Stadthalle Chemnitz gewährt Blick hinter die Kulissen
1300 Besucher zur Eröffnung nach der Sommerpause - Sanierungsarbeiten laufen
Chemnitz Rund 1300 Neugierige haben am Wochenende hinter die Kulissen der Stadthalle Chemnitz geschaut. Die nutzte den Besucheransturm zum Stadtfest, um ihr Haus nach der Sommerpause wieder zu öffnen und bot Führungen sowie eine Technik-Show an.
Ganz zufrieden war Pressesprecherin Yvonne Waschnig jedoch nicht. "Der Besucherstrom geht an uns vorbei. Anders als im vorigen Jahr reichen die Buden und Attraktionen nicht bis zu uns heran", äußerte sie. Trotzdem sammelten sich zu den Führungen jeweils rund 100 Interessierte. Sie erfuhren von Stadthallengeschäftsführer Ralf Schulze, dass die Zahl der Veranstaltungen mit rund 350 und die der Besucher mit etwa 300.000 in den vergangenen Jahren konstant war.
Derzeit laufen zudem umfassende Arbeiten zur Sanierung der Brandschutzeinrichtungen. Auch bisher sei der Brandschutz beachtet worden, erklärte Schulze. "Aber die Auflagen sind wesentlich strenger geworden."
So fließen von den rund 8,3 Millionen Euro Gesamtkosten für die derzeitigen Bauarbeiten etwa 160.000 Euro in neue Brandschutzanlagen. Eine wurde kurz vor der Saisoneröffnung fertiggestellt: Die Skulptur des Galileo im Foyer erhielt eine Lamellenverglasung, die für das Entrauchen im Fall eines Feuers sorgt. Der Einbau von Rauchklappen und von baulichen Abtrennungen aller Brandabschnitte im Haus steht bis 2009 noch an. "Die meisten Arbeiten werden in den Schließzeiten erledigt", so der Stadthallen-Chef.
Tonmeister Klaus Schirmer, schaute zur Veranstaltung am Wochenende auf 34 Jahre Arbeit in der Stadthalle Chemnitz zurück. Seit der Eröffnung 2004 arbeitet er im Kulturtempel, damit jeder Künstler, jede Band und jeder Redner den richtigen Ton trifft. Stolz verriet er, dass viele Teile der Technik schon 20Jahre alt, aber noch immer auf einem hohen Stand sind. "Damals haben Kombinate Valuta-Mark für uns gesammelt, von denen wir uns die damals weltbesten Lautsprecher gekauft haben", erzählte der 57-jährige Toningenieur. Noch rund zehn Jahre könne man die nutzen.
Modernisiert wird derzeit trotzdem: "Wir steigen von analoger auf digitale Tontechnik um. Die Pulte werden kleiner und leichter", erklärte der Mann, der die Sängerin Lolita aus der Schweiz kannte, als sie noch nicht mit Kurt Felix verheiratet war, und der manche Story aus seiner Arbeit berichten kann. So die: "Die Pianisten Marek und Vacek sind nach ihrer Ausreise aus Polen noch einmal bei uns in der Stadthalle aufgetreten. Da war das Haus voller Stasi-Leute. Ich hatte die Aufgabe, laute Musik einzuspielen, falls die ein politisches Statement abgegeben hätten."
Heute empfindet Klaus Schirmer es als die schwierigste Aufgabe, die Technik für einen Redner einzustellen, denn da müsse man ja jedes Wort verstehen können.
Ob nun Tontechnik, Licht oder die faszinierende Anlage unter der Bühne - für die Gäste zum Tag der offenen Tür hatte sich dieser Besuch abseits des Stadtfesttrubels gelohnt. Das fand auch Tobias Steinbach. Der neunjährige Wittgensdorfer war mit seinen Großeltern da. "Das hat mir sehr gut gefallen, vor allem die Maschinen, die die Bühne hoch unter runter fahren", schwärmte er. Seine Großeltern kennen die Stadthalle seit der Eröffnung und schätzen sie. "Dass die alte Technik noch hält, finde ich klasse und auch, dass der Geschäftsführer selbst die Führungen macht, ist großartig", lobte Großvater Bernd Steinbach.
Veranstaltungen:
Am 16. September startet in der Stadthalle "Caveman - Du sammeln, ich jagen!" um 20 Uhr im Kleinen Saal. Das erste Sinfoniekonzert der Saison mit der Robert-Schumann-Philharmonie ist am 17.September, 20Uhr im Großen Saal.

