein sei der Vertrag Ende 2016 gekündigt worden. Trotz intensiver Bemühungen sei es nicht gelungen, eine alternative Rufbereitschaft zu finden. Warum das Krankenhaus in Rabenstein die Kooperation aufgekündigt hat, ließ das Chemnitzer Haus gestern unbeantwortet. "Wir geben keine Stellungnahme dazu ab", sagte Sprecherin Sandra Schlömer.

Auch von anderen Krankenhäusern erhielt die Hartmannsdorfer Klinik eine Absage, so auch vom Klinikum Chemnitz: "Wir betreuen Hochrisiko-Schwangere und -Neugeborene", sagte Sprecher Uwe Kreißig. Ein Baby-Notarzt-Dienst arbeite rund um die Uhr und übernehme die Fälle aus allen Geburts- und Kinderkliniken im Bereich des Regierungsbezirks Chemnitz. Würde man die Dienste in Hartmannsdorf übernehmen, sei die Einsatzfähigkeit bei Risikosituationen in allen Krankenhäusern der Region Südwest-Sachsen gefährdet, so Kreißig.

Die zusätzliche Rufbereitschaft könne aufgrund der Arbeitsbelastung und personellen Situation nicht abgesichert werden - "dies haben wir immer wieder gehört", sagte Lazarides. Diese Antwort bekam auch der Burgstädter Kinderarzt Heinz Grimm, der seit 1998 die Bereitschaft jeweils 14-tägig für die Geburtshilfestation leistet. Der 59-Jährige habe sich gewünscht, dass ein Kollege im Wechsel die Bereitschaft übernimmt. "Die Schließung ist für uns alle und die Region bitter", sagte Grimm. Für ihn sei der Beruf eine Berufung. Eine Diakonie-Einrichtung habe da noch eine besondere Verantwortung. In einem Krankenhaus sollten alle Fälle von der Geburt bis zum Lebensende behandelt werden. Es sei nicht hinnehmbar, dass nach dem Aus der Geburtskliniken in Frankenberg und Rochlitz jetzt auch noch Hartmannsdorf schließe. Grimm wollte seine Praxis ins Krankenhaus verlagern, damit immer ein Arzt vor Ort ist. Jetzt werde er noch bis Ende Februar als alleiniger Kinderarzt die Bereitschaft absichern. In der Regel werde er bis zu achtmal pro Monat gerufen, "wenn es Komplikationen bei der Geburt gibt - beispielsweise bei einem Kaiserschnitt", sagte Grimm. Das übernehme er neben seiner Praxis gern. "Es ist auch Abwechslung in meinem Berufsalltag, der Kontakt zu einer Klinik ist wichtig." Andere befragte Kinderärzte äußern sich nicht zu ihren Absagen.

Betroffen von der Schließung sind zehn Hebammen und drei Ärzte, so Chef Lazarides. Die Mitarbeiter seien gestern über betriebsbedingte Kündigungen informiert worden. In nächsten Schritten soll individuell vereinbart werden, ob Betroffene in anderen Bereichen weiterarbeiten oder über Vorruhestands- bzw. Abfindungsregelungen entlassen werden. Zudem werde versucht, die Ausbildung eines Lehrlings am Klinikum weiterzuführen. Ein Anwalt prüfe die Entlassung von drei Ärzten. André Urmann von der Gewerkschaft Verdi hörte gestern erstmals von den Schließungsplänen. Aber angesichts des Fachkräftemangels hätten Krankenschwestern, Pfleger und Hebammen eine gute Chance, wieder Arbeit zu finden, ergänzte er.

"Es tut uns weh", sagte El Kaissi. Nach seinem Amtsantritt vor einem Jahr hätte sich die Anzahl der gynäkologischen Eingriffe auf über 300 Fälle erhöht. Im Jahr 2015 seien es 201 gewesen. Diese Arbeit werde weiter Schwerpunkt in Hartmannsdorf sein, versicherte El Kaissi. Ein Kern-Team von sechs bis sieben Kollegen übernehme die Arbeit. Laut Lazarides werde die Bettenzahl in der Frauen- und Geburtsklinik von 25 auf 15 reduziert. Doch die Gesamt-Anzahl der Betten von 230 bleibe erhalten. Andere Bereiche würden aufgestockt. Seit 16 Jahren sinkt die Anzahl der Geburten in Hartmannsdorf: Waren es 2000 noch 544 Geburten, so wurde 2016 mit 245 ein Tiefpunkt erreicht. Wirtschaftlich sei das noch zu vertreten gewesen, indem es von anderen Kliniken subventioniert wurde.

Einen Rückgang an Geburtskliniken verzeichnet auch die Krankenhausgesellschaft Sachsen. Neben Hartmannsdorf gibt es in Mittelsachsen nur noch Kliniken in Mittweida, Leisnig und Freiberg. Geschlossen wurden die Standorte Rochlitz und Frankenberg. Der Geburtenrückgang habe auch die Anzahl der Kinderärzte mit sich gezogen, weil diese Fachrichtung beim Medizinstudium aufgrund der demografischen Entwicklung nicht mehr so attraktiv sei, sagte Geschäftsführer Dr. Stephan Helm. Der Kampf um die Fachkräfte stelle oftmals die Krankenhäuser im ländlichen Raum vor Probleme. Hohe Qualitätsanforderungen und Bereitschaftsdienste seien zusätzliche Hürden, sodass niedergelassene Ärzte sich scheuen würden, in einer Klinik Dienste zu übernehmen.

 
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