Orgelpfeife In der Kirche Taura wird die Schmeißer Orgel, die 1920 eingebaut wurde, saniert. Pfarrer Thomas Alberti zeigt mit 2,30 Metern Länge eine der größten Orgelpfeifen, die ausgebaut wurden. Die Orgel besteht aus 1400 Pfeifen, die Sanierung kostet 40.000 Euro.

Foto: Andreas Seidel

Orgeln pfeifen auf dem letzten Loch

Weil Instrumente ihre Klangkraft zu verlieren drohen, tragen Kirchgemeinden in der Region Geld für die Restaurierung zusammen

Limbach-Oberfrohna/Burgstädt . So manche alte Orgel in den Kirchen im Chemnitzer Umland muss dringend saniert werden. Doch für ihre notwendige Erneuerung fehlt den meisten Kirchgemeinden das Geld. Fördermittel und Eigeninitiative sollen aus der Misere helfen. "Freie Presse" hat in Kommunen nachgefragt, in welchem Zustand die Orgeln sind und wie sie erhalten werden sollen.

St.-Moritz-Kirche Taura: Rund 40.000 Euro wird das Überholen der Orgel in der St.-Moritz-Kirche in Taura kosten. "Das ist sehr viel Geld für eine kleine Gemeinde mit rund 800 Kirchenmitgliedern", sagt Pfarrer Thomas Alberti. Doch das mehr als 90 Jahre alte Instrument aus der Werkstatt von Alfred Schmeißer bedarf dringend einer Reparatur. Seit etwa zwei Jahren sammelt die Kirchgemeinde Geld für dieses Vorhaben. Jetzt haben die Arbeiten begonnen. Doch im Budget klafft noch eine Lücke. Rund 25.000 Euro Spendengelder sind laut Alberti bisher zusammengekommen. Die Landeskirche habe zudem einen Zuschuss im vierstelligen Bereich in Aussicht gestellt. Da die Summe noch nicht reicht, ist jetzt eine Aktion zum Verkauf von Klappkarten angelaufen. "Die Karten zeigen Motive aus dem Inneren unserer Kirche wie Details der Bleiglasfenster", erklärt Alberti. Der Erlös aus der Verkaufsaktion fließe in die Reparatur der Orgel. "Für unsere Dorfkirche ist die Orgel mit weit über 1000 Pfeifen etwas Besonderes", sagt Alberti. Während das Instrument restauriert wird, sollen auch zwei Bleiglasfenster überholt werden, die bisher nicht zugänglich waren. Das wird zusätzlich rund 9000 Euro kosten. Dem Pfarrer ist klar, dass es ein Risiko ist, Aufträge auszulösen, bevor noch nicht geklärt ist, woher das Geld zum Bezahlen der Rechnungen kommt. Der Zustand der Orgel habe sich aber rapid verschlechtert. Deshalb sei es an der Zeit für eine Generalüberholung.

Kirche Neukirchen: Die Gemeinde hat es inzwischen geschafft. Seit dem Advent 2011 ist die generalüberholte Jehmlich-Orgel aus dem Jahr 1932 laut Kantorin Leonore Bauch wieder zu hören. "Wir nutzen sie für den Gottesdienst und auch um Kindern das Instrument zu erklären", sagt Bauch. Vor vier Jahren war die Orgel in einem so maroden Zustand, dass sie abgebaut werden musste. Das geschah während der Sanierung des Gotteshauses. Erst 2011 kam die Orgel an die Reihe. 60.000 Euro waren nach Angaben von Pfarrer Kay Weißflog für die Restaurierung der Orgel und ihres barocken Holzkörpers veranschlagt worden. Da die Firma Jehmlich heute in Dresden in fünfter Generation tätig ist, sollte sie mit der Erneuerung des Instruments beauftragt werden. Es hat geklappt. Allerdings war zuvor jahrelang um die Finanzierung gerungen worden. Nach etwa zwei Jahren hatte die Kirchgemeinde erst 12.000 Euro an Spenden gesammelt. Dann nahm die Spendenbereitschaft deutlich zu. Es kamen nach Angaben aus dem Büro der Kirchgemeinde mehr als 38.000 Euro zusammen. Die Stiftung Sparkasse Erzgebirgskreis gab weitere 2000 Euro. Zu den Gesamtkosten für die Restaurierung von Orgel und Gehäuse, die sich letztlich auf 75.000 Euro summierten, trugen zudem der Denkmalschutz des Erzgebirgskreises mit 19.000 Euro und die Landeskirche mit 16.000 Euro bei.

Lutherkirche Kändler: Geldmangel ist der Grund, weshalb Reparaturen an Orgeln oft seit Jahren verschoben werden. Bei einer 1902 erbauten und 1991 sanierten Orgel mit 1052 Pfeifen in der Lutherkirche in Kändler hatte Kantor Thomas Schuster 2010 Reparaturbedarf festgestellt. Alle zehn Jahre müsse das Instrument zudem grundlegend gewartet und neu eingestellt werden. Das koste 1000 Euro. Bisher sind die Arbeiten allerdings nicht ausgeführt worden. "Wir konzentrieren uns derzeit auf den Neubau des Gemeindehauses im Limbach", so Schuster. Danach komme die Heizung in der Kirche in Oberfrohna an die Reihe. An den Instrumenten werde deshalb in den nächsten drei Jahren nur das Nötigste gemacht.

Lutherkirche Oberfrohna: Die Lutherkirche in Oberfrohna hat nach Einschätzung des Kantors ein außergewöhnlich gutes Instrument. Die Jehmlich-Orgel stamme aus den 1980er-Jahren, so Schuster. "Eine gute Orgel funktioniert 150 bis 200 Jahre." Ebenfalls "klanglich und technisch in bester Ordnung" ist nach einer Überholung die Orgel in der Stadtkirche.

Stadtkirche Burgstädt: Die Orgel der Burgstädter Stadtkirche braucht hingegen eine Instandsetzung. Sie pfeift zwar noch lange nicht auf dem letzten Loch. "Dafür sorgen wir mit regelmäßiger Wartung", sagt Pfarrer Dietmar Saft. Bei einer Überprüfung war jedoch schon vor mehreren Jahren aufgefallen, dass der mit Spezialleder überzogene Blasebalg porös wird. Eine Instandsetzung kostet laut Saft zwischen 5000 und 7000 Euro.

 
erschienen am 11.07.2012 ( Von Rita Türpe )
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