Städtevergleich: Nirgends wohnt man so günstig wie in Chemnitz
In München sind Mieten im Schnitt fast dreimal so hoch - Hausbesitzer klagen trotzdem nicht
Chemnitz. Für durchschnittlich 4,61 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter haben Chemnitzer Vermieter ihre Wohnungen im zweiten Halbjahr 2011 in einem großen Immobilienportal im Internet angeboten. Unter den verglichenen 50 größten Städten Deutschlands war das der niedrigste Wert. In München, der laut diesem Ranking teuersten Stadt der Republik, müssen Neumieter mit 12,98 Euro pro Quadratmeter fast dreimal so viel zahlen.
Veröffentlicht wurden die nicht repräsentativen Daten gerade vom Portal Immobilienscout24 - nach eigenen Angaben mit monatlich 1,5 Millionen Angeboten und sechs Millionen Nutzern bundesweit größter Anbieter dieser Art. Sie decken sich mit Ergebnissen anderer Vergleiche. So liegt Chemnitz laut dem jüngsten Quartalsbericht des Hamburger Immobilieninstituts F plus B mit 4,60 Euro durchschnittlicher Neuvertragsmiete auf Platz 493 von 504 deutschen Städten. Noch billiger wohnen kann man demnach beispielsweise in Görlitz, Zittau, Stendal, Plauen und Gera, wo die Quadratmeter-Preise zwischen vier und 4,50 Euro liegen sollen.
Für den Leiter des Stadtplanungsamtes, Börries Butenop, hat dieses Ergebnis zwei Seiten: Während Chemnitzer Mieter "die meiste Wohnung für das wenigste Geld" bekämen, sei es für Vermieter schwerer, aus den Mieten laufende Kosten decken, Kredite abzahlen und Rücklagen für die Instandhaltung bilden zu können. "Das hängt davon ab, wie teuer sie ihre Häuser gekauft und saniert haben", sagt Butenop. Für die Stadtplanung hätten die Durchschnittswerte aber keine Aussagekraft: "Dazu sind die Spreizungen bei den Miethöhen in jedem Stadtteil zu groß."
Laut Jens Zimmermann, Vorstand Mitte-Ost des Immobilienverbandes Deutschland, müssten kostendeckende Mieten bei solider Sanierung mindestens 5,11 Euro betragen. Trotzdem seien gerade die niedrigen Chemnitzer Preise ein Anreiz für Investoren: "Es kann nur noch in eine Richtung gehen - nach oben."
Michael Sachse, Vorstand des Haus- und Wohnungseigentümer-Vereins Haus und Grund Chemnitz und Umgebung, findet eine Durchschnittsmiete von 4,61 Euro für Chemnitz gar nicht schlecht. Er verweist auf den aktuellen Mietspiegel der Stadt, laut dem Mieten zwischen 3,62 Euro für einfache und 6,74 Euro pro Quadratmeter für sehr gute Wohnungen liegen dürfen. Da ein Großteil des Bestandes in der Stadt bereits saniert sei, seien Mieterhöhungen derzeit kaum durchzusetzen. "Das geht höchstens durch Modernisierung, wie den Anbau von Balkonen", erklärt er. In westdeutschen Großstädten sei Balkonnachrüstung gar kein Thema, so Sachse.
Der Vorsitzende des Chemnitzer Mietervereins, SPD-Stadtrat Klaus Möstl, freut sich über das Ranking-Ergebnis: "Es zeigt, dass es ein großes Angebot zu günstigen Mieten gibt." Von der städtischen Wohnungsgesellschaft GGG und Wohnungsgenossenschaften wisse er, dass die Unternehmen trotzdem Kapital für Investitionen hätten. Lediglich für private Hausbesitzer wünscht sich Möstl ein Förderprogramm des Bundes für Sanierungsvorhaben.
Die GGG verlangte von den Mietern ihrer 25.000 Wohnungen 2010 durchschnittlich 4,41 Euro pro Quadratmeter, sagt Sprecher Erik Escher. Trotzdem hätten seit den 1990er-Jahren mehr als 1,3 Milliarden Euro investiert werden können.
Die Wohnungsgenossenschaft Einheit (6300 Wohnungen) führt es auf den starken Wettbewerb zurück, dass die Qualität der Chemnitzer Wohnungen trotz des niedrigen Mietniveaus hoch sei.


15:38 Uhr
fuxx: Strom zählt ja nun nicht zu den Mietnebenkosten. Hier kann ja jeder selbst seinen Lieferanten auswählen.
Ansonsten hilft sicher ein Blick in den Betriebskostenspiegel des deutschen Mieterbundes für die Einordnung der persönlichen Situation. Hiernach liegen die durchschnittlichen Betriebskosten im Westen bei 2,22 Euro, im Osten bei 2,17 Euro.
Was hat der Supermarkt damit zu tun?
14:00 Uhr
Registrierter: Chemnitz Platz 76 Note 4,03
Regensburg Platz 81 Note 5,42
http://www.focus.de/immobilien/kaufen/staedte-ranking-wo-lebt-es-sich-am-besten_aid_399530.html
13:49 Uhr
ronaldschulz: Strom, Wasser und Gas haben sich bei mir nur äußerst geringfügig auf die Warmmiete aufgeschlagen, auch ansonsten lagen die Mietnebenkosten im erträglichen Bereich. Zurück zu Hause - und nein Herr Geiser mich hat die CWE nicht auf der A72 eingefangen - habe ich mir schon ein wenige die Augen gerieben. Kaltmiete ist eben nicht alles und auch der Supermarkt ruft in München die gleichen Preise auf wie in Chemnitz oder Magdeburg. Die Liste liese sich noch beliebig erweitern - aber sicher alles nur ein Einzelfall.
11:32 Uhr
fuxx: Welche Bertriebs- und Nebenkosten sind denn in München so signifikant geringer oder im Gegenzug in Chemnitz aus Ihrer Sicht so hoch?
11:07 Uhr
ronaldschulz: Hier beweist man mal wieder Mut zur Lücke. Dieses Ergebnis hat nicht nur 2 Seiten - eine weitere, für den Mieter nicht unerhebliche ist die Höhe der Nebenkosten. Vielleicht vergleicht man diese mal direkt zwischen München und Chemnitz. Das Ranking fällt dann sicherlich um einiges aussagekräftiger und deutlicher aus - und nein, Chemnitz wird dann wohl nicht mehr die günstigste Stadt sein. Ich habe viele Jahre in München gelebt und überlebt, ich traue mir also, hier einen nicht repräsentativen Vergleich zu ziehen. Herr Brandenburg - recherchieren Sie die Zahlen mal, ich stelle mir da ein spannendes Ergbenis vor.