Streitobjekt Neefestraße 83: Ein möglicher Retter des Hauses ist abgesprungen, der Abriss wird damit immer wahrscheinlicher. 
Streitobjekt Neefestraße 83: Ein möglicher Retter des Hauses ist abgesprungen, der Abriss wird damit immer wahrscheinlicher.

Foto: Andreas Truxa/Archiv

Investor wirft Rathaus Chemnitz Wortbruch vor

Rettung eines Denkmalhauses schien möglich - Nun aber sprang Jörg Mierbach ab

Dem Chemnitzer Bauunternehmer Jörg Mierbach war am Freitag seine Verärgerung deutlich anzumerken. Kurz zuvor hatte er seine Bereitschaft zurückgezogen, das denkmalgeschützte Gründerzeithaus an der Neefestraße 83 zu übernehmen und zu sichern. "Die Stadt hält sich nicht an ihre Zusagen", begründete er seine Entscheidung. Damit wird der Abriss des markanten Gebäudes immer wahrscheinlicher.

Rückblende: Nach wochenlanger Debatte hatten sich die Verantwortlichen im Baudezernat dazu durchgerungen, die für den Abriss bewilligten Fördermittel einem potenziellen Investor zur Verfügung zu stellen. Mit den 90.000 Euro sollte das Gebäude doch noch gerettet werden. Zuvor hatte es aus dem Rathaus immer wieder geheißen, die Übertragung der Summe sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Als sich Stadträte einschalteten, wurde es plötzlich doch möglich. Daraufhin bemühten sich Abrissgegner, einen Investor zu finden. Mit Jörg Mierbach wurde er gefunden - jenem Mann, der in Chemnitz zuletzt das ehemalige Reichenbrander Rathaus und die alte Leuchtenfabrik an der Ahornstraße saniert hatte.

Mierbach ging nach eigenem Bekunden davon aus, dass er die 90.000 Euro in voller Höhe erhält. Die Stadtverwaltung hatte allerdings schon mit den Abrissarbeiten begonnen, rund ein Drittel der Summe war ausgegeben. "Die Sicherung des Hauses kostet insgesamt 150.000 Euro", so Mierbach. "Ich bin nicht bereit, die Summe, die ich ohnehin privat hätte drauflegen müssen, weiter aufzustocken." Zudem habe man von ihm gefordert, das Haus innerhalb von zwei Jahren vollständig zu sanieren. Mierbach hingegen wollte das Haus erst dann komplett erneuern, wenn die Nachfrage nach Wohnungen in Chemnitz wieder steigt.

Die Stadtverwaltung wies den Vorwurf am Freitag zurück, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben. Die Arbeiten zur Vorbereitung des Abbruchs des Gebäudes seien seit Mitte Dezember im Gange. "Gelder können nicht zweimal ausgegeben werden", so die Rathaus-Pressestelle. Zudem müsse man einen Termin für die Haus-Sanierung innerhalb eines bestimmten Zeitraums vertraglich festschreiben lassen. Sonst wäre "die Gefahr groß, dass innerhalb weniger Monate die Stadt erneut in die Pflicht kommt, Gefahrenabwehrkosten zu schultern".

 
erschienen am 24.12.2011 ( Von Swen Uhlig )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
6
(Anmeldung erforderlich)
  • 28.12.2011
    21:00 Uhr

    ramon: Es geht um die "vollständige", d.h. bezugsfertige Sanierung innerhalb von zwei Jahren. Zudem soll Herr Mierbach noch Schäden an Nachbarhäusern beseitigen. Dafür will die Stadt 44.000 dazu geben, erwartet aber im Gegenzug eine sofortige Investition von mindestens 700.000 Euro.

    Das Gebäude überhaupt anzufassen grenzt schon arg an Nächstenliebe und hat nur wenig mit Profit zu tun. Meine Hochachtung für Herrn Mierbach, der schon ähnlich schwierige Projekte gemeistert hat. Die Stadtverwaltung schafft es leider mit schöner Regelmäßigkeit, solche Investoren mit Herz zu vergraulen.

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  • 28.12.2011
    12:10 Uhr

    HorrorBeetle: Investoren handeln nicht aus Nächstenliebe. Es gehz ihnen ums Geschäft und den Profit. Die Stadt ist nicht dafür da, diesen Profit zu unterstützen oder zu steigern. Sie kann Anreize geben, hat aber in erster Linie Aufgaben zu erfüllen.

    Wenn die Bedingung der Stadt, binnen 2 Jahren das Gebäude zu sanieren, vom Investor nicht erfüllt werden kann, kann die Stadt nichts dagegen machen.

    Stellt euch einmal die Diskussion vor , wenn in 3 Jahren öffentlich würde, dass die Stadt 60 T EUR einem Investor geschenkt, dieser das Geld eingesteckt hat, aber das Gebäude nicht saniert wurde! Dann rollen Köpfe, weil das Geld an keinen Erfüllungszweck gebunden wurde.

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  • 27.12.2011
    15:25 Uhr

    ramon: Beim Sachsen-Fernsehen wurde berichtet, dass nur noch 44.000 Euro der Mittel vorhanden sind. Das wäre dann noch etwas weniger als 50%.

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  • 27.12.2011
    08:54 Uhr

    ZwenAusZwota: @ChemB, wenn die Stadt das Geld für ABRISSarbeiten ausgegeben hat, dann muss man im Nachhinein mindestens das doppelte drauflegen, da ja der abgerissene Teil wieder neu aufgebaut werden muss.
    Ich frage mich, ob sich Herr Runkelrübe nicht lieber den stationären Blitzer an eben dieser Stelle hätte sparen sollen... Als Normalbürger versteht man halt das verdrehte Denken unserer Politischen nicht...

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  • 26.12.2011
    19:13 Uhr

    ChemB: Also 1/3 der Summe von 90.000 Euro würde ich auf 30.000 Euro rechnen. Von außen sieht man nix, aber in der Regel entkernt man zuerst -innen. Und mal ehrlich - wenn die Stadtverwaltung Steuergelder bereitstellt für die Sanierung, dann kann man auch einen Termin (2 Jahre) setzen bis wann die Sanierung abgeschlossen sein soll. Man gibt doch nicht jemanden 90- bzw. jetzt 60tausend Euro damit der irgendwann mal in 10-20 Jahren, wenn mal ein Mieter Interesse an einer Wohnung hat, in die Potten kommt.
    Und ich denke mal die schon verdattelten Gelder kann man sicher auch schon von den Sanierungskosten abziehen, da man sicher dieser Arbeiten auch hätte machen müssen für eine Sanierung.

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