Limbach-Oberfrohna wird Bushaltestellen nicht sanieren
Für Austausch zerstörter Glasscheiben fehlt das Geld
Limbach-Oberfrohna. Schutz vor Wind und Wetter bieten viele Haltestellen-Häuschen in Limbach-Oberfrohna nicht mehr. Nur, wenn es direkt von oben regnet, hält wenigstens das Dach den Regen ab. Besonders an Stationen außerhalb des Stadtzentrums fehlen Glasscheiben, andernorts sind Sitzbänke zerstört. Diesen für wartende Fahrgäste ungünstigen Zustand thematisierte CDU-Stadträtin Gabriele Hilbig in der Sitzung am vergangenen Montag. Konkret kritisierte sie die Haltestellen-Häuschen an der Wolkenburger Straße an der Kreuzung zwischen den Straßen nach Bräunsdorf, Kaufungen und Oberfrohna. Auf der einen Seite fehlen die Scheiben und die Werbevitrine komplett, auf der anderen im Beton-Häuschen ist von der Bank nur noch eine Leiste übrig. "Sitzen ist dort nicht mehr möglich, das ist gerade für ältere Menschen, die dort in der Siedlung wohnen, nicht tragbar", sagte Gabriele Hilbig.
Ersatz nicht finanzierbar
Bürgermeister Lothar Hohlfeld räumte ein, dass die Bewirtschaftung der Bushaltestellen ein schwieriges Thema sei. Die Werbeeinnahmen durch die Plakate gleichen demnach nicht die Kosten aus, die nach einer Zerstörung für die Sanierung anfallen würden. "Die Glasscheiben ständig wieder zu ersetzen, ist einfach nicht zu leisten", so Hohlfeld. Die Reinigung der Haltestelle sowie die Leerung der Papierkörbe werde allerdings zwei Mal wöchentlich vom Bauhof der Stadt übernommen. Zur kaputten Bank in dem Beton-Häuschen an der Wolkenburger Straße sagte der Bürgermeister: "Den Hinweis nehme ich mit und werde für Abhilfe sorgen."
Die Wartehäuschen betreut die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Werbeagentur Reichert aus Limbach-Oberfrohna. Geschäftsführer Oliver Reichert bestätigt, dass man sich darauf geeinigt habe, die kaputten Scheiben an vielen Stationen nicht mehr zu ersetzen. "Wir sind einfach nicht mehr nachgekommen. Pro Jahr wurden zwischen 30 bis 40 Scheiben und mehrere Vitrinen zerstört", sagt er. "Wenn wir die Scheiben an Stationen in den Ortsteilen ständig austauschen würden, kommen eine Woche später erneut Randalierer vorbei und zerstören sie wieder", sagt der Geschäftsführer. Ein kompletter Wechsel aller vier Scheiben und der Glasvitrine für Werbe-Plakate in einem Wartehäuschen kostet laut Reichert an die 5000 Euro. Alternativen wie Holz oder Plexiglas würden allerdings nichts bringen. Holz würde zerkratzt oder angegokelt und Plexiglas sei bedeutend teurer. Außerdem könne es trotzdem besprüht und zerkratzt werden.
Verkauf nur schwer möglich
Eine Versicherung für die Haltestellen-Häuschen habe er nicht. "Die hat sich nach den ersten drei Jahren verabschiedet", so Reichert. Gemeinsam mit der Stadt habe er auch versucht, die Wartehäuschen über die städtische Versicherung abzusichern, aber auch die habe abgelehnt, für mögliche Schäden an Wartehäuschen zu haften.
Das gesamte Geld, was er für den Verkauf von Plakat-Werbung an den Haltestellen einnehme, müsse er für die Sanierung ausgewählter Orte ausgeben. "Für uns als Werbefirma ist das ein Zuschussgeschäft", sagt er. Bei der Sanierung habe man sich auf das Zentrum konzentriert, damit wenigstens die dortigen Stationen ein schönes Bild abgeben. So würden beispielsweise im Wartehäuschen am Gaswerk die Gläser ausgetauscht, obwohl auch dort regelmäßig Scheiben eingeschmissen werden, sagt der Geschäftsführer.
Die Haltestellen an einen großen Vermarkter zu verkaufen, wie es in vielen Großstädten der Fall ist, funktioniere in Limbach-Oberfrohna nicht, erklärt Reichert weiter. Vor 18 Jahren habe er sich mit der Stadt dafür entschieden, die Vitrinen für kleinere Plakat-Formate entwickeln und bauen zu lassen, die nicht der Plakat-Größe der Großvermarkter entsprechen. Ein Grund dafür sei, dass an manchen Standorten für Haltestellen nicht ausreichend Platz für große Vitrinen ist.


