So soll die neue Spielstätte aussehen.Foto: Andreas Truxa
Stadion-Pläne im Rat umstritten
Kritische Stimmen zum Bau mehren sich - Gefordert wird ein stärkeres Engagement der Wirtschaft
Chemnitz. Chemnitz. Wenn es nach Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und dem Chemnitzer FC geht, soll die Spielstätte des Drittligisten an der Gellertstraße ab Frühsommer 2012 in ein zweitligataugliches Stadion umgebaut werden. Bauherr wird nach Ludwigs Vorstellungen die städtische Wohnungsgesellschaft GGG; die Stadt bürgt für den Kredit, überlässt die neue Arena dem Verein zur Nutzung und übernimmt die Mietzahlungen an die GGG. Die sollen laut Ludwig bei geschätzten zwei Millionen Euro pro Jahr liegen.
Der Chef der Linksfraktion im Stadtrat, Hubert Gintschel, lehnt dieses Finanzierungsmodell kategorisch ab. "Die GGG ist nicht in der Lage, ihren Wohnungsbestand zu sanieren, weil sie keine Kredite bekommt und will jetzt ein Stadion bauen", erklärte er und fügte hinzu: "Diesen Weg gehen wir nicht mit." Eine entsprechende Erklärung werde seine Fraktion auch in der Stadtratssitzung am Mittwoch abgeben.
Nach Gintschels Worten sei beim Stadionbau "zuallererst die Chemnitzer Wirtschaft gefordert". Zugleich erinnerte er daran, dass Unternehmensvertreter schon länger ein modernes Stadion für Chemnitz gefordert haben. "Jetzt wird man sehen, wie viel Herzblut neben großen Worten daran hängt", so Gintschel. Dass der Fußball ein wichtiger Standortfaktor für die Stadt sei und der CFC die Auflagen des Deutschen Fußballbundes erfüllen müsse, stehe für ihn indes außer Zweifel.
Axel Brückom, Vorsitzender der SPD-Fraktion, sieht die Wirtschaft beim Stadionbau hingegen nicht in der Pflicht. "Die regionalen Unternehmen haben genug damit zu tun, dem CFC Geld für gute Spieler zur Verfügung zu stellen", sagte er der "Freien Presse". Ziel müsse es sein, dass der Verein in die 2. Bundesliga aufsteigt. "Dann könnte er sich an der Finanzierung des Stadions beteiligen", so Brückom. Nach den sportlichen Erfolgen des CFC sei der Stadionbau notwendig, fügte er hinzu. Allerdings könne er das geplante Finanzierungsmodell derzeit noch nicht seriös bewerten. "Wir werden uns die Sache noch im Detail anschauen und die GGG-Geschäftsführerin zu einem Gespräch einladen", kündigte er an. Die SPD-Fraktion wolle nicht, dass die GGG wegen des Stadionbaus ihre eigentlichen Aufgaben als Wohnungsunternehmen vernachlässige.
Ullrich Müller, Fraktions-Chef der CDU im Stadtrat, sieht ähnlich wie Gintschel die Unternehmen in der Pflicht. "Die Wirtschaft sollte sich am Stadionbau beteiligen", sagte Müller. Zugleich machte er deutlich, dass die Stadt den Fußball und den CFC unterstützen müsste. "Allerdings darf die Förderung des Chemnitzer Sports nicht darunter leiden", erklärte er. Seine Fraktion werde sich den Stadion-Plänen nach der Sommerpause zuwenden.
Die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hatte schon in der vergangenen Woche angekündigt, dass sie eine kommunal finanzierte Modernisierung des Stadions ablehnt. Fraktionsvorsitzender Thomas Lehmann erklärte, dass der Bau eines Stadions keine Aufgabe der öffentlichen Hand sei. Er kritisierte, dass die Stadt "an allen Ecken und Enden" sparen müsse, zugleich aber zwei Millionen Euro pro Jahr für die Stadionmiete aufbringen will.
Auch in der FDP-Fraktion melden sich kritische Stimmen zu Wort. Ratsmitglied Jürgen Konrad teilt in einer Presseerklärung mit, einerseits sollen die Stadträte dem Vorschlag zustimmen, dass wegen Geldmangels die Sportstätten an die Vereine in Eigenregie übergeben werden, andererseits will die Stadt ein neues Stadion für den CFC bauen. "Wie ich das den Sportlern zum Beispiel in Röhrsdorf erklären soll, weiß ich nicht", so Konrad.
Laut Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig soll das Bauvorhaben in der Oktober-Sitzung des Stadtrates behandelt werden. Neben der Zustimmung der Stadträte ist auch grünes Licht von der Aufsichtsbehörde der Stadt, der Landesdirektion Chemnitz, erforderlich. Nach den Plänen soll bis Ende 2013 eine Fußballarena mit komplett überdachten Zuschauerrängen, einer neuen Flutlicht- und Beschallungsanlage sowie einer elektronischen Anzeigetafel entstehen. Das Stadion soll 15.000 Zuschauer fassen können.

