Wohn- und Geschäftshaus an der Jägerstraße In bester Lage befindet sich das Wohn- und Geschäftshaus an der Jägerstraße in Limbach-Oberfrohna. Ein Teil wird zwangsversteigert.

Foto: Andreas Seidel

Stadthaus kommt erneut unter den Hammer

Wohn- und Geschäftskomplex in Limbach-Oberfrohna nicht versteigert - Gebot noch zu gering - Investor will Hotel zu Ärztehaus umbauen

Limbach-Oberfrohna. Limbach-Oberfrohna. Ein Teil des Wohn- und Geschäftskomplexes mit Hotel an der Jägerstraße in Limbach-Oberfrohna, das so genannte Stadthaus, sollte am Dienstag im Amtsgericht Chemnitz versteigert werden. Doch da der einzige Bieter, die RWG GmbH aus Seefeld (Bayern), mit 1,4 Millionen Euro unter dem Mindestgebot lag, kam das Gebäude nicht unter den Hammer. Laut der zuständigen Rechtspflegerin müsse mindestens die Hälfte des Verkehrswertes geboten werden. Dieser betrage 2,84 Millionen Euro. Gläubigerin ist die Eurohypo AG Leipzig.

Gericht: Fünf-Zehntel-Grenze dient Schutz des Schuldners

"Das Gebot wurde versagt, weil die Fünf-Zehntel-Grenze unterschritten wurde", erklärte Pressesprecher Marcus Gnad weiter. Diese Grenze diene dem Schutz des Schuldners vor der Verschleuderung der Immobilie. "Das heißt: Beim Ersttermin am Dienstag durfte der Zuschlag nicht erteilt werden, wenn das Meistgebot unter fünf Zehntel des vom Gericht festgelegten Verkehrswertes liegt", so die Rechtspflegerin. Sei der Zuschlag einmal wegen Nichterreichens der Grenze versagt worden, gelte sie nicht mehr in den Folgeterminen. Ein zweiter Verhandlungstag wurde am Dienstag noch nicht festgelegt.

Investor: Mindestgebot ist noch zu hoch

Die gute Wohn- und Geschäftslage unweit des Zentrums von Limbach-Oberfrohna hatte acht Interessenten ins Amtsgericht gelockt. Doch nur Rupert Frauendienst von der RWG GmbH gab ein Gebot ab. "Schwierig ist es, in Limbach-Oberfrohna ein Hotel zu betreiben. Deshalb wollen wir das Gebäude zu einem Ärztehaus umbauen", meinte der Investor. Im Haus seien bereits einige Arztpraxen ansässig. Doch das Mindestgebot sei noch zu hoch gewesen, meinte Frauendienst. Er wolle sich aber mit seiner Bank verständigen und erneut zum nächsten Versteigerungstermin erscheinen. Das haben auch einige Makler vor, die ebenfalls ihr Interesse für das Objekt bekundeten.

Der Gebäudekomplex mit einer Fläche von 4500 Quadratmetern ist außer dem City-Hotel, das seit etwa vier Jahren leer steht, voll vermietet und verpachtet. Unter anderem befinden sich im Areal Lebensmittelmarkt, Drogerie, zwei Schuhläden, Reisebüro, Geschenkboutique, Bäckerei, Optiker, Sportladen und weitere Geschäfte.

Das Wohn- und Geschäftshaus besteht aus vier Gebäudeteilen mit drei Wohnungen, teilweise ausgebautem Dachgeschoss, 19 Gewerbeeinheiten sowie 35 Tiefgaragenstellplätzen und etwa 60 Parkplätzen im Freien, heißt es im Gutachten. Etwa ein Zehntel der Fläche ist aber von der Zwangsvollstreckung nicht betroffen. Die Stadtverwaltung Limbach-Oberfrohna hat indes noch rund 10.000 Euro an Grundsteuern vom einstigen Besitzer zu bekommen. Diese und weitere Forderungen sollen laut Amtsgericht mit der Versteigerung beglichen werden. Zu den fehlenden Einnahmen im Stadtsäckel wollte sich Stadtsprecherin Iris Hielscher mit Hinweis auf das Steuergeheimnis nicht äußern.

Mieter: Bisher keine Probleme mit der Zwangsverwaltung

Laut Angaben des Amtsgerichtes war der Gebäudekomplex als Stadthaus 1993 auf dem Grundstück Jägerstraße 11 bis 17 gebaut worden. Die ehemalige Färberei war abgerissen worden.

Als der Investor pleitegegangen war, übernahm ein zweiter Investor die Immobilie. Seit April 2004 steht der zur Versteigerung gehörende Komplex unter Zwangsverwaltung. Gläubigerin, Schuldner und Zwangsverwalter wollten sich am Dienstag zu dem Verfahren nicht äußern.

Einige Mieter des Komplexes aber schon: "Ich wohne seit einigen Jahren hier, die Miete geht an den Zwangsverwalter. Bisher gab es keine Probleme", meinte ein Mann. Andrea May vom gleichnamigen Schuh- und Orthopädiegeschäft pflichtete ihm bei: "Wir sind seit Anfang an im Stadthaus. Wir haben bisher gute Erfahrungen gemacht, auch wenn die Pacht an den Zwangsverwalter geht."

Eigentümer: Von der Versteigerung nicht berührt

Unberührt von der Zwangsversteigerung bleibt unter anderen die Zahnarztpraxis von Frank Schönfeld: "Eigentlich wollten wir Räume der ehemaligen Poliklinik kaufen. Dann kam der Investor und baute das Wohn- und Geschäftshaus. Wir kauften Flächen für unsere Gemeinschaftspraxis", sagte der Arzt.

 
erschienen am 09.03.2010 ( Von Bettina Junge )
 
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