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Sabine Eisfeld will sich mit dem Neubau der Stromleitungen vor ihrem Haus nicht abfinden.

Foto: Andreas Seidel Bild 1 / 2

Geplante Stromleitung sorgt in Röhrsdorf für Ärger

Die 50 Jahre alte Trasse soll einem Neubau weichen. Doch über den künftigen Verlauf haben Betreiber und Anwohner sehr unterschiedliche Vorstellungen.

Von Jürgen Werner
erschienen am 21.04.2017

Röhrsdorf. Gewöhnt hat sich Sabine Eisfeld an das Knistern und Brummen nie. Als Tagesmutter betreut die 46-Jährige regelmäßig fünf Kinder in ihrem Haus an der Löbenhainer Straße. In nur 20 Metern Entfernung verläuft eine 220-Kilovolt-Hochspannungsleitung, die Strom ins mehr als 100 Kilometer entfernte thüringische Remptendorf transportiert. ,,Bei Kälte oder wenn die Isolatoren nicht richtig funktionieren, was schon öfter vorkam, ist der Lärm besonders schlimm", sagt sie.

Eisfeld und andere Röhrsdorfer, die in der Nähe der Masten wohnen oder arbeiten, blicken nun gespannt auf das kommende Jahr. Denn 2018 will die Bundesnetzagentur aller Voraussicht nach über die Trassenführung einer neuen 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung entscheiden, die die derzeitige ersetzen soll. Laut Dirk Manthey, Sprecher des Netzbetreibers 50 Hertz, sollen auf diese Weise künftig 40 Prozent mehr Strom transportiert werden können. Dies sei im Zuge der Energiewende notwendig. Die alten Masten sollen im Anschluss abgerissen werden.

Für die Ortslage Röhrsdorf sind dabei zwei Varianten im Gespräch. Die erste orientiert sich im Wesentlichen an der bisherigen Trasse, die vom Umspannwerk Röhrsdorf aus Limbach-Oberfrohna nördlich passiert, in Niederfrohna die Limbacher Straße überquert und weiter an Bräunsdorf vorbei nach Westen führt. Bei Variante zwei würden die Stromleitungen Röhrsdorf hingegen in südliche Richtung verlassen und zunächst der Autobahn 4 folgen. Nachdem der südlichste Punkt bei Wüstenbrand erreicht ist, erfolgt dann ein Richtungswechsel nach Nordwesten, vorbei an Callenberg, Chursbachtal und Langenchursdorf. An einem Punkt bei Uhlsdorf führen die Planungen wieder zusammen.

Welche der beiden Alternativen für die betroffenen Röhrsdorfer in Frage kommt, ist eindeutig. Die südliche soll es sein, ohne Wenn und Aber. "Der gesamte Bereich dieser Trassenführung liegt weit abseits von Wohnbebauungen. Das würde zu einer entscheidenden Verbesserung der Lebensverhältnisse der Einwohner von Röhrsdorf führen", sagt Ortsvorsteher Hans-Joachim Siegel. Zudem gebe es entlang der A4 bereits zwei 220 KV-Leitungen. ,,Dazwischen bestand eine dritte, die vor einigen Jahren abgerissen wurde. In diesem Raum könnte die neue 380-KV-Leitung ohne Schwierigkeiten errichtet werden. Somit wären die Trassen sinnvoll gebündelt", so Siegel. Der Ortsvorsteher und Stadtrat (Linke) hält die Nordvariante darüber hinaus auch rechtlich für unzulässig. Siegel bezieht sich dabei auf das Bundes-Immissionsschutzgesetz. Demnach dürfen seit August 2013 Stromleitungen mit einer Nennspannung von 220 Kilovolt oder mehr, die in einer neuen Trasse errichtet werden, keine Gebäude oder Gebäudeteile mehr überspannen, die zum dauerhaften Aufenthalt von Menschen bestimmt sind, wie es darin heißt. ,,Genau das trifft in diesem Fall zu", so Siegel.

Bei 50 Hertz sieht man das allerdings anders. ,,Trassen, in denen schon Überspannungen existieren, können bestehen bleiben. Diese Regelung würde auch für die Leitungsführung im bestehenden Korridor greifen", sagt Manthey. Das Unternehmen hat beide Varianten anhand verschiedener Kriterien miteinander verglichen. Das Ergebnis: Die nördliche Route kommt etwas besser weg. Ins Gewicht fallen vor allem die um vier Kilometer kürzere Strecke und weniger Eingriffe, die den Naturschutz betreffen. So berühre die südliche Variante unter anderem mehrere Vogelschutzgebiete. In trockenen Tüchern sei allerdings momentan noch nichts. Vielmehr plane die Bundesnetzagentur, die Unterlagen für den sächsischen Teil der neuen Trasse, die Anfang 2018 fertig sein sollen, vor der Entscheidung öffentlich auszulegen. Bürger könnten dann Einblick in sämtliche Dokumente nehmen und weiterhin Stellungnahmen abgeben.

In Röhrsdorf haben dies der Ortschaftsrat, aber auch mehrere Bürger bereits getan. Dazu gehört Sabine Eisfeld, die als Tagesmutter vor allem das Wohlbefinden des Nachwuchses im Sinn hat. "Es besteht die Chance, künftige Generationen zu entlasten." Sie appelliert, zugunsten der Kinder zu entscheiden. Unterstützung erfahren die Röhrsdorfer von der Landesdirektion, die sich ebenfalls für die Südvariante ausgesprochen hat. "Im Vergleich zur Bestandstrasse könnte damit ein größerer Abstand zu Siedlungsflächen erreicht werden", so ein Sprecher.

Bis die ersten Bagger anrücken, wird es auch nach der Trassenfindung noch eine Weile dauern. Gebaut werden soll die neue Stromleitung im Zeitraum von 2022 bis 2025. Die Kosten werden auf etwa 140Millionen Euro geschätzt.

 
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