Entwicklungsingenieur Kathrein-Entwicklungsingenieur Walter Behnke kontrolliert in einer Messkabine ein neues Lesegerät, das die Schranke eines Parkhauses aktivieren kann. Er leitet die Forschungsabteilung mit zwölf Mitarbeitern.

Foto: A. Seidel

Mühlauer bauen schlaue Antenne

Wirtschaftswissenschaftler wählen Kathrein zu den 100 innovativsten Mittelstands-Unternehmen

Mühlau. Die Elektronik-Firma Kathrein aus Mühlau kann dieses Jahr erstmals ihren Umsatz mehr als zur Hälfte über neue, innovative Produkte erzielen. 25 Millionen Euro sind geplant, voriges Jahr lag er bei 24 Millionen Euro. Der nach Angaben von Geschäftsführer Andreas Zwißler bundesweite Marktführer von sogenannten RFID-Geräten und Antennen erreicht das durch die 151 kreativen Köpfe in seinem Unternehmen. "Wir haben ein gutes Innovationsklima", sagt Zwißler. Es sei nicht nur die Abteilung Forschung und Entwicklung dabei eingebunden, sondern jeder Mitarbeiter. Jährlich werden dafür rund eine Million Euro investiert. Drei Neuerfindungen sind in den vergangenen zwei Jahren neu entstanden und werden jetzt bundesweit verkauft. "Freie Presse" stellt sie vor.

Schlaue Antenne: Kathrein hat eine neue Generation von Lesegeräten entwickelt. "Damit werden Daten leichter erkannt und erfasst", erklärt der Chef des Entwicklungs-Teams, Walter Behnke. Das System bestehe aus einem sogenannten Transponder, der sich an einem Gegenstand befindet und einen Code enthält sowie einem Lesegerät zum Auslesen dieser Kennung. Behnke erklärt die spezielle Funktionsweise für Parkhäuser. Diese Neuheit hat er zum Patent angemeldet. 60 Stück sind seit wenigen Wochen in allen Parkhäusern von Aachen im Einsatz. "Wer Dauerparker ist, kann jetzt problemlos mit seinem Auto durch eine Schranke fahren, ohne dass er aussteigen oder einen Chip in einen Automaten stecken muss", ergänzt der gelernte Informationstechniker. An der Windschutzscheibe sei etwa ein Zehn-Cent-Stück großer Transponder angebracht. Dieser besteht aus einem Mikrochip und Antenne. Fährt das Auto an die Schranke, fügt er hinzu, erkennt das Lesegerät das Auto mit Nummernschild, Farbe und anderen Details. "Die Daten sind in einem Computer erfasst und so wird erkannt, dass der Autofahrer seinen Dauerparkplatz bezahlt hat. Damit kann er problemlos ins Parkhaus fahren." Schon in einer Entfernung von zehn Metern sei das möglich. Insgesamt sind 200 RFID-Systeme bundesweit im Einsatz. Wie bei der Schranke vor Parkhäusern funktioniert auch die Einfahrt auf Fähren auf Sylt an der Nordsee. Verkauft wird eine solche schlaue Antenne etwa für 1400 Euro. Die neue Generation von Lesegeräten löst herkömmliche Datenträger - sogenannte Barcodes - ab. Diese werden beispielsweise in Supermärkten an der Kasse verwendet, wo verschiedenen parallele Striche und Lücken Aufschluss über die Ware geben.

Nachrüst-Satz für Heizungen: Ganz anders sieht die Erfindung von Thomas Ullmann aus. Der 46-jährige Steuerungstechniker hatte sich zu Hause über die Wasserverschwendung geärgert. "Es dauerte zu lange, bis das Wasser, das aus der Leitung kam, warm wurde", erklärt er. Das Teil sieht recht einfach aus wie eine Verlängerungsschnur mit Steckdose. "Drin steckt eine Hochfrequenzschaltung, die die Warmwasserpumpe an der Heizung dann einschaltet, wenn der Wasserhahn aufgedreht wird", sagt er. Bei modernen Heizungen würde das automatisch erfolgen, bei Heizungen älteren Typs sei das zeitversetzt. Der praktische Nachrüst-Satz sei jetzt zum Patent angemeldet worden.

Papierlose Produktion: Die Kathrein-Mitarbeiter haben ein spezielles Computer-Programm entwickelt, das den Papierverbrauch um 100 Prozent senken kann, sagt Geschäftsführer Zwißler. "Unser Versuch läuft erst ein halbes Jahr, die Papiereinsparung liegt jetzt schon bei 75 Prozent", ergänzt er. Der erste Fertigungsbereich von Kathrein sei auf die neue Technik umgestellt. Die weiteren fünf Bereiche sollen dieses Jahr folgen, so Zwißler. In Mühlau werden Leiterplatten, also Träger für elektronische Bauteile, hergestellt. Nahezu jedes elektronische Gerät erhält eine oder mehrere Leiterplatten. "Bisher wurden die Platten von einem Mitarbeiter visuell überprüft. Die Schaltungen wurden mit den Zeichnungen, die sich auf vielen Seiten Papier in einem Ordner befinden, verglichen", erklärt Zwißler. Das entfalle jetzt. Die Zeichnungen sind online auf dem Bildschirm abrufbar. "Das funktioniert so ähnlich wie ein I-Pad."

 
erschienen am 09.08.2012 ( Von Bettina Junge )
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