Baustelle Auf dem Grundstück an der Jagdschänkenstraße, auf dem die IAV ihr neues Entwicklungszentrum errichten wollte, baut mit dem Fassadenelemente-Hersteller Schrag nun ein anderer. Der Stadtrat hatte es abgelehnt, den Kaufvertrag mit Schrag zu annullieren. Die IAV investiert daher in Stollberg.

Foto: Andreas Seidel

Millionen-Investition geht an Chemnitz vorbei

Auto-Entwickler IAV wird außerhalb der Stadtgrenze investieren

Chemnitz. Die Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) wird ihr geplantes neues Entwicklungszentrum nicht in Chemnitz errichten. Wie das Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin am Donnerstag bekannt gab, soll der Neubau in Stollberg nahe der Autobahn 72 erfolgen. Allerdings soll Chemnitz Bestandteil des Namens der Niederlassung bleiben - auch künftig wird man als IAV Chemnitz firmieren, sagte Betriebsleiter Andreas Singer der "Freien Presse". Auch der Sitz der Niederlassung soll an der Kauffahrtei im Stadtteil Altchemnitz bestehen bleiben. Allerdings wird das Unternehmen weitere dort angemietete Hallen und Büroflächen schrittweise aufgeben.

Geplant ist, bis zum Jahr 2020 in Stollberg auf einem 7,3 Hektar großen Areal mehrere Hallen mit Testeinrichtungen, Laboren und Prüfständen zu bauen. Im ersten Bauabschnitt werden bis 2014 annähernd 30 Millionen Euro investiert. Bis dahin sollen in Stollberg rund 150 Arbeitsplätze entstehen. Derzeit beschäftigt die IAV in Chemnitz rund 600 Mitarbeiter, 80 Prozent davon sind Ingenieure. Geplant ist, das neue Entwicklungszentrum in acht Jahren vollständig fertig zu stellen. Dann soll die Chemnitzer Niederlassung des Automobil-Entwicklers insgesamt rund 1000 Beschäftigte haben, die meisten davon am Standort Stollberg.

Grundstück

Foto: Tilo Steiner

Um die Pläne für den Neubau hatte es zuletzt Streit im Chemnitzer Stadtrat gegeben. Das Gremium hatte den Vorschlag der Verwaltung abgelehnt, an das Unternehmen ein etwa sieben Hektar großes Grundstück an der Jagdschänkenstraße in Siegmar zu veräußern. Ein Teil dieses Areals war kurz zuvor an einen mittelständischen Fassadenelemente-Hersteller verkauft worden. Da die IAV das Grundstück nur komplett erwerben wollte, hätte dieser Kaufvertrag wieder rückgängig gemacht werden müssen, was laut Rathausspitze juristisch unproblematisch gewesen wäre. Dennoch lehnte eine Mehrheit das Ansinnen ab, weil die Räte dann nach eigenem Bekunden ihre Glaubwürdigkeit gefährdet gesehen hätten.

Der Betriebsleiter der Chemnitzer IAV-Niederlassung, Andreas Singer, bedauerte am Donnerstag noch einmal das Votum des Stadtrates. "Wir waren froh, dass wir in Chemnitz ein Grundstück gefunden hatten", sagte er. Die Entscheidung des Rates habe ihn betroffen gemacht. Zugleich betonte er, dass die IAV in die Industrieregion Chemnitz investiere. "Wir stärken damit den südwestsächsischen Wirtschaftsraum", erklärte er. Außerdem freue er sich, fügte er hinzu, dass der Traditionsstandort Kauffahrtei für das Unternehmen erhalten bleibe.

Die IAV ist ein weltweit agierender Ingenieurdienstleister mit drei Entwicklungszentren in Deutschland (Berlin, Gifhorn und Chemnitz). Hauptgesellschafter ist die Volkswagen AG. Schwerpunkte der Niederlassung in Chemnitz sind die Entwicklung von Motoren und Antrieben sowie von Fahrzeug-Assistenzsystemen.

 
erschienen am 09.08.2012 ( Von Swen Uhlig )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
8
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  • 16.08.2012
    09:04 Uhr

    Exilerzgebirgler: Als bebürtiger Stollberger freue ich mich über die Entscheidung des Unternehmens
    und begegne den Chemnitzern natürlich nicht ohne ein bisschen Schadenfreude.
    Ich lebe nur seit 5 Jahren in der Nähe von Stuttgart und verfolge täglich die Neuigkeiten in der Heimat.
    Leider muss ich zu dem Thema, zugegebenermaßen sicherlich auch etwas kontrovers und hoffentlich nicht
    arrogant sagen, typisch Osten, Prinzip des Marktes nicht verstanden, setzen Note sechs.
    Chemnitz hat ca. 10% Arbeitslose und die Gewerbeflächen gehen aus? Wo bitte sollen diese Leute den ggf. arbeiten? Ich glaube wir begrüßen bald noch mehr Berufspendler am Sonntag Nachmittag und Freitag Abend auf der A72 nach bzw. von Bayern.
    Wie kann man nahezu 1000 (bis 2020 geplant, aktuell 650 vorhanden) innerstädtische, hochqualifizierte, mit den Nahverkehrsmitteln erreichbare Arbeitsplätze für einen potenziellen (nicht vorhandenen) Rechststreit ohne anbieten eines Ausgleichs aufgeben?!
    Mindestens diese Frage sollte bei der CWE erlaubt sein.
    @Hacketoni: glauben Sie mir, der Stollberger Bürgermeiser und auch noch andere Bürgermeister/innen der um Chemnitz umliegenden Gemarktungen haben sehr wohl ihre Hausaufgaben und Angebote an das Unternehmen gemacht. Und ich gebe Ihnen erneut Recht, die wahren Randfichten sitzen wohl in Chemnitz ;-)
    P.S. zum Stadtfest gibts Freiberger und Radeberger...lecker!

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  • 13.08.2012
    09:29 Uhr

    ChemB: Hier wird doch massiv Wahlkampf betrieben, kann mir doch keiner sagen, dass IAV Jahre in Chemnitz sucht und dann holter die Polter in Stollberg was findet. Hier wird gezieht gegen die OB geschossen und ganz komisch ist, dass ich in den letzten Wochen keinen einzigen Kommentar von IAV zu lesen bekommen habe - ja außer jetzt.
    Da steckt wohl viel mehr dahinter - gelle ;-)

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  • 12.08.2012
    21:21 Uhr

    sludwig: Die CWE sieht es offensichtlich nur als ihre Aufgabe die Wirtschaft in Stollberg und Freiberg zu fördern-aber warum müssen wir Chemnitzer die CWE unterhalten? Wenn die Stadt kein Geld hat, sollte sie es sich bei denen holen, die von der Arbeit der CWE profitieren!

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  • 11.08.2012
    20:11 Uhr

    Hacketoni: Wieder einmal hat es Chemnitz geschafft, große Investoren mit ihrer Kleinbürgerlichkeit zu vergraulen. Die kleinen Randfichten aus Stollberg wissen wahrscheinlich garnicht woher des Glückes. Oder haben Sie einfach nur ihre Hausaufgaben gemacht und die wahren Randfichten sitzen hier in Chemnitz. Fakt ist, daß fast bei jeder Entscheidung hier in Chemnitz die Gebrüder Provinzgehabe, Vetternwirtschaft, Unwissenheit, Kleinbürgertum und Angsthasen, immer alle mit im Boot sitzen. Sorry, aber wo sind denn hier endlich mal Leute mit Grips und Eier. Wieviele Großinvestoren zogen schon in der Vergangenheit an Chemnitz vorbei und wieviele werden es noch in der Zukunft tun bis Chemnitz aufwacht. DER FISCH FÄNGT VOM KOPF AN ZU STINKEN....Wann werden endlich in Chemnitz ein paar Köpfe gewaschen?

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  • 10.08.2012
    18:09 Uhr

    ramon: Rechtssicherheit sollte nie wirtschaftlichen Interessen geopfert werden. Allerdings hätte Schrag sicher bei einem wirtschaftlich interessanten Angebot auf die Fläche verzichtet. Wenn die Verwaltung und Herr Geissler dem Unternehmen allerdings mit Arroganz und mangelnder Flexibilität gegenübertreten und letztendlich sogar der Verkauf annulliert werden soll, ist von Schrag sicherlich kein Einlenken zu erwarten. Diese Frechheit würde ich mir auch nicht bieten lassen.

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