Markttreiben vor dem Taurasteinturm von Burgstädt: Mitglieder des Naturschutzbundes Erzgebirge pressten frischen Apfelsaft für die Besucher. Im Turm war eine Ausstellung zum Thema Holz zu sehen.
Foto: Sven Gleisberg
Lehrreiches nicht nur im Taurasteinturm
Touristische Ausflugsziele und Kirchen haben auf dem Besuchsprogramm zum Tag des offenen Denkmals gestanden
Die elf historischen Gebäude im Chemnitzer Umland sahen Hunderte Besucher. Der europaweite Denkmaltag fand zum 20. Mal statt. "Freie Presse" stellt vier markante Anlaufpunkte vor.
Schloss Wolkenburg: Die Besucher des Schlosses konnten am Sonntag viele historische Holzelemente begutachten, die bei der Entkernung während des Sanierungsprozesses entdeckt wurden. Eine neoklassizistische Holzspinne - also ein alter Kronleuchter -, Bretter einer gefassten Holzdecke mit Mond und Sternen bemalt, historische Einbauschränke und der Abschlussknauf eines Fahnenmastes waren einige Gegenstände. "Ein besonderes Prunkstück ist eine Holztruhe aus dem 18. Jahrhundert mit geschnitztem Einsiedler. Die ist sonst für die Schlossbesucher nicht zu sehen", sagte Schloss-Mitarbeiterin Andrea Heinig. Das Schloss wurde Ende des 12. Jahrhunderts erbaut. Schlossherren waren die Familien von Kaufungen und von Einsiedel. Andrea Heinig begleitete die Besucher durch eine der beiden Winterwohnungen, die im Schloss noch im Original erhalten sind. Die Hausherren lebten während der kalten Jahreszeit dort, um Wärme auf kleinerem Raum nutzen zu können. Die Zimmer, die allesamt rund gebaut wurden, besitzen eine Dielung, die einer Sonne ähnelt - von außen nach innen wurden immer kleinere Kreise aus Holz verlegt.
St. Galluskirche Kaufungen: Im Gotteshaus war ein Flügelaltar aus dem Jahr 1530 zu besichtigen. Der Schrankaltar besteht aus drei Teilen und konnte früher zusammengeklappt werden. In fünf verschiedenen Bildern zeigen geschnitzte Holzfiguren, die mit Gold und Farben bemalt sind, biblische Szenen. Elke Richter, Mitglied des Kirchenvorstandes, wünscht sich eine Restauration des Flügelaltars. "Der Holzwurm steckt drin und es wäre schade, wenn das kostbare Stück verfällt", sagte sie. Da die Kirche derzeit ihre finanziellen Möglichkeiten mit der Restauration der Orgel ausgeschöpft hat, müsse der Altar aber noch warten, erklärte Pfarrerin Annemarie Colditz. "Trotzdem ist es geplant, das alte Stück von einem Restaurator begutachten zu lassen. Vielleicht liegen die Kosten niedriger, als wir denken", ergänzte sie. Der Flügelaltar wurde von Bauern in der Spätgotik gefertigt.
Taurasteinturm Burgstädt: Volksfestcharakter trug der Tag rund um das Wahrzeichen von Burgstädt - den Taurasteinturm. Den hölzernen Vorgänger des Turms errichteten die Burgstädter 1889 mit einer Höhe von 32 Metern als Aussichtsturm. Der baufällige Turm wurde 1912 abgerissen. Im selben Jahr entstand ein neuer Turm mit einer Höhe von 39 Metern als Wasser- und Aussichtsturm. Dieser wurde bis 1996 von verschiedenen Wasserversorgern als Hochbehälter genutzt und danach aus baulichen und wirtschaftlichen Gründen stillgelegt. "Ich bin immer wieder begeistert von dem Bauwerk und der wunderschönen Aussicht auf unsere schöne Heimat", sagte Thea Doberitz aus Chemnitz, die in Burgstädt geboren ist. Sie erinnere sich noch gern an Ausflüge. Als 74-Jährige erkunde sie zum Denkmaltag gern die Türme in der Region. Am Fuße des Denkmales fand erstmals ein Kunst- und Kreativmarkt statt. Die Mühlauerin Katrin Orrell hatte die Idee für dieses Angebot. Sie selbst fertigt Taschen und andere nützliche Dinge aus gebrauchten Kleidungsstücken. "Eine tolle Idee mit diesem Markt", sagte Cornelia Müller von der Stadtverwaltung. Es soll deshalb eine Neuauflage geben. Zeichnungen, Drucke und Skulpturen zum Thema Holz präsentierte Tilmann Röhner in der Galerie im Turm. Die Ausstellung ist bis Ende Oktober täglich von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Die jüngeren Besucher konnten sich im Armbrustschießen und beim Malen ausprobieren.
Kirche Claußnitz: Nach mehrjährigen Bauarbeiten empfing das Gotteshaus erstmals wieder die Besucher. Für 320.000 Euro war das Kircheninnere im spätklassizistischen Stil saniert worden. "Wir haben die gesamte Bestuhlung, Emporen und den Fußboden erneuert", sagte Pfarrer Christian Schmidt. Grundlage der Restauration sei der Umbau der Kirche vor 160 Jahren gewesen. Passend zum Thema des Denkmaltages erläuterte Schmidt den Gästen den Neubau der Holzbänke. Diese seien bisher sehr unpraktisch gewesen. "Das hat seinen Grund", sagte Schmidt. So seien die Menschen früher kleiner gewesen, deshalb hätten sie weniger Sitzfläche gebraucht, die Lehne sei niedriger und der Abstand zum Fußboden geringer gewesen, fügte er hinzu. Die neuen Bänke seien jetzt bedeutend bequemer. Auch der Fußboden aus Rochlitzer Porphyr sei ausgebessert worden. Die Kirche bietet Platz für 900 Personen. Pfarrer Schmidt zeigte den Gästen am Sonntag bei Rundgängen auch das Dachgebälk aus dem Jahre 1513, das sonst nicht besichtigt werden kann. Die jüngsten Besucher konnten die Kirche in Miniaturformat aus Papier basteln oder ein Bild ausmalen, das ein Bleiglasfenster am Altar zeigt.

