Mitten im Winter kein warmes Wasser

Wegen defekter Pumpe sind Leitungen an der Marie-Tilch-Straße vier Tage lang kalt geblieben

Chemnitz. Der Ärger war im Gesicht von Ingolf Helbig abzulesen, nachdem er am Montag den Warmwasserhahn in seinem Badezimmer aufgedreht hatte. Denn anstatt sich wie gewohnt zu erhitzen, blieb die Wassertemperatur konstant bei den im Winter üblichen sechs bis acht Grad über Null. "Ich hatte natürlich gehofft, dass das Problem nur kurzzeitig besteht", so der Anwohner der Marie-Tilch-Straße 69.

Doch diese Hoffnung bewahrheitete sich nicht. Denn zwei Tage später war das Wasser in Ingolf Helbigs Wohnung noch immer kalt - so wie in jeder anderen Wohnung des Wohnblocks Marie-Tilch-Straße 63 bis 71, einem Fünfgeschosser im südlichen Hutholz. "Gerade wenn man, wie ich, einen kranken Mann zu pflegen hat, ist das wirklich problematisch", ärgert sich Bewohnerin Heidrun Schreiber. Ingolf Helbig pflichtet ihr bei: "Mich hat vor allem gestört, auf das Duschen verzichten zu müssen, das nun einmal jeden Tag dazu gehört. Aber noch schlimmer ist es natürlich für Familien mit kleinen Kindern, von denen es in unserem Block sehr viele gibt".

Erlösung am Donnerstagabend

Gleich nach dem Auftreten des Problems hatte sich Helbig sowohl an den Gebäudeverwalter sowie an den zuständigen Strom-, Gas- und Wasser-Versorger Eins gewandt. Aber erst am späten Donnerstagnachmittag, vier Tage nach dem Auftreten des Problems, begann das warme Wasser schließlich wieder zu fließen. Warum die lange Zeitspanne?, fragten die Bewohner des Blocks, bei denen es sich überwiegend um Besitzer von Eigentumswohnungen handelt. Sie vermuten als Grund Probleme bei der schnellen Beschaffung einer neuen Pumpe.

Eine solche sei im Keller des mittleren Eingangs, Hausnummer 65, ausgefallen - der Grund für die Havarie. Doch im eigenen Lager hätte das Unternehmen kein Ersatzgerät parat gehabt und dieses deswegen erst beim Großhandel bestellen müssen, was mehrere Tage in Anspruch genommen habe. Der Versorger Eins konnte diese Erklärungsansätze am Freitag auf "Freie-Presse"-Anfrage allerdings nicht bestätigen. Auch beim Gebäudeverwalter gab es keinerlei Auskünfte: Die Hausverwalterin war am Freitag nicht zu erreichen.

"Früher weniger empfindlich"

Nicht alle Bewohner des Wohnblocks wollen indes in den Kanon der Verärgerung einstimmen. "Eigentlich ist das doch ein Wohlstandsproblem. Früher, in meiner Jugend, ist man da ein ganzes Stück weniger empfindlich gewesen", sagt Gerald Lämmel. Um Wasser zu erhitzen habe er an den betreffenden Tagen einfach einen Tauchsieder benutzt.

 
erschienen am 13.01.2012 ( Von Jürgen Werner )
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