An der Musikschule (Fassade links) befindet sich jetzt noch die einstige Turnhalle (rechts) mit dem Zugang (Mitte) dazu. Ob und wann die Turnhalle durch einen Neubau ersetzt wird, ist wieder völlig offen. 
An der Musikschule (Fassade links) befindet sich jetzt noch die einstige Turnhalle (rechts) mit dem Zugang (Mitte) dazu. Ob und wann die Turnhalle durch einen Neubau ersetzt wird, ist wieder völlig offen.

Foto: Andreas Seidel

Pläne für Anbau an Städtischer Musikschule vorerst geplatzt

Mit dem Ausbau hatte die Einrichtung fest gerechnet - Doch jetzt fehlt das Geld

Chemnitz. Mehr Platz für Proben und Konzerte sollte der 1000 Quadratmeter große und drei Millionen Euro teure Anbau an der Städtischen Musikschule auf dem Kaßberg bieten. Doch die beim Land Sachsen beantragten Fördermittel seien nicht bewilligt worden, bestätigte jetzt Kulturbürgermeister Philipp Rochold. Was nun aus dem Anbau-Projekt werden soll, ist unklar.

Entstehen sollte der Anbau dort, wo derzeit noch die einstige Turnhalle steht. Die wird von der Musikschule zwar genutzt, doch ist die Halle sanierungsbedürftig und nur rund 250 Quadratmeter groß. Da aber die Schülerzahlen stetig steigen, hatte der Stadtrat bereits 2009 den Ausbau der Schule beschlossen.

Dass die Musikschule räumlich an ihre Grenzen stoße, sei unstrittig, so Rochold. Lernten nach Angaben der Schule vor etwa fünf Jahren noch rund 1500 Mädchen und Jungen in der Einrichtung, seien es heute rund 2200; dazu gibt es Wartelisten, auf denen zeitweise bis zu 300 Namen standen. Die Liste habe man zwar um etwa 100 Namen abbauen können, indem zusätzliche Honorarlehrer beschäftigt worden seien, erklärt Musikschulleiterin Nancy Gibson. Die Platznot aber bleibe. So miete die Musikschule seit zwei Jahren Räume in anderen Schulen an, erklärt Rochold. Pro Jahr müsse sie so bis zu mehrere tausend Euro Mietkosten zahlen, die aber bei der Nutzung kommunaler Räume in den Stadthaushalt zurückflössen.

Die Stadt hatte für die Musikschule, so Rochold, Fördergeld beim Freistaat für den Zeitraum von 2011 bis 2013 in Höhe von knapp zwei Millionen Euro€ beantragt. "Bewilligt wurden uns jedoch nur 202.000 Euro€ für das Jahr 2011." Für die Folgejahre könne zwar erneut Fördergeld beantragt werden, was die Stadt auch tun wolle. Allerdings fehle so Planungssicherheit, ob man erneut bedacht werde. Deshalb prüfe die Stadtverwaltung, ob auch ein kleinerer Anbau sinnvoll wäre. Zur Verfügung stünden dafür 1,3 Millionen Euro aus Fördergeld und Eigenmitteln. "Wenn die Planer zu dem Schluss kommen, dass da etwas Sinnvolles möglich ist, würden wir so schnell wie möglich mit diesem Bau beginnen", so Rochold. Denkbar wäre das nächste Jahr. Allerdings würde so gebaut, dass eine spätere Erweiterung möglich wäre, wenn neu beantragtes Fördergeld fließe. Sei eine kleinere Variante aber ohne Nutzen, würde man sie nicht verfolgen. Dann sei auch fraglich, ob die Turnhalle bereits abgerissen werden müsse, "wenn wir erst einmal gar keinen Ersatz haben".

Nancy Gibson aber bleibt optimistisch. "Ich habe das Gefühl, dass sich alle große Mühe bei der Suche nach einer Lösung geben." Auch beim zuständigen Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Dresden betont man, dass Projekt "weiter wohlwollend zu begleiten", so Sprecherin Annett Hofmann. Aber es habe eine Gesetzesänderung gegeben, die weniger Geld für derartige Projekte zur Verfügung stelle. Das Geld vom Land kommt aus einem Topf für sogenannte Strukturmittel, aus dem alle Kulturräume in Sachsen - Chemnitz ist einer davon - profitieren können. Seit Januar stehen in diesem Topf aber statt jährlich 1,7 nur noch eine Million Euro zur Verfügung, so Hofmann. Und auch davon abgesehen: Trotz allen Wohlwollens vom Land, betont sie, liege die Verantwortung für die Musikschule zuerst bei der Kommune.

 
erschienen am 30.10.2011 ( Von Katharina Leuoth )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
7
(Anmeldung erforderlich)
  • 03.11.2011
    17:51 Uhr

    gelöschter Nutzer: @Ballfreund
    Es ist immer gut, wenn man erst nachdenkt und sich dann äußert!
    Wenn die Stadtverwaltung beim Gunzenhauser ordentlich geplant hätte, wären einfach nur weniger Fördermittel geflossen. Warum fragt niemand nach disziplinarischer und finanzieller Verantwortung, den nur darin liegt ein Schlüssel des Erfolges. Wenn man die Arbeitsweise!!! der Stadtoberen beim Gunzenhauser auf das Stadion überträgt, graust es schon heute den "Hund mit samt der Hütte".
    Nebenbei gesagt, kann ich gerne auf Dortmunder, Stuttgarter und Frankfurter Verhältnisse verzichten.

    0 1
     
  • 03.11.2011
    16:30 Uhr

    Ballfreund: Tja. Vielleicht hätte man die Musikschule auch mit den 500.000 Euro querfinanzieren können, die im aktuellen Haushalt bereits für die Rückzahlung von Fördergeldern für das Museum Gunzenhauser eingestellt sind. Aber ist schon recht, auf das Stadion zu schimpfen (welches im Übrigen immer noch nicht von der LD genehmigt ist und bisher keinen einzigen Euro gekostet hat) fällt wesentlich leichter.

    2 0
     
  • 02.11.2011
    10:49 Uhr

    schnellleserin: @ fuxx, nein, die Mittel wären auch ohne das Stadion vielleicht nicht geflossen. Das ist aber ja ein Teil des Problems: wenn das Geld jetzt schon nicht da ist, wo soll denn dann bitte das andere Geld herkommen.

    Ich bin kein Stadionbefürworter, aber auch kein Gegner. Aber ich finde es furchtbar, dass wenn man jetzt schon kein Geld hat Mittelzusagen zu machen, die ABSEHBAR zu weiteren und größeren Problemen führen werden.

    Soll doch die Stadt ihr Stadion haben. Genau das ist ja das Problem, aber die Kids sollen auch ihre Musikschule bekommen.
    Ich bin dagegen, dass wenn doch gespart werden muss, derartig große Verpflichtungen eingegangen werden.

    0 2
     
  • 01.11.2011
    17:06 Uhr

    fuxx: Schön, dass die Reflexe so vorhersagbar funktionieren. Ohne den Stadionbeschluss wären die Fördermittel für die Musikschule also geflossen? Und der Anbau wurde geplant weil es keine Lobby dafür gibt?

    Das ständige Ausspielen von Interessengruppen nervt eigentlich nur.

    @HB: Können Sie sich nicht vorstellen, das es Bürger gibt, die gern sowohl ins Stadion als auch in den Tierpark gehen und Kinder in der Musikschule haben?

    Dieser Argumentation kann ich nicht viel abgewinnen. Ich finde auch mehr Engagement für den Tierpark wichtig ( der mit Amphibien- und Tropenhaus für mich auch attraktiv ist). Aber warum wird das immer nur als Contra in der Stadiondiskussion gebraucht???

    1 1
     
  • 01.11.2011
    14:51 Uhr

    HorrorBeetle: Liebe schnellleserin,

    den Grund für das fehlende Geld an der Schule und das Überschüssige Geld kann ich Ihnen nennen: Lobby. Die Lobby für den Fußball ist rießig. Für Kinder besteht erst gar keine.

    Bedenkt man, dass es sich um !einmalig! nichtmal 2 Mio handelt, für Menschen in deren Zukunft diese Stadt liegt, dann lässt sich beim besten kein Argument finden.

    Und um es allen vorweg zu nehmen: nein, es liegt nicht an den fehlenden Fördermitteln des Freistaates, denn dass es keine Fördermittel gibt, hat beim Stadionbeschluss auch keinen interessiert.

    Neben dem Tierpark ist die Musikschule nun die zweite Einrichtung, die unter einem modernen Chemnitz mit modernem Fußball-Luxus leiden muss.

    Danke!

    3 3
     

 
 
 
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