Zentrale Patientenüberwachung: Auf dem Weg auf die Station oder in den Operationssaal werden Kranke ständig beobachtet.
Zentrale Patientenüberwachung: Auf dem Weg auf die Station oder in den Operationssaal werden Kranke ständig beobachtet.

Foto: Klinikum

Klinikum Chemnitz: Neue Notaufnahme soll mehr Patienten aufnehmen

Zentraler Anlaufpunkt für Notfälle im Großraum übergeben - Heute Tag der offenen Tür

Chemnitz. Nach fünf Jahren Planungs- und Bauzeit ist am Klinikum am Montag die neue zentrale Notaufnahme im Beisein von mehr als 150 Gästen eröffnet worden. Der Neubau kostete rund 13,5 Millionen Euro, fast 11 Millionen Euro davon bezahlte der Freistaat. Nach dem Tag der offenen Tür am Dienstag wird die Notaufnahme nochmals dicht gemacht. Anschließend wird sie zehn Tage lang gereinigt und desinfiziert, ehe sie am 3. .Juli offiziell in Betrieb geht.

Dann schließt die bisherige Notaufnahme am Bettenhaus an der Flemmingstraße. Die Notaufnahme am Standort Bürgerstraße 2 im Küchwald stellt im Oktober ihren Betrieb ein: Die Mitarbeiter wechseln dann ebenfalls in die neue Notaufnahme an der Flemmingstraße. Damit soll die neue Notaufnahme mit rund 60 Beschäftigten für den Großraum Chemnitz endgültig die einzige Adresse für Notfälle am städtischen Klinikum sein. Sie stärkt, so unterstrich der medizinische Geschäftsführer Prof. Dr. Jürgen Klingelhöfer, die Rolle des Chemnitzer Klinikums als drittstärkste medizinische Kraft in Sachsen nach den Universitätskliniken Dresden und Leipzig.

Das soll die neue Notaufnahme bieten:

Mehr Patienten aufnehmen: Die neue Notaufnahme ist dreimal so groß wie die bisherige, kann daher mehr Patienten gleichzeitig aufnehmen. Wegen des demografischen Wandels und des Fach- und Hausärztemangel steigen die Krankenzahlen, die beiden Notaufnahmen stoßen daher seit langem an ihre Kapazitätsgrenzen, so das Klinikum: In den zurückliegenden zehn Jahren verdoppelte sich die Zahl der in den beiden Notaufnahmen behandelten Patienten nahezu. So wurden allein 2011 rund 41.000 Patienten gezählt.

Fachärzte und Erstbehandlung vor Ort: Das gesamte Erdgeschoss ist für die Notfallversorgung der Patienten reserviert. Es gibt unter anderem zehn Untersuchungs- und Behandlungsräume und OP-Räume, damit in akuten Fällen sofort operiert werden kann, außerdem drei Schockräume für die Erstversorgung, drei Eingriffsräume, einen Gips- und einen Röntgenraum. Vier Behandlungszimmer sind für die Augenheilkunde, die Hals-Nasen-Ohren-Arzt-Heilkunde, die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie für die Innere Medizin ausgestattet. Das Notfallzentrum beherbergt die meisten Fachdisziplinen des Klinikums - Patienten können vor Ort durch Experten untersucht werden.

Medizintechnik und Radiologie vor Ort: Neu ist ein Computer-Tomograf. Er ist verschiebbar, sodass das Gerät in zwei Räumen genutzt werden kann. Dieses Gerät ist erst das siebente seiner Art weltweit, so Prof. Dr. Rainer Klöppel, Chefarzt des Instituts für bildgebende Diagnostik. Hinzu kommen ein fahrbares Röntgengerät sowie zwei Arbeitsplätze für Radiologen.

Zügige Unterteilung nach Krankheitsart: Bereits im Eingangsbereich werden die Patienten nach Art und Schwere der Erkrankung eingeteilt und in die jeweiligen Bereiche geleitet: leichte und mittelschwere Erkrankungen wie Brüche, ansteckende Erkrankungen sowie lebensgefährliche Erkrankungen. Schwer- und Mehrfachverletzte können parallel durch Ärzte verschiedener Disziplinen versorgt werden. Gehfähige Patienten, die mit unklarem Krankheitsbild kommen oder eigenständig die Notaufnahme aufsuchen, erhalten eine Erstversorgung. Der Bereich für ansteckende Krankheiten kann teilweise oder komplett vom Rest der Notaufnahme abgeriegelt werden.

Kürzere Wege: Durch den Bau neben dem Bettenhaus verkürzt sich der Weg zum Hubschrauberlandeplatz. Patienten können in einer Halle wetterunabhängig das Rettungsfahrzeug verlassen.

Verbindung zur Kinderklinik: Im Obergeschoss befindet sich der Zugang zur neuen, 80 Meter langen, gläsernen Verbindungsbrücke zur Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und zur Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Flemmingstraße 4. Damit sollen Patienten zwischen den Komplexen wetterunabhängig und schneller sowie bequemer als im Krankenwagen transportiert werden. "Überwiegend werden kranke Kinder davon profitieren, die von der Kinderklinik zur Untersuchung in die Radiologie gebracht werden", so Klinikum-Sprecher Uwe Kreißig.

Doch der neue Gang sorgt bereits jetzt für Kritik: Als Vogelkiller bezeichnet der Bund für Umwelt- und Naturschutz BUND diesen Verbindungsgang. Der Verband habe sich daher ans Klinikum gewandt - mit der Bitte um bauliche Nachbesserungen. "Der Gang durchtrennt den Lebensraum zahlreicher Vogelarten, die durch das verspiegelte Glas dieses Hindernis nicht erkennen können, mit voller Wucht gegen die Glasscheiben prallen und schwer verletzt oder gar tödlich verwundet werden", berichtet Landesgeschäftsführer Wolfgang Riether. "Bürger haben mehrere tödlich verletzte Vögel, Buntspecht, Meisen, Amseln, gefunden."

Dem widerspricht Klinikum-Sprecher Kreißig: Bislang sei kein einziger nachgewiesener Fall eines verunglückten Vogels bekannt, der mit dem Verbindungsgang im Zusammenhang steht. Sollte es dennoch Auflagen geben, werde man im Klinikum prüfen, inwieweit vorausschauend zusätzliche Schutzmaßnahmen denkbar wären.

 

Tag der offenen Tür: Bürger können sich die neue Notaufnahme an der Flemmingstraße 2 am Dienstag, 19. Juni, von 14 bis 18 Uhr anschauen. Mitarbeiter und Verwaltungsleitung stellen ihnen das Gebäude und die Medizintechnik vor.

 
erschienen am 18.06.2012 ( Von Grit Baldauf )
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