Feiern mit Freunden: Am Samstag drängten sich die Pressefestbesucher vor der großen Bühne. Von dort aus verfolgten sie das Abendprogramm, unter anderem den Auftritt der Gruppe Rednex.
Foto: Kristin Schmidt
Petrus kann den Spaß nicht verderben
Fast alle redeten beim Pressefest über ein Thema: das Wetter
Chemnitz. Die Chemnitzer und ihre Gäste können feiern. Das bewiesen sie bis Sonntagabend. Drei Tage lang tanzten und lachten und schwoften sie beim Pressefest. Insgesamt 140.000 Besucher strömten auf die Küchwaldwiese. Sie jubelten den Musikern der Gruppe Rednex zu, sangen die Texte der deutschen Band Glasperlenspiel mit und schunkelten am Sonntagnachmittag zu den Liedern einer Schlagerparade mit Ella Endlich und G. G. Anderson.
Und doch waren es nicht nur die Stars auf der Bühne, die Gesprächsthema waren. Vor allem war das Wetter mal wieder in aller Munde. "Am Samstag zu warm, am Sonntag zu nass", lautete die knackig kurze Einschätzung von Reinhard Storch. Er ist der Chef der Chemnitzer Parkeisenbahn, die im Küchwald ihre Runden dreht. "Etwa 4000 Leute stiegen am Wochenende in unsere Bahn ein", sagt Storch. "Bei besserem Wetter wären es mehr gewesen."
Petrus' Launen hielten jedoch nicht nur Reinhard Storch außer Atem. Als nach einem samstäglichen Hitzetag mit bis zu 32 Grad Celsius am Abend Wolken aufzogen, schaute auch "Freie Presse"-Geschäftsführer Ulrich Lingnau kritisch gen Himmel. "Hoffentlich müssen wir nicht abbrechen", schickte er ein Stoßgebet nach oben. Doch alles ging gut. Erst tief in der Nacht öffneten sich die Regenschleusen. Erst, als das 25-minütige Feuerwerk vorbei war und der Chemnitzer Musiker Eckehard Bauer die Bühne verlassen hatte. "Das war eine Wahnsinnskulisse", sagte er nach seinem Auftritt. "Beim Pressefest vor fast 50.000 Leuten zu spielen, ist immer wieder ein Erlebnis, das bei mir für Gänsehaut sorgt." Nadja Eberhard war eine der Zuhörerinnen. Die 26-jährige gebürtige Chemnitzerin, die inzwischen in Berlin wohnt, nutzte das Pressefest, um mit guten Freunden zu feiern. "Hierher auf die Festwiese zu kommen, ist für mich schon Tradition geworden", sagte sie. "Heute Abend bin ich mit den Mädels da, am Sonntag spaziere ich dann mit meinen Eltern durch den Küchwald."
Zu sehen und zu kosten gab es für sie und die vielen anderen Besucher eine Menge: Insgesamt 35 Schausteller hatten ihre Fahrgeschäfte aufgebaut, darunter ein 45 Meter hohes Riesenrad. Fast 40 Imbissbuden lockten mit kulinarischen Genüssen und erfrischenden Getränken. Und nur ganz wenige übertrieben es beim Feiern. Das bestätigte Steffen Peter, der für das Festgeschehen zuständige Sanitäter. "Es gab fast keine Alkoholunfälle. Hauptsächlich wurden wir gerufen, um Menschen mit Kreislaufproblemen zu helfen", so der Mediziner. Wie friedlich es beim Pressefest zuging, brachte Steffen Marquardt, Polizeiführer vom Dienst, auf den Punkt: "Wir mussten weder Streitigkeiten schlichten noch Verkehrsunfälle aufnehmen."
Festorganisator Jürgen Rotter zeigte sich nicht nur deswegen mit dem Ablauf der Leserparty zufrieden. "Unsere gute Vorbereitung hat sich ausgezahlt", meinte er. Zudem wurde in diesem Jahr so viel Wert auf den Schutz der Nachbarn und Natur gelegt wie noch nie. "Wir haben unter anderem die Bühne neu ausgerichtet, sodass der Musikklang ausschließlich in den Park und nicht ins Wohngebiet schallt", erklärte Rotter. Zusätzlich arbeite man mit einer Gartenbaufirma zusammen, die die vom Regen aufgeweichte Wiesenfläche wieder herrichten soll.

