Besucher des Straßenbahnfestes konnten am Wochenende auch im historischen Triebwagen 169 aus dem Jahr 1919 mitfahren.
Foto: Andreas Seidel
Museum fürchtet um Gleisanschluss
Für Einrichtung in Kappel gibt es Umbaupläne, die bisher aber alle am fehlenden Geld scheiterten
Chemnitz. Chemnitz. Die Erweiterung der Schmalspurbahn-Strecke und die Sanierung des Hallendaches - das sind Uwe Wilhelm, Sprecher des Vereins Straßenbahnfreunde, zufolge die wichtigsten Aufgaben für das Straßenbahnmuseum in Kappel. Außerdem will das Museum mit Feiern und Konzerten auf sich aufmerksam machen. Das sagte Wilhelm am Randes des Kappler Straßenbahnfestes am Wochenende.
Zur neunten Auflage des Festes pilgerten Samstag und Sonntag nach Museumsangaben etwa 5500 Besucher auf das Gelände an der Zwickauer Straße. Sie konnten unter anderem in einer historischen Straßenbahn mitfahren, in einem umgebauten Straßenbahn-Beiwagen speisen und Stadtrundfahrten mit einem Ikarus-Oldtimer-Bus unternehmen. Ein Höhepunkt des Festes war das Straßenbahn-Tauziehen am Sonntagnachmittag: Nur mit Muskelkraft zogen Gruppen von vier bis acht Personen einen 18,5 Tonnen schweren Tatra-Triebwagen über eine Distanz von 20 Metern.
Betrieben wird das Museum von der Arbeitsgemeinschaft Straßenbahnfreunde Chemnitz. Eigentümer des Grundstücks ist der städtische Nahverkehrsbetrieb CVAG. Weil das Unternehmen die nicht vom Museum genutzte Fläche westlich der beiden Museumshallen gern veräußern möchte, sieht man im Verein die Anbindung an das Straßenbahnnetz der Stadt gefährdet, sagt Wilhelm. "Wenn ein Investor das Areal kauft, ist die Anbindung eventuell weg." Deswegen sei es Ziel des Vereins, eine direkte Anbindung der im Osten gelegenen Museumshallen an die nördlich verlaufenden Gleise zu erhalten. Dazu müsste zwischen den Haltestellen Kappler Drehe und Feldschlößchenbrücke ein Abzweig gebaut werden. Es gebe dafür bereits Pläne, aber noch kein Konzept, sagt der Vereinssprecher. Ein anderes Ziel sei die Verlängerung der Strecke für die Schmalspurbahn. Derzeit pendeln die Schmalspurbahnen auf einer Länge von 96 Metern, dieses Gleis wolle man gerne verlängern. Eine Erweiterung des Museumsgeländes sei hingegen nicht nötig: "Dann wäre das Museum zu unübersichtlich."
Um die Einrichtung attraktiver zu machen, will der Verein auf Veranstaltungen setzen. Laut Wilhelm soll die Fläche für Events zur Verfügung gestellt werden, bereits im Herbst könnte es ein erstes Konzert im Außengelände geben. Für derartige Veranstaltungen im Gebäude selbst müsste der Brandschutz verbessert werden. Dazu gehöre die Sanierung des Daches. Allerdings sei man auf finanzielle Hilfen angewiesen. Ein Großteil der Arbeit im Museum erfolge ehrenamtlich, sagt Wilhelm. Die Stadt Chemnitz finanziere außerdem eine Teilzeit- und eine sogenannte Kommunal-Kombi-Stelle, dazu kämen Spenden.
Auch die CVAG unterstützt das Museum nach Angaben von Unternehmenssprecher Stefan Tschök mit Sachmitteln in Höhe von etwa 50.000 Euro jährlich. Dazu gehörten beispielsweise Werkzeuge für die Restaurierung der Straßenbahnen. Zudem übernehme das Unternehmen Sanierungsarbeiten im Gebäude und stelle dem Verein das Gelände. Die vom Museum gewünschte Dachsanierung sei aber für dieses Jahr noch nicht fest eingeplant. Bei der CVAG freue man sich, so Tschök, dass der Verein das Museum führe, könne aber auch nicht mehr tun: "Das Museum ist nicht unser Kerngeschäft." Er bestätigte außerdem die Absicht der CVAG, Teile des Geländes zu veräußern. Allerdings gehöre das Museumsgebäude nicht dazu. Bisher gebe es Verhandlungen mit einem Investor.
Die Festbesucher am Wochenende stellten dem Museum ein positives Zeugnis aus. "Mir imponieren die historischen Fotos", sagte Helga Bieber. Heike Böhm gefielen besonders die Fahrten in historischen Straßenbahnen: "Es ist toll zu erleben, mit welchen Bahnen die Chemnitzer früher unterwegs waren."

