Mehrere Stunden täglich tanzten Männer auf der einen und Frauen auf der anderen Seite bei der Kirtan Mela in Limbach-Oberfrohna.
Foto: Andreas Seidel
Hare Krishnas wollen wiederkommen
Nach einer Festwoche im Feriendorf Hoher Hain ziehen Anhänger positive Bilanz
Limbach-Oberfrohna. Wie verwandelt wirkte das Feriendorf am Hohen Hain in den vergangenen sechs Tagen: 800 Männer und Frauen in bunten Gewändern und häufig mit Zeichen auf der Stirn spazierten durch die Anlage, saßen auf dem Feld und meditierten oder sangen und tanzten in der Turnhalle.
"Ich habe so etwas noch nie gesehen", gibt Markus Kindler zu. Der Limbacher kam durch Zufall am Hohen Hain vorbei und wurde von der Musik angezogen. "Als ich in die Turnhalle ging, war ich überwältigt von den vielen Menschen, den Gesängen und der Stimmung", so der junge Mann weiter. Er sei herzlich begrüßt und über die Bewegung aufgeklärt worden, erzählt er. Nach zwei Stunden sei er dann mit gemischten Gefühlen nach Hause gegangen. "Einerseits finde ich es faszinierend, wie sich Menschen allein durch Gemeinschaft und Musik in Trance versetzen können. Andererseits macht es mir auch Angst und ich musste an Sekten denken."
Zu den Krishna-Anhängern gehört der 42-jährige Berliner Ananda Nitai. Im bürgerlichen Leben heißt er Alexander Fischer und arbeitet als Unternehmer in der Hauptstadt. Er habe die Woche genossen, um seine spirituelle Energie aufzuladen und mit anderen zu teilen, sagt er.
Ananda Nitai fährt mindestens einmal im Jahr nach Indien. Er könne in der Atmosphäre, die im Feriendorf herrschte, keinen Unterschied zu den dortigen Festen ausmachen.
Neben zahlreichen europäischen Anhängern besuchten auch Amerikaner, Afrikaner und Inder die sächsische Kleinstadt. Der 33-jährige Sridhar reiste aus der indischen Stadt Hyderabad bis nach Limbach-Oberfrohna. "Das Festival im Feriendorf ist besonderes schön. Die Natur ringsherum und die Stimmung, die schon am ersten Tag Einzug hielt, machen das Treffen zu einem Höhepunkt für mich", sagt er.
Das findet auch ein junger Mann aus Regensburg, der neun Jahre lang als Mönch durch Deutschland zog und bereits viele Krishna-Feste in Europa erlebt hat. "Es ist definitiv das beste Hare-Krishna-Treffen, das ich bis jetzt erlebt habe." Bei einem Bummel durch Limbachs Innenstadt sei er auf offene Menschen gestoßen. "Ich war an einer Tankstelle und die Frau an der Kasse nahm sich sogar eine Viertelstunde Zeit und ging mit mir ein paar Schritte, während ich ihr von unserer Bewegung erzählte", sagt der 29-Jährige.
Ein positives Fazit zieht auch Limbach-Oberfrohnas Oberbürgermeister Hans-Christian Rickauer, der den Hare Krishnas am Donnerstag einen Besuch abstattete: "Wir sind eine weltoffene Stadt und ich finde es toll, dass Leute vom ganzen Erdball bei uns zu Gast waren." Generell müsse im Zuge der Globalisierung stärker ein Dialog zwischen den Kulturen geführt werden. "Solche Festivals mit ihrer beeindruckenden Atmosphäre sind dafür bestens geeignet und können mehr im Bewusstsein ausrichten als Seminare oder Vorträge zum Thema Weltkultur", sagt er weiter. Er würde es begrüßen, wenn das Festival 2012 wieder in Limbach stattfindet.
Die Organisatoren des Festivals ziehen eine Neuauflage im Jahr 2012 im Feriendorf am Hohen Hain in Betracht. "Alle waren begeistert, sogar die Schweizer und Schweden, die für gewöhnlich ziemlich hohe Ansprüche haben", sagt Sadbhuja Dasa, einer der Organisatoren. "Wir würden gern wieder nach Limbach kommen." Allerdings müsse man jetzt erst mal die Kapazitäten der Anlage prüfen, da im kommenden Jahr mit noch mehr Hare Krishnas gerechnet werde.
Am Samstag zog langsam wieder Ruhe in der Anlage am Hohen Hain ein. Die 800 Hare Krishnas reisten nach Leipzig. In der Messestadt tanzten die Männer und Frauen weiter und zogen eine Gottesfigur durch die Straßen.


