Läuft beim CFC alles rund? Die Kritik speziell am Umgang mit Nachwuchsspielern wird lauter. Läuft beim CFC alles rund? Die Kritik speziell am Umgang mit Nachwuchsspielern wird lauter.

Foto: Andreas Seidel/Archiv

Kritik an CFC-Nachwuchsarbeit - "Sie machen die Jungs mit Worten fertig"

Wachsender Unmut über Umgang von Trainern mit Nachwuchsspielern

Chemnitz. Martina Hildebrand* ist wütend. Nach wie vor kann sie nicht fassen, wie mit ihrem Sohn und einigen seiner Mannschaftsgefährten beim Chemnitzer FC umgegangen wurde. Ihre Kritik richtet sich vor allem an die Trainer der beiden ältesten Nachwuchsklassen. "Es fängt bei den B-Junioren an und hört bei den A-Junioren auf. Der menschliche Umgang mit den Spielern ist unter aller Kanone. Sie machen die Jungs mit Worten fertig", sagt Martina Hildebrand. Ihr Sohn Peter* habe keine andere Möglichkeit gesehen, als den Verein zu wechseln und sich dem Ortsnachbarn VfB Fortuna anzuschließen. Nach Aussage des jungen Spielers sind speziell im A-Junioren-Bereich des CFC persönliche Beleidigungen keine Seltenheit. "Da wird ein Spieler schon mal als Schwuchtel oder Arschloch bezeichnet", erzählt der junge Mann.

Dies kann Christian Sankowski bestätigen. "Ich bin von 2009 bis 2011 in Chemnitz gewesen. Die Zeit dort war sehr durchwachsen", berichtet der Stürmer aus Kiel. Auch er habe gehört, wie sein Trainer zu Spielern "Arschloch" gesagt hat. Er selbst sei auf diese Weise jedoch nie beleidigt worden. "Fußballerisch habe ich beim CFC dazugelernt. Aber der menschliche Umgang ist sehr gewöhnungsbedürftig. Man muss hart im Nehmen sein", sagt der 19-Jährige, der inzwischen beim schleswig-holsteinischen Männer-Oberligisten Eider Büdelsdorf spielt. Sein Trainer in Chemnitz sei sehr launisch gewesen. "Wenn er schlecht drauf war, bekam man das schon zu spüren", berichtet Sankowski. Er erinnert sich an ein Punktspiel, in dem er den Ball ins Gesicht bekam und behandelt werden musste. Einziger Kommentar des Trainers sei gewesen: "Vielleicht wachst du jetzt auf." Nach der vergangenen Saison habe niemand vom CFC mit ihm geredet, wie es weitergehen könnte. "Ich hatte auch keine Lust, für 250 Euro in der zweiten Mannschaft zu spielen und bin deshalb in den Norden zurückgekehrt", so Sankowski.

Jörg Emmerich, Sportdirektor des CFC, reagiert mit Befremden auf diese Vorwürfe. "Wenn jemand Probleme hat, soll er sich an uns wenden. Jeder kann sich informieren, wie wir zu erreichen sind. Trainingszeiten und Öffnungszeiten der Geschäftsstelle stehen im Internet", erklärt Emmerich. Er müsse sich mit eventuell Betroffenen persönlich unterhalten, um den Dingen auf den Grund gehen zu können. "So aber haben wir nur Informationen aus zweiter Hand", fügt der 37-Jährige hinzu. Cheftrainer Gerd Schädlich stimmt ihm zu. "Kritiker sollten die Courage haben, sich direkt an den Verein zu wenden, anstatt sich vielleicht sogar unter falschem Namen öffentlich zu äußern", sagt Schädlich.

Von "gewissen Defiziten im Umgang mit jungen Spielern beim CFC" spricht unterdessen Steve Schirrmeister. Sein Sohn Lukas trug knapp zehn Jahre lang das himmelblaue Trikot. Mittlerweile kickt der 19-Jährige für den VfB Fortuna. Sein Sohn sei beim CFC nie beleidigt worden. "Aber bei speziell einem Trainer wäre mehr Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Jungs vonnöten. Vielleicht sollte man ihm jemanden zur Seite stellen, der pädagogisch geschickter vorgeht", schlägt Schirrmeister vor. Was ihn besonders gestört habe: "Während der Spiele der A-Junioren-Mannschaft schreit der Trainer fast nur negative Dinge über den Platz. Das ist auch gegenüber den Kontrahenten nicht gut für das Erscheinungsbild des CFC." Aus Sicht des Spieler-Vaters ist es fraglich, ob solche Methoden dazu geeignet sind, aus den Talenten die optimale Leistung herauszukitzeln.

Das sieht das Ehepaar Barbara und Michael Göhlert genauso. Auch sie kritisieren den Umgang jenes Trainers mit seinen Schützlingen. Ihr Sohn Tim, der heute beim Dritt- ligisten Heidenheim spielt, habe in der CFC-Nachwuchsabteilung den Spaß am Fußball verloren. "Wir haben mit den damaligen Verantwortlichen des Clubs gesprochen, aber das hat nicht gefruchtet", erinnert sich Michael Göhlert. Sein Sohn, der als C-Jugendlicher von besagtem Coach trainiert worden war, wechselte daraufhin zum VfB Chemnitz. "Erst dort wurde er menschlich so gefördert, wie wir uns das gewünscht haben", ergänzt Barbara Göhlert.

Spieler, die den Drittligisten verlassen, wechseln oft zum VfB Fortuna Chemnitz. "Ich gebe zu, dass wir davon profitieren", sagt VfB-Nachwuchschef Dirk Radomski, der gleichzeitig die A-Junioren des Vereins trainiert. Er habe nicht den Eindruck, dass Talente beim CFC schlecht behandelt werden. "Aber die Kommunikation mit den Spielern ist dort sicherlich verbesserungswürdig", meint Radomski. Die Jungs seien zwischen 16 und 18 Jahre alt. "Da muss man Rücksicht nehmen auf ihren Alltag. Einige machen eine Lehre oder das Abitur. Und das steht dann eben mal im Vordergrund", erklärt der Fortuna-Trainer. Sein Wunsch sei, dass Spieler nicht mehr aus Frust vom CFC zum VfB wechseln. "Wir haben uns bereits zusammengesetzt und streben eine offizielle Zusammenarbeit beider Vereine an", verrät Radomski.

*Namen von der Redaktion geändert.

 
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Kritik an CFC-Nachwuchsarbeit - "Sie machen die Jungs mit Worten fertig"
Kommentar: Schnelle Aufklärung gefragt
 
erschienen am 01.02.2012 ( Von Mario Schmidt )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
9
(Anmeldung erforderlich)
  • 08.02.2012
    15:50 Uhr

    Experten: Erst heute habe ich durch Zufall im Internet den Beitrag Kritik an CFC Nachwuchsarbeit gelesen.
    Ich kann nicht verstehen das sich Eltern von Spielern, die im Schnitt 18.Jahre alt sind, sich über den Umgang der Trainer mit den Spielern beschweren.
    Alle Eltern die hier glauben sie hätte einen kleinen Superstar sollen sich doch mal fragen warum spielt Ihr Sohn jetzt bei einen unterklassigen Verein. Es ist wie im wahren Leben die besten schaffen es nach oben und der Rest bleibt auf der Strecke.
    Außerdem bin ich der Meinung das gerade die Jugendlichen in diesen Alter im Leistungssport eine etwas härtere Umgangsform durchaus vertragen können. Durch unsere Gesellschaft wird es Ihnen manschmal in der Schule sowie in der Ausbildung zu leicht gemacht .
    Beim Chemnitzer FC stehen gut ausgebildete Trainer und Mannschaftsleiter bereit ,um talentierte Nachwuchsspieler an das Profigeschäft heranzuführen.
    Namen wie Schädlich, Bittermann, Jendrossek, Küttner, M.Lienemann. Mehlhorn zeigen doch eindeutig das beim CFC klar die Weichen auf eine erfolgreiche Jugendarbeit gelegt wird.
    Ich selbst kann am besten die Arbeit der Übungsleiter beim Chemmnitzer FC einschätzen. Mein Sohn spielte in allen Altersklassen von der E-Jugend bis zur II. Männermannschaft beim CFC aber zur höheren Aufgaben hat es bei Ihm dann nicht gereicht. Jetzt spielt er in einen kleinen Verein und möchte die schöne Zeit die er als Nachwuchsspier beim Chemnitzer FC verbracht hat nicht missen.
    Noch ein Hinweis für die Eltern die die Arbeit der Verantwortlichen im Nachwuchs beim CFC in Frage stellen, meldet einfach Euere Söhne ab, geht zum Probetraining bei einen anderen Verein und setzt Euch dort durch.

    0 1
     
  • 02.02.2012
    20:12 Uhr

    schnuffelduffel: Für klärende Gespräche muss man zu einem Mediator gehen oder einen neutralen "Vorgesetzten".
    P.S.: Gibt es eine Fußballergewerkschaft *lach* oder Ombutsmann?

    0 0
     
  • 02.02.2012
    18:36 Uhr

    Flashback2012: mich wundert in chemnitz nichts mehr...hab es selber erfahren als zuschauer(nicht spieler) ,wie aggressiv umgegangen wird ,nur weil man mal die anderen bejubelt hat und das bei einem nachwuchsspiel..wie primtiv muss man denn sein ,wenn zuschauer sich gegenseitig anschnauzen...und dann dieser bericht..chemnitz eben!!!

    1 0
     
  • 02.02.2012
    14:13 Uhr

    chemnitz96: nachtrag:
    die kritik an der nachwuchsarbeit wurde durch die nachwuchsabteilung, herrn jendrossek, vehement bestritten. man habe doch einen christian mauersberger, jugendnationalspieler und hoch gelobtes talent. dafür wird im nachgang, als dank, der trainer, der christian mauersberger dahin gebracht hat, wo er heute ist, ihn dazu bewogen hat in chemnitz zu bleiben, die trainerische tätigkeit entzogen und seine kompetenz abgesprochen.
    mit einem christin mauersberger steht und fällt allerdings nicht die zahl vergraulter und fallen gelassener talente, die bereits beim CFC waren und das weite gesucht haben. Um somit dann in der A-Jugend Spieler mit erhöhtem finanziellem aufwand aus berlin nach chemnitz holen zu müssen!
    das mit dem status"DFB-Nachwuchsleistungszentrum"

    1 0
     
  • 02.02.2012
    11:17 Uhr

    chemnitz96: @ballfreund
    die besagten trainer spielen nicht auf dem neubauernweg, sondern im thälmannstadion.
    des weiteren geht es im groh nicht um verbale ausfälle, sondern um massives mobbin der jungs. das unter dem druck, unter dem die trainer stehen, im zuge der emotion auch mal worte fallen, die eines pädagogen, was trainer sein sollten, nicht würdig sind, darf man sicher nicht überbewerten.
    im alter von 16-19 scheitert sicher keiner mehr am druck der eltern.
    @schnuffelduffel: den nagel auf den kopf getroffen. wenn man das klärende gepräch sucht, gesucht hat, wird es für die folgezeit für den sportler um so schwer. genau aus dem grund, kommen erst jetzt diese vorfälle zum vorschein. weil die jungs, um die es geht nicht mehr direkt (vereinswechsel) diesen trainern unterstehen!!!

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