Falk Bertram forderte am Donnerstag mit den Demonstranten auf dem Neumarkt, die Sparpläne für die Bibliotheken aufzugeben.
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Sparpläne für Bibliothek stoßen auf Proteste
Rund 100 Chemnitzer demonstrieren gegen vorgesehene Kürzungen im Tietz - Kulturbürgermeisterin Lüth: Wir müssen aber weniger ausgeben
Chemnitz.Mit Trillerpfeifen und Plakaten haben am Donnerstag rund 100 Menschen vor dem Chemnitzer Rathaus gegen Einsparungen bei der Stadtbibliothek protestiert. "Es darf nicht sein, dass es im modernen Tietz nur noch alte Bücher gibt", sagte der Schatzmeister des Fördervereins der Stadtbibliothek, Falk Bertram. Sollte die Stadt die Sparpläne für kommendes Jahr umsetzen, müsse auf fast die Hälfte der neuen Bücher- und Medienanschaffungen verzichtet werden. Die Öffnungszeiten müssten erheblich verkürzt und der Bücherbus stillgelegt werden. "Zu alledem sagen wir nein", erklärte Bertram.
Die unter der Wirtschaftskrise leidende Stadt plant in ihrem Haushaltsentwurf 2010 Einsparungen in Höhe von 200.000 Euro für das Tietz, in dem die Stadtbibliothek untergebracht ist. Tietz-Chef Werner Rohr hatte bereits angekündigt, die wöchentlichen Öffnungszeiten der Stadt- sowie der Stadtteilbibliotheken um etwa zwölf Stunden zu verringern, sollte die Stadt nicht einlenken. 200 Autorenlesungen würden im Jahr wegfallen. Im größten Kulturhaus der Stadt waren im vergangenen Jahr insgesamt 940.000 Besucher gezählt worden, davon 720.000 in den Bibliotheken.
"Ich erwarte eher, dass die Öffnungszeiten verlängert statt verkürzt werden", sagte Rolf Müller am Rande der Protestaktion. Fast täglich lese er im Tietz Zeitungen, Zeitschriften und Bücher. "Das ist doch ein breites und wertvolles Angebot", so der 71-Jährige. Die 21 Jahre alte Caroline Sesser benötigt öfters Bücher aus der Bibliothek für ihr Sozialarbeitsstudium: "Da gibt's Bücher, die es an der Uni nicht gibt."
Ein herber Verlust wäre aus Sicht des Fördervereins die Abschaffung des Bücherbusses. Zehn Haltestellen fährt der Bus täglich an, stoppt vor Schulen, Seniorenheimen oder Ausleihstellen. Die Literatur kann kostenlos ausgeliehen werden, sagte die Leiterin des Busses, Petra Hering. Mehrere 100 Menschen würden das Angebot am Tag annehmen. Dabei sei der Bus Anfang der 1990er Jahre als Ersatz für geschlossene Zweigbibliotheken angeschafft worden.
Viele der Demonstranten drängte dann in die Sitzung des Kulturausschusses im Rathaus, um dort mit ihrer Anwesenheit ihren Unmut über die Sparpläne zu untermauern. Schatzmeister Bertram schilderte dort vor Kulturbürgermeister Heidemarie Lüth erneut die erwarteten Auswirkungen der Sparpläne, darunter den Wegfall von 20 Stellen für geringfügig Beschäftigte. "Es sind die Stellen der Mitarbeiter gefährdet, die die zurückgebrachten Bücher und Medien zeitnah einsortieren." Lüth versicherte, die Bedenken in die Beratungen einzubeziehen. Sie betonte aber auch: "Wir müssen sparen, und zwar nicht wegen der Dummheit der Verwaltung, sondern wegen der Wirtschaftskrise. Und wir sparen auch bei der Stadtverwaltung selbst." Alternativ zu Einsparungen im Kulturbereich könne sie dem Stadtrat auch vorschlagen, Abfallgebühren oder die Gewerbesteuer zu erhöhen.


