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Hilfe mit Hindernissen
Seit knapp einem halben Jahr gibt es das Bildungspaket des Bundes - Besuch bei einer Mutter von vier Kindern
Chemnitz. Für manche seien 26,50 Euro monatlich vielleicht nicht viel Geld, sagt Karin Lippold*. Aber als alleinerziehende Mutter von vier Kindern müsse sie rechnen, da schlügen unter anderem auch die 26,50 Euro für die Schülerfahrkarte ihres 15-jährigen Sohnes zu Buche, der wegen der Entfernung seiner Schule auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sei. Deshalb habe sie sich gefreut, als vor knapp einem halben Jahr das Bildungspaket eingeführt wurde: Dabei bezahlt der Bund für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien Zuschüsse für Schul- und Freizeit-Aktivitäten. Dass aber nun gerade die Schülerfahrkarte nicht dabei sein sollte, wie Karin Lippold auf dem Amt erfuhr, habe sie gewundert. Doch davon unabhängig: Sie habe auch schon gute Erfahrungen mit dem Bildungspaket gemacht, sagt sie.
Bisher sind in Chemnitz rund 10.000 Anträge auf das Bildungspaket eingegangen, sagt Sozialamtsleiter Andreas Ehrlich. Das entspreche 6000 Kindern, die davon profitieren können, da für ein und dasselbe Kind mehrere Anträge auf verschiedene Leistungen gestellt werden dürfen. Nach neuesten Berechnungen haben insgesamt Eltern von 13.500 Kindern Anspruch darauf. Ziel sei, mit dem Bildungspaket bis nächstes Jahr mindestens 10.000 Kinder zu erreichen, so Ehrlich.
Doch der Weg dahin ist nicht ohne Hindernisse. Von den bisher eingereichten Anträgen seien 7000 bearbeitet worden - nach wie vor gebe es also Verzögerungen bei der Bearbeitung, räumt Ehrlich ein. Man versuche aber, Abhilfe zu schaffen: So seien organisatorische Zuordnungen im Sozialamt - eine der Stellen, wo Eltern Anträge abgeben können - in diesem Monat geändert worden, auch wolle man mit neuen Software-Modulen arbeiten, die den Verwaltungsaufwand verringern.
Und auch Karin Lippolds Problem sei ein generelles gewesen: die Schülerbeförderung. Denn das Bildungspaket umfasse tatsächlich auch Zuschüsse für Fahrtickets. Nur dass die Stadt Chemnitz diese Leistungen zunächst zurückgestellt hatte - unter anderem, weil es Rechtsunsicherheiten für die korrekte Berechnung gegeben habe, und weil eine entsprechende Satzung der Stadt angepasst habe werden müssen. Dies sei erfolgt - deshalb könnten seit Kurzem auch Anträge auf Zuschüsse für die Schülerbeförderung gestellt werden, auch rückwirkend. Allerdings werde immer ein Eigenanteil verlangt, oft bliebe nur eine geringe Bezuschussung, in Einzelfällen auch gar keine, sagt Ehrlich.
Karin Lippold will den Antrag dennoch stellen. "Einen Versuch ist es Wert", sagt sie. Gute Erfahrungen habe sie schon gemacht, als ihr 13-jähriger Sohn im Frühjahr mit der Klasse für vier Tage nach Plauen in eine Jugendherberge fuhr. Denn das Bildungspaket finanziert auch die Teilnahme an Klassenfahrten. Die Höhe sei nicht festgelegt, rechtlich gelte, dass so viel gezahlt werden müsse, wie die Reise kostet, erklärt Ehrlich. Allerdings seien die Schulen angehalten, auf angemessene Kosten zu achten. Und auf politischer Ebene werde darüber diskutiert, die Höhe künftig doch zu begrenzen. Aber soweit sei es noch nicht. Karin Lippold jedenfalls bekam aus dem Bildungspaket 135 Euro für die Klassenfahrt ihres 13-jährigen Sohnes, damit seien alle Kosten abgedeckt gewesen. In diesem Fall eine angemessene Summe, sagt Ehrlich. Laut Karin Lippold habe es "zwar drei bis vier Wochen gedauert, bis das Geld genehmigt wurde", erzählt sie. "Aber mir ist klar, dass ich nicht die Einzige bin, die einen Antrag stellt." Und davon abgesehen, habe sich ihr Sohn gefreut, dass er mitfahren konnte.
Allein hätte sie ihm die Ausfahrt vermutlich nicht finanzieren können, sagt sie. Als Reinigungskraft verdiene sie nicht so viel, außerdem hatte ihr 15-jähriger Sohn dieses Jahr Jugendweihe. "Da habe ich für eine kleine Feier gespart und dafür, dass ich ihm etwas aufs Konto legen kann. Jugendweihe gibt es doch nur einmal im Leben, ich will, dass meine Kinder daran eine schöne Erinnerung haben." Auch wenn die anderen Familienmitglieder dann mitunter zurückstecken müssen.
Helfen würde ihr aber auch der Zuschuss aus dem Bildungspaket für das Mittagessen. Für ihren Jüngsten (8), der als Einziger ihrer Kinder in der Schule Mittag esse, müsse sie pro Mahlzeit nur einen Euro bezahlen, den Rest steuere das Bildungspaket bei. "Das hat auch bei der Beantragung sehr schnell geklappt", lobt Lippold. Die beiden größeren Jungs verschmähten das Mittag in der Schule. Für sie, wie für ihren Ältesten, den 21-Jährigen, der geistig behindert ist und in einer Behindertenwerkstatt arbeitet, koche sie, wenn ihre Schichten als Reinigungskraft das zuließen.
Auch künftig wolle sie noch verschiedene Anträge auf Zuschüsse aus dem Bildungspaket stellen, beispielsweise für die Klassenfahrt ihres 15-jährigen Sohnes nach London im Oktober. Und auch für seine Mitgliedschaft in einem Judoverein. Für die bezahle sie 80 Euro im Jahr. Aus dem Bildungspaket stünden ihr dafür laut Ehrlich zehn Euro pro Monat zu, also 120 Euro im Jahr. Die Differenz werde entweder nicht ausgezahlt oder könne das Kind für andere Kurse oder Teilnahmegebühren verwenden, erklärt Ehrlich.
Zudem wurde Karin Lippold kürzlich Geld aus dem Bildungspaket für den Schulbedarf ihrer drei schulpflichtigen Jungs - zum Beispiel für Bücher, Hefte und Stifte - bewilligt. Wobei das wiederum mit Ärger verbunden gewesen sei. "Den Antrag hatte ich schon im April gestellt. Dass die Bewilligung erst jetzt kurz vor Beginn des Schuljahres kommt, kann eigentlich nicht sein. Viele andere Eltern haben die Sachen für die Schule doch schon längst gekauft", ärgert sich Lippold. Sicher sei das keine kurze Bearbeitungszeit, sagt Ehrlich, "aber wir tun unser bestmögliches, um den Berg abzuarbeiten".
*Name geändert



18:04 Uhr
thomas310769: Also das ist bestimmt nur in Chemnitz so....
Wer versucht in Zwickau das Bildungspaket zu bekommen hat sich die Behördenwillkür hoch 10 an Land gezogen.
Wir haben versucht das Paket zu bekommen - und zwar einfach nur für Mittagessen in der KITA. Was danach passierte ist kaum zu beschreiben.
Wir haben ständig Briefe mit neuen und komischeren Forderungen bekommen. Der letzte Brief war einfach nur der Ausbund. Dort wurde von uns gefordert eine Liste einzureichen - Name des Menüs - Preis - Tag - Kind und das Monatlich. (Nur noch einmal wir wollten lediglich das Anfangsgeld - was laut Bundesregierung unkompliziert ausgezahlt werden sollte).
Im Kindergarten selber wurden wir dafür schon für verrückt erklärt als wir uns das bestätigen lassen wollten.
Im übrigen war es die 4 Sachbearbeiterin und die Kommunikation wurde immer schlimmer. Nach zig anrufen und mindestens 4 Einschreiben mit Rückschein haben wir uns dann gesagt - Lasse es - sinnlos es kommt wieder eine neue Forderungen NUR UM NICHT ZAHLEN ZU MÜSSEN.
Ich habe mich sogar darüber beim Landtag in Dresden und bei der Bundesregierung beschwert. Dort wurde mir mitgeteilt dies sei Ländersache - PRIMA.
ALSO wir können nur sagen - wer sich wagt dieses Paket in zwickau zu beantragen sollte viel Mut mitbringen.