Am Anfang war der Traum vom Jagen: Selina Selmeci schießt blank, also ohne Visier oder andere Zielhilfen.
Foto: Wolfgang Schmidt
"Kringel schießen ist nicht so meins"
Am Wochenende war Chemnitz Mekka der Bogenschützen
Chemnitz. Ein Elektro-Rasenmäher surrt in die Stille des sonnigen Vormittags. Auf der Wiese nahe dem Campingplatz stehen ein Wisent und eine Antilope friedlich beieinander. Der Grizzlybär, der sich auf den Hinterbeinen drohend aufrichtet, stört ihre Ruhe nicht. Die Schaumstoff-Tiere auf dem Übungsplatz haben Pause. Die über 420 Bogenschützen, die am Samstag früh zur Deutschen Meisterschaft im sogenannten 3D-Schießen, im Schießen auf dreidimensionale Tierattrappen, anreisten, sind in den Wald ringsum ausgeschwärmt. Vom Fels unter der Burg Rabenstein her schaut eine Gams zur Schützengruppe jenseits des Teichs herüber. Plok, plok, plok. Sekunden später ist sie mit Pfeilen gespickt, aber scheinbar unbeeindruckt.
Im Wald peilt Selina Selmeci einen im Laub liegenden Hirsch an. Mit ledernem Handschuh zieht die Schützin vom Bogensportclub Chemnitz-Rabenstein die Sehne zum Gesicht. Den Mittelfinger unterm Pfeil legt sie in den Mundwinkel. Zugleich spannt sie die Rückenmuskeln und lockert die Fingerglieder an der Sehne. Plok. Ihr gefiederter Pfeil dringt tief ins geschätzt 35 Meter entfernte Gummitier ein, wenige Zentimeter unterhalb der Blattschuss-Markierung, jenes Bereichs, den die Sportler "Kill" nennen.


