Kindergruppe mit "Hilfepunkt"-Logo Kinder aus Crimmitschau haben im vergangenen Oktober an einer Sparkassenfiliale einen "Hilfepunkt" angebracht. Die Aktion soll jetzt auch in Limbach-Oberfrohna starten.

Foto: Andreas Wohland/Archiv

Geschäfte mit "Hilfepunkt" sollen Kindern Zuflucht bieten

Mit der Aktion will das Landratsamt den Schutz der Kinder erhöhen

Limbach-Oberfrohna. Limbach-Oberfrohna. Wenn Kinder den Aufkleber mit dem Schriftzug "Hilfepunkt" sehen, sollen sie sofort wissen, dass sie dort im Notfall einen Ansprechpartner finden. Dafür will die Jugendamtsmitarbeiterin Stefanie Fritzsche vom Landratsamt Zwickau werben - in Grundschulen und Kindergärten. Allerdings nicht persönlich, "dafür ist der Landkreis zu groß", sagt sie. Stattdessen sollen die Einrichtungen eine DVD zugesandt bekommen, die die Erzieher mehrmals den Kindern vorspielen sollen.

Die zweite Voraussetzung für den Erfolg der Aktion: Viele Ladeninhaber müssen den Aufkleber an ihre Fenster kleben. Das Interesse dafür scheint vorhanden. "Wir stehen der Aktion offen gegenüber", sagt Carmen Eckebrecht, Vorsitzende des Limbacher Handels- und Gewerbevereins, der knapp 50 Händler vertritt. Zwar sei es selbstverständlich, dass Kinder in den Geschäften jederzeit Hilfe bekämen. Aber wenn durch den Aufkleber das Vertrauen gestärkt werde, dann müsse man die Aktion unterstützen. Viele der Mitglieder würden genauso denken.

Eine kleine Hürde müssen die Limbacher Händler allerdings noch nehmen: Ein polizeiliches Führungszeugnis ist nötig, bevor sie den Aufkleber und eine Mappe mit wichtigen Telefonnummern für den Notfall erhalten. "Wir müssen den Eltern garantieren, dass die Teilnehmer eine lupenreine Weste haben", begründet Stefanie Fritzsche.

Die Gewerbetreibenden wollen den Aufwand dafür verringern: "Wir haben bei der Stadt angefragt, ob wir für alle Teilnehmer die Führungszeugnisse zusammen bestellen können", sagt Eckebrecht. Diesen Wunsch wird man im Rathaus allerdings nicht erfüllen können. "Laut Artikel 30 des Bundeszentralregistergesetzes ist es erforderlich, dass man für die Beantragung persönlich im Bürgerbüro erscheinen muss", begründet eine Sprecherin. Stefanie Fritzsche weist aber darauf hin, dass die Gebühr für das Führungszeugnis wegen des ehrenamtlichen Engagement der Teilnehmer entfalle.

Auch bei der jüngsten Limbacher Stadtratssitzung wurde die Einführung der "Hilfepunkte" diskutiert: Bürgermeister Lothar Hohlfeld begrüßte die Idee: "Auch wenn das Projekt nicht geeignet ist, Defizite in der Strafverfolgung auszugleichen, ist es doch ein wichtiges Angebot der Prävention." Man wolle das Informationsmaterial gern an Kitas und Schulen weiterreichen. Skeptisch zeigte sich Dieter Bachmann (CDU). Er wollte durch Zahlen belegte Erfolge nachgewiesen haben. Diese konnte Stefanie Fritzsche allerdings nicht vorlegen. Seit dem Start im Jahr 2007 habe es keinen schlimmen Fall gegeben, dass sich ein Kind beispielsweise wegen der Gefahr des sexuellen Missbrauchs gemeldet habe. Bisher seien das nur kleine Sachen gewesen wie die Bitte um ein Pflaster oder die Frage nach einer Toilette. "Aber nur weil es keine 200 Fälle mit großen Problemen gab, kann ich nicht sagen, ich brauche das Projekt nicht", so Fritzsche.

Ein Großteil der Stadträte sah das genauso. So erklärte der FDP-Fraktionsvorsitzende Konrad Felber: "Man muss nicht alles zerreden. Es ist wichtig, die Hemmschwelle zu senken. Denn Eltern erklären ihren Kindern, sie sollen nicht zu Fremden gehen, aber in einem Notfall ist das wichtig."

Außerhalb des Landkreises bieten die Kommunen ihren Geschäften ähnliche Projekte an. Vorreiter ist die Stadt Chemnitz, die sich im Jahr 2006 für die Aktion "Gute Fee" entschied. Dass sich die umliegenden Städte andere Projekte gewählt haben, stört die Kinderbeauftragte Karin Genkel. "Besser wäre gewesen, dass die Kinder überall das gleiche Symbol wiederfinden würden", sagt sie.

Das will die Zwickauerin Stefanie Fritzsche zwar nicht bestreiten. Das Landratsamt habe die "Hilfepunkte" allerdings deshalb selbstständig entwickelt, weil die Kommunen bei anderen Projekten Gebühren an die Träger abführen müssten.

 
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Geschäfte mit "Hilfepunkt" sollen Kindern Zuflucht bieten
172 Teilnehmer im Landkreis
 
erschienen am 03.04.2012 ( Von Christian Mathea )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
(Anmeldung erforderlich)
  • 06.04.2012
    18:07 Uhr

    Matthias1: Ein ziemlicher Unsinn ist diese Idee: Da beantragt dann also jemand einen solchen Aufkleber und legt ein Führungszeugnis vor. Und dann gilt er so lange, wie dieser Aufkleber klebt als "lupenreiner Kinderfreund". Wenn er anschließend etwas anstellt, ist das Landratsamt natürlich nicht in der Lage, den Aufkleber wieder einzusammeln - denn das würde Aufwand und Kontrolle bedeuten. Noch schlimmer: In der arbeitsteiligen Wirtschaft beantragt der Geschäftsführer den Aufkleber, er selbst ist auch "sauber". Morgen aber wird einer Angestellten zum Gewalttäter. Aber der Aufkleber bleibt kleben?

    Wie kann eine Behörde sich für einen solchen Persilschein hergeben, wenn niemand überwachen kann, ob und inwiefern er zu Recht erteilt wurde. Das Ganze klingt wie ein Beschäftigungsprogramm für gelangweilte Kommunalverwaltungen.

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  • 04.04.2012
    13:48 Uhr

    ChemB: So richtig verstehe ich das Projekt nicht - sind unsere Kinder so gefährdet, dass man denen Anlaufstellen geben muss? Das Kinder nicht zu Fremden ins Auto steigen - klar - aber einem Menschen in einer Notlage nach Hilfe fragen, da brauche ich keinen Aufkleber - dies verwirrt meiner Meinung nach die Kinder. Was ist wenn man keinen Laden mit dem Aukleber findet oder der geschlossen ist - darf man dann in den Laden nebenan ohne Aufkleber fragen. Ist dann der Mann im Getränkeladen, der keinen Aufkleber hat automatisch ein "Böser"?

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