Auch dieses Seemannsgrab nimmt Jan Kummer mit nach Hamburg. Es entstand vor Jahren zum Thema "Wasserwerk" und stand bereits am Schloßteich. "Jetzt kommt es endlich in eine maritime Gegend, an einen Ort, wo es hingehört", sagt Kummer.
Foto: Andreas Seidel
Hamburg importiert Chemnitzer Kunst
Jan Kummer will in der Hansestadt zeigen, wie reich die Chemnitzer Kulturszene ist
Chemnitz. Jan Kummer malt nicht nur, er ist jetzt auch ins Exportgewerbe eingestiegen. Und zwar exportiert er die halbe Chemnitzer Kulturszene nach Hamburg. Dort sollte er eigentlich nur eine Ausstellung haben. Aber er wollte ein Begleitprogramm dazu auf die Beine stellen. "Was liegt da näher, als gleich sein gesamtes Umfeld mitzubringen? Der Export ist schließlich eine sächsische Tugend", sagt der Künstler.
Vom 12. bis 26. Mai ist seine Ausstellung "Inflationsheilige und Kohlrabi Apostel" im Westwerk, einem Kulturzentrum im Herzen der Hansestadt, zu sehen. 20 bis 30 Exponate - Malerei und Skulpturen - wird der 47-Jährige zeigen. "Inflationsheilige waren obskure Wanderprediger zwischen den Weltkriegen, die mit ihren Heilsversprechen enorm viele Menschen um sich scharten", erklärt Kummer. Weil sie auch den Vegetarismus propagierten, sei auch der Begriff "Kohlrabiapostel" aufgekommen. Da sich die Welt auch heute in einer wirtschaftlichen Krise befindet, habe es ihn gewundert, dass solche Tendenzen kaum zu spüren seien.
Als Begleitprogramm zur Ausstellung betreten jeweils an drei Samstagen Chemnitzer Musiker, DJs und Filmemacher die Bühne des Westwerkes. "Chemnitz muss sich da nicht verstecken. Wir können richtig auf den Putz hauen", kündigt Kummer an. Die Chemnitzer Kulturszene könne es sich leisten, mit hoch erhobenem Haupt nach Hamburg zu reisen. Darum heißt das Projekt auch "Chemnitzer zeigen's Hamburg". Gemeinsam mit dem Verein, der den Club Atomino betreibt und bei dem Kummer im Vorstand sitzt, hat er ein Programm erstellt, das er "Chemnitzer Leistungsschau" nennt.
Dieses Gemälde zeigt Kummer in der Ausstellung "Inflationsheilige und Kohlrabiapostel".
Foto: Kummer
Im Schlepptau wird Kummer die Band Suralin, eine bisher noch nicht in Erscheinung getretene Band namens Die Kosmonauten und mehrere DJs, meist bekannt aus dem Atomino, haben. Weiterhin reisen die Rock-'n'-Roll-Band Reverend Elvis & Shadow, der Elektromusiker Olaf Bender, alias Byetone und Gründer des Labels Raster-Noton nach Hamburg. Und nicht nur Musiker gehören zu Kummers Exportangebot. Der Regisseur Olaf Held zeigt seinen Kurzfilm "Daheim". Am letzten Samstag zeigt Carsten Gebhardt eine Vor-Premiere seines Dokumentarfilms "Von Fröschen und Träumen - Die AG Geige" über das gleichnamige Bandprojekt, an dem auch Jan Kummer und Olaf Bender mitwirkten. Mit der Ausstellung im Westwerk schließt sich ein Kreis: "Anfang der 90er-Jahre haben wir mit AG Geige im Westwerk gespielt. Damals war das noch eine düstere Gegend, ich hatte es komplett vergessen."
Über die Künstler, die er nach Hamburg exportiert, sagt Kummer, sie arbeiteten diskret und erfolgreich. "Man kriegt das in Chemnitz gar nicht so mit, dass die alle überregional bedeutend sind." So sei Olaf Benders Label Raster-Noton in Japan und England sehr angesagt, werde von der Fachpresse "richtig gefeiert". Reverend Elvis & Shadow würden ihre Mischung aus Trash und Rockabilly sehr gut in den USA verkaufen und die Band Suralin hat gerade einige Konzerte zusammen mit Kraftklub gespielt. Er wolle den Hamburgern auch etwas Mut machen, es solle ein Solidaritätsbesuch sein, sagt Kummer mit einem Augenzwinkern. Die Hansestadt hätte zu beklagen, dass viele Künstler nach Berlin abwandern. "Aber wenn es in Chemnitz eine reichhaltige Kulturszene gibt, dann soll es den Hamburgern nicht bange werden."


08:21 Uhr
aardvark: ich finde dieser "Kunstexport" ist ein Zeichen eines wachsenden Chemnitzer Selbstbewußtseins. Zumindest hoffe ich das. Man schämt sich nicht mehr aus Chemnitz zu sein, sondern ist stolz darauf und macht was. Finde ich großartig!!
22:22 Uhr
chemnitzgruene: Warum sagt hier niemand was dazu? Der Artikel steht doch schon etliche Stunden drin. Oder wird lieber gemeckert, und das, was GROSSARTIG ist, wird einfach hingenommen?