Höchstens fünf Päckchen pro Kunde: Im Penny-Markt in Bernsdorf wird schon am Eingang auf die Zucker-Rationierung hingewiesen.
Foto: Andreas Seidel
Lebensmittelmärkte rationieren Zucker
Handelsketten schränken Verkauf von Zucker aufgrund von Hamsterkäufen ein
Chemnitz. An längst vergangene Zeiten dürfte sich so mancher Kunde dieser Tage im Lebensmittelmarkt erinnert fühlen. "Aufgrund der hohen Nachfrage geben wir Zucker derzeit nur noch in haushaltsüblichen Mengen bis fünf Kilogramm pro Person ab", heißt es etwa im Toom-Markt im Altchemnitz-Center. Im Kaufland an der Chemnitzer Straße beträgt die Abgabe-Höchstmenge fünf Päckchen. Und bei Penny an der Bernsdorfer Straße weist ein Schild bereits an der Eingangstür auf die Neuregelung hin: Pro Person gibt es höchstens noch fünf Kilogramm Zucker, also fünf Päckchen.
Der Grund für die Rationierung ist weniger in einer explodierenden Vorliebe der Chemnitzer für den Süßstoff zu finden, sondern in einer immensen Nachfrage bei ausländischen Kunden. "Die haben zum Teil ganze Paletten abgeräumt", berichtet der Leiter eines großen Einkaufsmarktes im Chemnitzer Süden. Bis zu 100 Packungen pro Person seien so über das Kassenband gegangen. "Das sollen richtige Großhändler gewesen sein, die hier einkaufen waren", erzählt eine Verkäuferin.
Offiziell allerdings mag sich kaum jemand zu dem Thema äußern. So verweist Kaufland auf eine "erhöhte Nachfrage" und bittet um Verständnis "dass wir hierzu keine weitere Stellung nehmen".
Lediglich die Rewe-Gruppe erläuterte auf "Freie Presse"-Nachfrage die Hintergründe etwas ausführlicher: Seit einigen Monaten sei vor allem im Grenzgebiet zu Polen eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Zucker zu verzeichnen, daher habe man sich zu den Beschränkungen entschlossen, so Rewe-Sprecher Andreas Krämer. Es solle vermieden werden, dass es zu einer Art "preisbedingtem Zucker-Tourismus" einiger professioneller Zuckerkäufer komme, die mehrere Dutzende Päckchen auf einmal kaufen möchten. Zudem dienten Einzelhandelsmärkte der Versorgung von Privathaushalten, so Krämer weiter. Für professionelle Einkäufer gebe es hingegen Großhandelsmärkte.
Nun liegt Chemnitz zwar nicht unmittelbar an der Grenze zu Polen. Doch die Preisunterschiede zwischen den Nachbarländern sind offenbar groß genug, dass Geschäfte mit Zucker aus deutschen Supermärkten auch bei längeren Lieferwegen attraktiv bleiben - und sei es über Kuriere oder Zwischenhändler in Tschechien. Ist das Kilo Zucker hierzulande aktuell für etwa 65Cent und damit so günstig wie seit Jahren nicht mehr zu haben, so müssen Verbraucher in Polen zum Teil bis zu 1,50 Euro dafür zahlen.
Als Grund für die rapide gestiegenen Preise werden vielfach umfangreiche Produktionskürzungen in Polen infolge der EU-Zuckermarkt-Regulierung genannt - bei gleichzeitig steigenden Weltmarktpreisen. Hamsterkäufe waren in den vergangenen Monaten auch aus dem polnisch-tschechischen sowie aus dem ungarisch-österreichischen Grenzgebiet gemeldet worden.



08:53 Uhr
ZwenAusZwota: Die Rationierung ist falsch!
Weshalb herrscht denn in Polen und Tschechien Zuckerknappheit? Weil wir Deutschen unbedingt 10% Ethanol in unseren Sprit kippen müssen. Und woher kommt der? Nicht aus brasilianischem Zuckerrohr oder aus amerikanischem Mais, sondern eben aus Zuckerrüben!!! Jetzt sieht man die ersten Auswirkungen, wenn sich die reichen Länder Nahrungs-/Lebensmittel lieber in den Tank kippen...
21:39 Uhr
suver: Diese Situation haben wir selbst bei Arnstadt erlebt, dass Fahrzeuge aus Tschechien aus überfüllten Einkaufswagen mit Zucker beladen wurden. Wir hatten es in den Nachrichten gehört, weshalb wir darauf aufmerksam wurden. Die Rationierung ist richtig, um Spekulanten nicht freie Hand zu lassen.