Landtagsabgeordneter Peter Patt, Landtagsabgeordneter der CDU.

Foto: CDU/Archiv

Peter Patt kritisiert Bündnis zum 5. März

Debatte um Äußerungen zum Friedenstag: Politiker will neue Gedenk-Formen

Chemnitz. Nach seinen Äußerungen zum Gedenken anlässlich des Jahrestages der Bombardierung der Stadt am 5.März erhält der Chef des CDU-Ortsverbandes Mitte-Schloß, Marco Freymann, Rückendeckung vom Chemnitzer Landtagsmitglied Peter Patt. Der Vorsitzende des Ortsverbandes Kaßberg, Altendorf, Rottluff und Rabenstein, kritisierte gestern zwar die Wortwahl und die Form seines Parteikollegen. Gleichwohl könne er den Ärger von Freymann über die Ideologisierung des Friedenstages verstehen, sagte Patt.

Freymann hatte in einer E-Mail Parteien, Gewerkschaften und der Kirche vorgeworfen, "antidemokratische und antideutsche" Kräfte zu unterstützen, die die zivilen Opfer der Bombardierung von 1945 verhöhnten. Patt bezeichnete diese Äußerung als bedauerlich. Dennoch erklärte er, dass hinter Freymanns Meinung die Besorgnis über eine Vereinnahmung des Gedenktages durch Politiker der demokratischen Mitte, aber auch durch rechte und linke Extremisten stecke. "Doch das hat der 5. März und das haben seine Opfer nicht verdient", unterstrich er.

So habe das Bündnis zum Friedenstag beispielsweise CDU-Landtagsmitglieder verspätet eingeladen, den Aufruf zu unterstützen, sodass sie als Unterstützer offiziell nicht erscheinen. Seit wenigen Jahren werde das Gedenken "parteipolitisch unter OB Ludwig zur falsch verstandenen Selbstdarstellung genutzt, was letztlich der Stadt schadet", schlussfolgert der Politiker. Er wirbt um die Teilnahme an den Sternprozessionen, die von sechs Kirchen am Abend des 5. März zum Friedenskreuz und zur Gedenkveranstaltung auf dem Neumarkt führen sollen.

Patt, der zum Friedenstag in der Friedenspreis-Jury mitarbeitet, spricht sich auch für eine neue Form des Gedenkens aus. So unterstützten Organisatoren um Dr.Thomas Schuler den Vorschlag, 2013 an markanten Stellen der zerstörten Stadt zu gedenken: Stadttheater, ehemalige Post, Paulikirche, Nikolaikirche und Johannisplatz. Eine Friedenskette um das Zentrum sei ebenso eine Möglichkeit des Gedenkens, wie die Weiterführung der Gedenk-Matinee, wie sie Chronist Addi Jacobi jahrelang durchgeführt hatte.

 
erschienen am 01.02.2012 ( Von Grit Baldauf )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
36
(Anmeldung erforderlich)
  • 08.02.2012
    23:40 Uhr

    PeKa: @Ampelfrau
    (zu 2) "Sie bezweifeln also, dass es sich bei den von Ihnen unter (1) genannten Antideutschen bzw. Deutschenhassern um Deutsche handelt?"
    Nein. Der Begriff "undeutsch" ist eine Wortschöpfung der Rechten. Er drückt nicht aus, kein Deutscher zu sein (so wie Sie den Begriff verstehen), sondern er beschreibt, dass jemand Deutscher ist, aber eine andere Lebensauffassung vertritt als sie von den Rechten unter "wahrer deutscher Lebensweise" verstanden wird. Zu "undeutsch lebenden Personen" gehören nach rechtem Denkmuster Punks, Ökofreaks, kinderlose Karriere-Singlefrauen, Angehörige von christlichen Gemeindeerneuerungen nach amerikanischem Vorbild (wie z.B. die Arche auf der Augustusburger Straße, Evangelikale, Charismatiker, Vineyard-Bewegung), geistig Behinderte (von den Rechten als unwertes Leben verunglimpft), Zeugen Jehovas, Konvertiten zum Islam, Homosexuelle, Obdachlose und Deutsche, die mit einem muslimischen Partner zusammenleben. Jeder Deutsche hat die Freiheit zu wählen, wie er leben möchte. Kämen nun die Rechten an die Macht, dann wäre Schluss mit dieser Freiheit, dann würden sie genau diese Gruppierungen verfolgen, wegsperren, verprügeln oder vielleicht sogar umbringen. Genau das will ich nicht, schon alleine deshalb nicht, weil ich zur christlichen Gemeindeerneuerung gehöre und mich nach deren Lebensformen ausrichte. Außerdem habe ich einen guten muslimischen Bekannten. Ich wäre dann zumindest verdächtig. Also demonstriere ich gegen diese Rechten. Und dazu ist mir jeder Tag im Jahr, jeder Anlass und jedes DEMOKRATISCHE Bündnis recht! Ich würde nicht demonstrieren, wenn der Marsch der Rechten nicht stattfinden würde ? aus welchen Gründen auch immer. Dann gäbe es aber auch dieses Bündnis nicht, Frau Ludwig würde keine Rede halten, die Polizei müsste nicht eingesetzt werden, Tausende von Euro würden gespart und überhaupt hätte es dann dieses ganze Theater wegen Herrn Freymann nicht gegeben.

    (zu 4)
    Die PC ist ein sinnvolles Instrument, das den Politikern dazu dient, in Reden und Diskussionen, aber auch beim INTERNEN Umgang miteinander frei von Beleidigungen und Diskriminierungen zu sein. Leider gelingt das nicht allen und zu jeder Zeit. In der PC gibt es auf der einen Seite eine Aufstellung von Positivformulierungen und auf der anderen Seite eine Sammlung rhetorisch unzulässiger
    Ausdrücke und Sätze, die ein wertvoller Politiker einfach nicht in den Mund nimmt. Philosophisch gesehen geht die PC davon aus, dass sich jede politische und soziale Aufgabe kommunikationsseitig allein mit Hilfe der Positivformulierungen angehen und lösen lässt. Die PC erfüllt somit die Funktion einer Schutzeinrichtung. Herr Freymann hat offenbar in die Sammlung der rhetorisch verpöhnten Formulierungen gegriffen und das war schlecht.

    (zu 7)
    Für mich ist jede Kritik an der Politisierung des Trauer- und Gedenktages von der Meinungsfreiheit gedeckt unter der Vorausetzung, dass sie politisch korrekt erfolgt. Das Gegenteil von PC ist ?politisch inkorrekt? (PI) und PI liegt bereits vor, wenn das Attribut "scheußlich" verwendet wird.

    4 1
     
  • 08.02.2012
    20:41 Uhr

    TheSaxon: "Political Correctness (PC) ist die Grundlage der demokratischen Kommunikationskultur."

    Political Correctness steht eher dafür, Probleme zu verschweigen, um nirgends anzuecken ....die fatale Auswirkung dieser Haltung sieht man in Bezug auf die Integrationsproblematik in Dtl.. Sie machen den Fehler, Political Correctness mit Diplomatie gleichzusetzen.

    Bei Diplomatie ist man auch bereit seinem Feund gegenüber Kritik zu äußern, dass nat. in einem ruhigen aber best. Ton..und man ist der Meinung, dass auch das eine Freundschaft aushält.

    Bei Political Correctness hingegen, wird berechtigte Kritik verschwiegen, weil man der Meinung ist, dass eine Äußerung dieser, eine negative Auswirkung auf das Gesamtverhältnis haben könnte.

    "Frau OB Ludwig solle eher an der Würde der tausenden Chemnitzer Bombentoten gelegen sein, als an diesem Tag mal wieder politischen Mummenschanz "gegen rechts" aufzuführen."

    Damit wird es genau so "Mau" aussehen, wie der Einsatz von Frau Ludwig für das architektonische Erbe von Chemnitz. Ich möchte nicht wissen, wieviele Gebäude, die dieses Inferno des März 45 und dem was danach kam, überlebt haben, in der Ära Ludwig + GGG gefallen sind.

    1 4
     
  • 08.02.2012
    11:20 Uhr

    PeKa: @Maria96, Gute Frau, haben Sie mal auf das Datum der Meldung über Harald Krause geschaut? Es lautet 17.12.2008. Das ist Schnee von vorgestern! Ob seine damals aufgestellte Behauptung gegen Andreas Hähnel berechtigt oder ob sie falsch war, kann ich nicht beurteilen. Könnte es vielleicht sein, dass Mobbing gegen Herrn Krause veranstaltet wird? Innerhalb der Chemnitzer CDU scheint es so zuzugehen wie hier in dieser Diskussionsrunde: Der Geist der Offenbarung kämpft gegen den Geist der Finsternis. Herrn Krause deswegen gleich aus der Partei ausschließen zu wollen, ist - um die Worte von Ihrer Vorschreiberin zu verwenden - ein Gruß der Inquisition.

    4 1
     
  • 08.02.2012
    11:10 Uhr

    Ampelfrau: @Peka
    (1) "Antideutsch bzw. ein Deutschenhasser zu sein ist keine Straftat..."

    Es ist jedem unbenommen, seine Eltern, sein Land oder sich selber zu hassen. Aber man muss nicht anlässlich des Jahrestages der Bombardierung von Chemnitz mit Leuten Bündnisse eingehen, die die Bombenopfer ganz offen verhöhnen.

    (2) "Die Einstufung von jemanden als "antideutsch" setzt - bei allem Unterschied der beiden Begriffe - die Einstufung des Betreffenden als "undeutsch" voraus."

    Sie bezweifeln also, dass es sich bei den von Ihnen unter (1) genannten "Antideutschen bzw. Deutschenhassern" um Deutsche handelt?

    (3) "Die Parolen "Nie wieder Deuschland", "Deutschland abschaffen" u.s.w sind mir sehr wohl bekannt und ich lehne sie strikt ab."

    Das ehrt Sie. Nur scheint das sogenannte "Bürgerbündnis" solche Parolen nicht nur nicht abzulehnen (oder haben Sie von einer solchen Ablehnung gehört?), sondern paktiert sogar mit Elementen, die diese Parolen von sich geben.
    Und Sie tun hier wiederholt so, als würden die Deutschland-Hasser und Verhöhner von Bombenopfern sich irgendwie heimlich unter die "guten" Demonstranten mischen und man könne ja gar nichts dagegen tun...

    (4) "Political Correctness (PC) ist die Grundlage der demokratischen Kommunikationskultur."

    Interessant. Unter (1) halten Sie noch die Meinungsfreiheit hoch. Aber die gilt bei Ihnen offentlichlich nur
    a) für "richtige" Meinungen und
    b) für antideutsche Hassreden.
    Oder?

    (5) "Bei allen Fehlern, die sie verursachen, frage ich mich: Wer sollte uns vertreten, wenn nicht diese?"

    Eine gute Frage, die sich vielen Menschen tatsächlich stellt, eben weil Sie sich nicht mehr vertreten sehen. Die Antworten auf diese Frage sind sicher sehr individuell, ein Ausweg ist nicht in Sicht.
    Einen sächsischen König jedenfalls wird es in absehbarer Zeit leider nicht wieder geben :)
    Aber das führt nun vielleicht doch etwas weit vom Thema weg, oder?

    (7) "Die Demo am 5. März ist durch die Person unserer OB, Frau Ludwig, als oberste Instanz der Stadtverwaltung gedeckt."

    Und eine Kritik an dieser scheußlichen Politisierung eines Trauer- und Gedenktages ist für Sie nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt, die Sie sonst selbst "Deutschenhassern" zugestehen, wie Sie unter (1) schreiben?

    Frau OB Ludwig solle eher an der Würde der tausenden Chemnitzer Bombentoten gelegen sein, als an diesem Tag mal wieder politischen Mummenschanz "gegen rechts" aufzuführen.

    1 3
     
  • 07.02.2012
    23:29 Uhr

    PeKa: Werte Maria42, zu Ihrem Kommentar folgende Anmerkungen als Gedankensplitter:
    (1)
    Antideutsch bzw. ein Deutschenhasser zu sein ist keine Straftat, sondern lediglich eine innere Einstellung und innere Einstellungen sind durch die Meinungsfreiheit gedeckt.
    (2)
    Die Einstufung von jemanden als "antideutsch" setzt - bei allem Unterschied der beiden Begriffe - die Einstufung des Betreffenden als "undeutsch" voraus.
    (3)
    Die Parolen "Nie wieder Deuschland", "Deutschland abschaffen" u.s.w sind mir sehr wohl bekannt und ich lehne sie strikt ab. Ebenso lehne ich es ab, eine Demo nur deshalb nicht stattfinden zu lassen, weil eine Handvoll irgendwelcher Idioten Transparente mit solchen Sprüchen tragen könnte.
    (4)
    Political Correctness (PC) ist die Grundlage der demokratischen Kommunikationskultur. Ohne PC ist das Praktizieren von Demokratie nicht machbar. Am Ja bzw. Nein eines Politikers im Speziellen und eines Bürgers im Allgemeinen zur PC zeigt sich, wer Freund und wer Feind der Demokratie ist.
    (5)
    Die Formulierung, "Unsere Parlamente sind voll von diesen politisch korrekten, in sich gebückten Schwiegersohntypen ohne Ecken und Kanten" ist ein herber Angriff gegen den Deutschen Bundestag, gegen das Europäische Parlament und gegen die Parlamente der europäischen demokratischen Regierungen. Bei allen Fehlern, die sie verursachen, frage ich mich: Wer sollte uns vertreten, wenn nicht diese?
    (6)
    Über Verbleib oder Entlassung von Herrn Freymann darf allein nur die CDU entscheiden.
    (7)
    Die Demo am 5. März ist durch die Person unserer OB, Frau Ludwig, als oberste Instanz der Stadtverwaltung gedeckt. Moralische Rückenstärkung erhält sie von den meisten (nicht allen) Fraktionen im Stadtrat, vom Mitglied des Bundestages, Frank Heinrich, von der jüdischen Gemeinde Chemnitz, von den Gewerkschaften und von Kirchen.

    3 2
     

 
 
 
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