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Dima Hussein Alkoumeh (27) absolviert in der Apotheke von Thorsten Hoter in der Chemnitzer Innenstadt ein Praktikum. Dass die Pharmazeutin aus Syrien Kopftuch trägt, damit haben ihr Chef und ihre Kollegen kein Problem. Aus der Kundschaft allerdings gab es Beschwerden.

Foto: Andreas Seidel

Mit Kopftuch hinterm Ladentisch: Junge Frau wird angefeindet

Eine Pharmazeutin aus Syrien absolviert in einer Chemnitzer Apotheke ihre Fortbildung. Kunden reagieren irritiert. Doch ihr Chef steht hinter ihr.

Von Jana Peters und Michael Müller
erschienen am 14.02.2017

Der Chemnitzer Arbeitsmarkt hat schon deutlich schlimmere Zeiten erlebt. Aktuell gibt es im Grunde nur eine Personengruppe, die steigende Erwerbslosenzahlen aufweist: Ausländer. Sie machen mittlerweile knapp 15 Prozent aller Arbeitslosen in Chemnitz aus. "Durch den Zugang von Geflüchteten und die zügigere Bearbeitung ihrer Asylanträge ist auch die Zahl der arbeitslosen Ausländer gestiegen", erläutert Agenturchefin Angelika Hugel. Doch bei allen Problemen, die es nicht zuletzt aufgrund fehlender Sprachkenntnisse gebe: Erste Erfolgsbeispiele zeigten, dass die Integration auf den Arbeitsmarkt möglich sei, so Hugel.

Dima Hussein Alkoumeh darf wohl als eines dieser Positiv-Beispiele gelten. Die 27-Jährige ist studierte Pharmazeutin, floh vor dem Bürgerkrieg in Syrien nach Deutschland. Seit Dezember absolviert die verheiratete Mutter eines kleinen Kindes ein Praktikum in einer Chemnitzer Apotheke. Meistert sie ihr drittes Staatsexamen erfolgreich, steht ihr ein dauerhafter Aufenthalt in Deutschland in Aussicht.

"Sie ist sehr engagiert", sagt Thorsten Hoter, der Inhaber der Delphin-Apotheke in der Innenstadt. Bei ihm hatte Dima Hussein Alkoumeh ihre Bewerbung eingereicht - in deutscher Sprache, mit beglaubigter Übersetzung eines Zeugnisses der Universität Aleppo. Kein außergewöhnlicher Vorgang, wie Hoter betont. "Es bewerben sich viele. Das sind die Fachkräfte, die wir brauchen." Apotheker würden "händeringend gesucht".

Hoter hofft, dass die junge Frau nach Abschluss ihrer Ausbildung weiterhin bei ihm arbeiten wird. Er hat gute Erfahrungen mit Migranten gemacht, sagt er. "Sie können auch jene Kunden sehr gut beraten, denen die deutsche Sprache noch nicht so sehr vertraut ist." Das habe sich bereits Ende der 1990er-Jahre gezeigt, bei aus Russland eingewanderten Deutschen. Ihnen sei die russische Sprache bis heute oft viel geläufiger als die deutsche, so Hoter.

Mittlerweile gehören Mitarbeiter aus der Ukraine, Weißrussland, Polen und dem Iran dem 50Beschäftigte zählenden Team an, mit dem Thorsten Hoter zwei Apotheken betreibt. Doch Dima Hussein Alkoumeh ist ein besonderer Fall. Die junge Frau trägt einen Hidschab, ein traditionelles islamisches Kopftuch. Auch während ihrer Arbeit hinterm Ladentisch der Apotheke.

Thorsten Hoter und seine Mitarbeiter haben damit kein Problem. So mancher Apothekenkunde aber offenbar umso mehr. "Ich war ziemlich schockiert, als ich vor kurzem im Briefkasten den handgeschriebenen Zettel einer Kundin fand", schildert der 50-Jährige, der ursprünglich aus Hessen stammt. Die ältere Dame schrieb, es sei ihr "unangenehm, dass mich eine Ihrer Angestellten im Kopftuch bedient". Sollte sich dies wiederholen, werde sie die Apotheke wechseln. "Wer bei uns leben und arbeiten will, muss sich schon unserer Kultur anpassen."

Dima Hussein Alkoumeh haben diese Worte sehr verletzt. Der Tag, an dem der Brief verfasst wurde, war ihr Geburtstag. Sie erinnert sich, dass an jenem Tag auch eine Kundin in dem Geschäft war, die sagte, sie wolle nicht in einer Apotheke sein, "in der solche Leute herumlaufen". Der Vorfall habe sie sehr deprimiert, schildert die 27-Jährige. "Soll ich etwa zu Hause bleiben? Wie soll ich da leben?", fragt sie.

Es verlange ihr viel Mut ab, vor Kunden zu stehen, so die junge Syrerin. Sie lerne hart und versuche täglich, ihren deutschen Wortschatz zu erweitern. Der Vorfall sei zwar die erste verbale Anfeindung gewesen, aber es gebe viele Kunden, die sich lieber von ihren Kollegen bedienen lassen, wenn sie die junge Frau mit dem Kopftuch sehen. Warum das bunte Tuch für manche Menschen zum Stein des Anstoßes wird, könne sie nicht verstehen. Am Arbeitsplatz solle doch nur Leistung zählen, nicht Politik oder Religion.

"Wir lassen uns das nicht gefallen", sagt ihr Chef Thorsten Hoter. Er vermutet, dass manche Menschen mit dem Kopftuch mangelnde Kompetenz verbinden. Er aber sei er sehr froh, Hussein Alkoumeh im Team zu haben. "Die beste Integration passiert durch Taten und Arbeitsplätze", so der Pharmazeut. Dass die ältere Dame mit dem Zettel nicht mehr in seiner Apotheke einkaufen möchte, sorgt ihn nicht. "Sie ist bei uns definitiv nicht willkommen."

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
76
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 21.02.2017
    18:08 Uhr

    Schinderhannes: Kommen den an der Kammloipe auch DDR-Assis vorbei? Was machen die da?

    6 3
     
  • 21.02.2017
    16:31 Uhr

    aussaugerges: Ich kenne viele Assis aus DDR Zeiten.
    Die zu recht eingesessen haben.
    Geben sie auch zu.

    4 6
     
  • 21.02.2017
    14:08 Uhr

    Schinderhannes: @ "Hinterfragt":

    Zum Arzt müssen hier ganz andere. Wenn Sie wirklich mal hinter die Kulissen schauen, was die DDR für ein Verbrechstaat war, würden sie ganz anders denken.
    EK-Bewegung. Schmutz, Dreck, Grau, Torgau, Scharfenstein rundes Ecke, Bauten, Hohenschönhausen, Hoheneck und s.w.

    8 4
     
  • 21.02.2017
    12:58 Uhr

    Hinterfragt: @Schinderhannes:
    "...Wahrscheinlich waren Sie noch ein stolzer FDJler...."

    Würde ich "nein" sagen, würde ich lügen. Ich habe es getragen genau so, wie unsere Bundeskanzlerin.

    Und wegen Ihrer Phobie gegen die ehem. DDR und alles, was mit ihr zusammenhängt, sollten Sie wirklich dringend med. Hilfe suchen!

    5 6
     
  • 21.02.2017
    11:46 Uhr

    Schinderhannes: @ "Hinterfragt"

    Es ist mir erst einmal egal, was Sie von mir denken. So. Weiterhin frage ich mich, wieso Sie immer das FDJ-Hemd mit Syrien in Verbindung bringen.
    Ich wollte Ihnen nur vorzeigen, dass Sie sich über eine junge Frau mit Kopftuch aufregen, welche meinetwegen damit auch Ihren Glaube ausdrückt, aber über die Kommunistischen FDJ-Hemden haben Sie sich damals nicht aufgeregt. Sehen Sie, das ist der Unterschied zwischen uns. Sie haben das Hemd getragen und ich nicht. Wahrscheinlich waren Sie noch ein stolzer FDJler.
    Lassen Sie die junge Frau in Frieden, nur wegen so einem Kopftuch. Sie wissen nicht, was sie in Syrien durchgemacht hat und ist dabei sich bestens zu integrieren...

    8 3
     

 
 
 
 
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